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Erneuerbare erreichen 36 Prozent

Der Anteil der Ökoenergien am Stromverbrauch in Deutschland dürfte in diesem Jahr auf 36 Prozent ansteigen. Zu dem Ergebnis kommen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einer ersten Schätzung. Das wäre ein Anstieg von mehr als vier Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr – damals lag der Anteil bei 31,6 Prozent.

BildDie Energiewende wurde auch 2017 deutlich angekurbelt. (Foto: von Brackel)

Verantwortlich für den starken Anstieg ist vor allem die Windenergie. Während die Windräder an Land auch dank besserer Windbedingungen voraussichtlich 31 Prozent mehr Strom liefern (87 Milliarden Kilowattstunden), klettert der Wert bei Windanlagen auf See um 49 Prozent auf über 18 Milliarden Kilowattstunden. Die Photovoltaik legt in diesem Jahr wohl um mehr als vier Prozent auf etwa 40 Milliarden Kilowattstunden zu, die Biomasse nur um gut ein Prozent. Den größten Anteil an den Ökoenergien stellt den vorläufigen Zahlen zufolge die Windenergie an Land (40 Prozent), gefolgt von der Biomasse (24 Prozent, darunter drei Prozent Abfall- und Reststoffe) und Photovoltaik (18 Prozent).

"Bereits jetzt haben die Erneuerbaren das von der Bundesregierung im Energiekonzept für 2020 gesteckte Ziel von 35 Prozent Erneuerbaren-Anteil am Bruttostromverbrauch übertroffen", sagte BDEW-Chef Stefan Kapferer. "Das ist eine gute Nachricht für den Klimaschutz." Um den Ökostrom allerdings voll nutzen zu können, müsse der Netzausbau nun "mit Hochdruck" vorangetrieben werden.

Beim Strommix, also der Stromerzeugung nach Erzeugungsarten, dürfte der Erneuerbaren-Anteil etwas niedriger als beim Stromverbrauch ausfallen und bei 33 Prozent landen (2016: 29 Prozent). Das liegt daran, dass Deutschland erhebliche Mengen an Kohlestrom in die Nachbarländer exportiert.

Während die Ökoenergien in diesem Jahr um vier Prozentpunkte auf 33 Prozent zulegten, verzeichnete die Stein- und Braunkohle einen Rückgang bei der Stromproduktion um vier Prozentpunkte auf nun 37 Prozent. Nach Angaben der Bundesnetzagentur gingen 2017 sechs Steinkohlekraftwerke vom Netz, weil sie sich für ihre Betreiber nicht mehr gelohnt haben, und erste Braunkohlekraftwerke wechselten in die sogenannte Kohle-Reserve. Kapferer zufolge hat der Kohleausstieg de facto längst begonnen und setzt sich weiter fort. "Niemand investiert noch in Kohlekraftwerke", sagte der BDEW-Chef. "Der ganz klare Sieger sind die erneuerbaren Energien." Kapferer geht davon aus, dass Ende kommenden Jahres die Ökoenergien erstmals mehr Strom produzieren als die Kohlekraftwerke.

Wieder etwas erholt haben sich abermals die Gaskraftwerke, die 13 Prozent an der Stromproduktion stellten (2016: 12,5 Prozent). Der Anteil der Atomkraft sank leicht von 13 Prozent im Vorjahr auf knapp zwölf Prozent.

Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW, forderte die kommende Bundesregierung auf, vor allem den Ökoenergie-Ausbau im Verkehr und im Gebäudebereich voranzutreiben. Denn dort stagniere der Erneuerbaren-Anteil seit Jahren bei sechs Prozent (Verkehr) und 13 Prozent (Wärme).

klimaretter.info/bra

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