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BDEW fordert neue Gaskraftwerke

In die Diskussion, wie das deutsche Klimaziel für 2020 noch zu schaffen sein könnte, hat sich nun auch die Energiebranche eingeschaltet. In einem am gestrigen Dienstag veröffentlichten Papier schlägt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) als zusätzlichen Beitrag der Branche die Stilllegung von maximal 5.000 Megawatt Kohlekraftwerksleistung vor. Im Verlauf der gescheiterten "Jamaika"-Sondierungsverhandlungen hatte Kanzlerin Merkel zuletzt das Aus für 7.000 Megawatt ins Gespräch gebracht.

BildGas-und-Dampf-Kraftwerke wie dieses in Hürth bei Köln werden künftig öfter gebraucht, sagt der BDEW. (Foto: InfraServ Knapsack/​Wikimedia Commons)

Nach aktuellen Berechnungen wird Deutschland seinen CO2-Ausstoß bis 2020 nur um rund 32 Prozent gegenüber 1990 senken. Die angestrebte Zielmarke liegt bei 40 Prozent. Nun steht die Frage im Raum, wie die Lücke von acht Prozentpunkten in den kommenden Jahren geschlossen werden kann.

Wie aus dem BDEW-Papier hervorgeht, sieht sich die Energiewirtschaft dabei jedoch nicht als Hauptadressat weiterer Reduktionsforderungen. Sie sei vielmehr "auf dem Weg zur Zielerreichung", heißt es dort. Bis 2020 werde die Branche voraussichtlich eine Minderung um 38 Prozent schaffen. Deshalb sei "nur ein kleiner Zusatzbeitrag erforderlich".

Den Schwarzen Peter reicht der BDEW an die Sektoren Verkehr und Landwirtschaft weiter. Dort macht der Verband die "Hauptdefizite" aus. Weder im Verkehr noch in der Landwirtschaft seien die Emissionen so stark gesunken wie im Energiesektor. Dies könne und dürfe nicht durch "noch massivere Eingriffe in den Kraftwerkspark" ausgeglichen werden.

Als zusätzlichen Minderungsbeitrag der Energiewirtschaft hält der BDEW es für "verantwortbar", dass eine Kraftwerksleistung bis zu maximal 5.000 Megawatt vom Netz genommen wird. Dies solle ein "Mix aus Braun- und Steinkohle, nördlich der Mainlinie" sein.

Da dies "Eingriffe in Eigentumsrechte" darstelle, würde eine "Entschädigungsnotwendigkeit" ausgelöst, schreibt der Verband. Welche Kraftwerke abgeschaltet werden, soll über ein Ausschreibungsverfahren ermittelt werden. Das Motto soll dabei lauten: "Wer für den geringsten Euro-Betrag am meisten CO2 einspart, erhält den Zuschlag."

Neben seinem Stilllegungsangebot erhebt der BDEW aber auch Forderungen. Ab 2023 bestehe "eine massive Unterdeckung" mit "gesicherter Leistung", warnt der Verband. Deshalb müsse schon ab dem kommenden Jahr "ein Bündel von Maßnahmen" ergriffen werden.

Dazu gehört laut BDEW "neben einem konsequenten Ausbaupfad für die Erneuerbaren, der Fortsetzung der Stärkung der KWK-Anlagen, der Konzentration auf einen möglichst schnellen Netzausbau und der Besserstellung von Speichern auch eine Investitionsoffensive in gesicherte Leistung in Form von emissionsarmen neuen Gaskapazitäten".

Sprich: Wenn weitere Kohlekraftwerke vom Netz gehen sollen, müssen aus Sicht der Energiewirtschaft neue Gaskraftwerke gebaut werden. Dies müsse möglichst rasch passieren, da es von der Planung über die einzelnen Genehmigungsschritte bis zur Inbetriebnahme fünf bis sieben Jahre dauere.

klimaretter.info/vk

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