Atomstromer auf Schmusekurs
Klingt doch ganz nett: Die
Atomindustrie will nach einem Bericht der Welt eine Allianz mit der
Erneuerbaren Energien Branche eingehen. Wenn die Laufzeiten für
Atomkraftwerke verlängert werden sei die Atombranche bereit,
dafür einen "politischen Preis" zu zahlen, so Walter
Hohelfelder, Präsident des Deutschen Atomforums.
Ein Teil der Zusatzgewinne durch
Laufzeitverlängerungen soll demnach in den Ausbau erneuerbarer
Energien und die Effizienzsteigerung gesteckt werden. Wie hoch dieser "politische Preis" angesetzt würde, soll noch verhandelt
werden, ebenso wie über alle weiteren Details. Wann? Natürlich NACH der Bundestagswahl: "Ab dem 27.
September 18:00 Uhr sind wir bereit, unsere Vorschläge auf den
Tisch zu legen", so Hohlefelder gegenüber der Welt.
Eine Katze im Sack auf Schmusekurs: Ohne Atomkraft droht die Stromlücke, warnt der Frontmann des Deutschen Atomforums in der Welt. Für diese Stromlücke hatte im letzten Jahr unter anderem die Dena kräftig die Werbetrommel gerührt. Der Monitoring-Bericht der Bundesregierung, der alle zwei Jahre die Sicherheit der Stromversorgung überprüft, kam jedoch zu einem deutlich anderen Ergebnis: Keine Versorgungsengpässe in Sicht. Ähnlich auch die Ansage vom Umweltbundesamts: Durch den Atomausstieg sei eine Stromlücke nicht zu erwarten.
Atomkraft und Erneuerbare – "Beide haben ausreichend Platz im Energiemix, ohne sich in die Quere zu kommen", verspricht Hohefelder großzügig. Das sehen Atomgegner nicht ganz so flexibel: Atom- und Kohlekraftwerke sind auf konstante Stromerzeugung bei voller Leistung angewiesen um überhaupt rentabel zu sein. Da passen erneuerbare Energien mit dezentralen und auf den Bedarf ausgerichteten Versorgungsstrukturen schwer ins Konzept.
Darauf ist die Atomwirtschaft in Großbritannien bereits selbst gekommen: Wenn das Land ernst mache mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien, so "drohten" kürzlich die Atomkonzerne Electricité de France (EdF) und Eon, könnten keine neuen Atomkraftwerke gebaut werden. Das würde sich durch die Konkurrenz aus Windenergie und Co. nicht mehr lohnen.
A prospos rentabel: Eine Verlängerung der Laufzeiten abgeschriebener Atomkraftwerke würde den Konzernen etliche zusätzliche Milliarden in die Kassen spielen. Angesichts dieses "politischen Preises" erklärt sich ein wenig Wehmutskuscheln fast von selbst.
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