Der Dena-Chef wechselt die Seiten

RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann habe ihn "gebeten" zum Essener Konzern zu wechseln, heißt es in einem Brief, den dena-Chef Stephan Kohler heute seinen Mitarbeitern verteilen ließ. Demnach plane RWE eine Konzern-Tochter, die sich mit Energie-Effizienz befassen solle, und Kohler soll den Chefposten übernehmen.  

SK_Portrait_kohlerPikant ist diese Personalie, weil Kohler zuletzt immer wieder Parteinahme zu Gunsten der vier großen Energiekonzerne vorgeworfen worden war. So hatte nach Energielobby und RWE plötzlich auch die dena vor drohendem Strommangel - "der Stromlücke" - gewarnt. Die Deutsche Energieagentur gehört mehrheitlich dem Staat und soll Mittler zwischen Industrie und politischen Interessen sein. Sich selbst beschreibt die dena als das Kompetenzzentrum für Energieeffizienz und regenerative Energien. Doch mit ihrer Warnung vor der "Stromlücke" standen die dena-Zahlen in Widerspruch zur Regierung und zum Umweltbundesamt. Eine Studie im Auftrag von Greenpeace wies auf zahlreiche Ungereimtheiten in den Berechnungen der dena hin. 

Einige Details ihrer Berechnungen legt die dena bis heute nicht offen. Klar aber ist, dass Kohlers Agentur den Energieverbrauch im Jahr 2020 höher ansetzte, als die Pläne der Bundesregierung aussagen. Auf der anderen Seite wurde das Ausbaupotential regenerativer Energiegewinnung bis 2020 relativ niedrig veranschlagt, die Laufzeit bestehender Kraftwerke deutlich kürzer als in anderen Studien. So ergab sich am Ende eine rechnerische Deckungslücke - und die Empfehlung, Atomkraftwerke länger laufen zu lassen und zusätzlich neue Kohlekraftwerke zu bauen. Exakt dies ist im Interesse der vier großen Stromkonzerne. 

Kohler habe noch mehrere solcher "Bewerbungsschreiben" an RWE abgegeben, erklärte ein Insider - "nun hat er ja Erfolg".

 

 

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