Kohlestrom verstopft auch Exportleitungen

Der Überschuss, den Deutschland beim Stromexport erzielt, hat sich in den letzten fünf Jahren auf mehr als das Achtfache erhöht. Das hat eine Untersuchung des Berliner Energieforschungsinstituts Era im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen ergeben. Als Hauptgrund für den von 6,3 Terawattstunden (2011) auf 53,7 Terawattstunden (2016) steil angestiegenen Exportüberschuss nennt die klimaretter.info vorliegende Analyse die seit 2009 recht konstante Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle. Meist würden die hohen Stromexporte aber der schwankenden Wind- und Solarstromerzeugung angelastet, schreiben die Studienautoren.

BildBraunkohlekraftwerke wie das von RWE in Grevenbroich-Neurath sind darauf ausgerichtet, mit möglichst gleichbleibender Leistung durchzufahren. (Foto: Tetris L/​Wikimedia Commons)

Laut der Analyse weist die Braunkohlestromerzeugung in allen Zeiträumen und Jahreszeiten die geringsten Variationen auf. Die starre Fahrweise der Braunkohleanlagen führe dazu, dass hohe Braunkohleleistung und hohe Stromexporte häufig zusammenfielen. Einen größeren Rückgang des Braunkohlestroms von bundesweit üblicherweise 18.000 bis 12.000 Megawatt auf unter 8.000 Megawatt gebe es nur, wenn der Stromverbrauch über mehrere Tage niedrig und die erneuerbare Erzeugung hoch ist. Diese Situation war zum Beispiel zu Ostern und Weihnachten 2016 aufgetreten.

Die Steinkohlekraftwerke würden zwar variabler betrieben, so die Studie, das reiche aber nicht aus, um bei hoher Wind- und Solar-Einspeisung Angebot und Nachfrage auf dem Strommarkt auszugleichen. Während nach den Angaben die Stromproduktion der Kohlekraftwerke seit 2009 annähernd gleich geblieben ist und 2016 bei 262 Terawattstunden lag, hat sich im selben Zeitraum die erneuerbare Strommenge auf 188 Terawattstunden verdoppelt.

Im Herbst und Winter biete der Verlauf der Überschüsse dabei ein anderen Bild als im Frühjahr und Sommer, stellt die Untersuchung fest. Hohe und kontinuierliche Stromexporte in der kalten Jahreszeit seien vor allem auf den winterlichen Wärmebedarf und eine europaweit gestiegene Nachfrage nach Strom zurückzuführen.

Im Frühjahr und Sommer dagegen gebe es größere Schwankungen bei den exportierten Stromüberschüssen. Deren Kurve spiegele in diesen Zeiten "ungefähr die Photovoltaik-Leistungsspitzen wider", stellt die Analyse fest. Die fossilen Kraftwerke reagierten hier nicht ausreichend auf die hohe Einspeisung von Solarstrom.

Auch wegen des "bevorstehenden Desasters am Strommarkt" führt für Annalena Baerbock, Sprecherin für Klimapolitik der Grünen-Fraktion, am Kohleausstieg kein Weg vorbei. "Es mangelt weder an erneuerbaren Energien noch an der Entwicklung von Speichern und Netzen. Es mangelt an der Bereitschaft, aus der Kohle auszusteigen", erklärte sie. Deshalb komme man bei der Energiewende nicht richtig voran.

Für den Branchenverband BDEW führen "statische Betrachtungen" wie die Bilanzierung von Stromimporten und - exporten am Ende eines Jahres nicht weiter. Es gehe darum, erklärte der Verband in einer Reaktion auf die Studie der Grünen, die Stromversorgung rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zu gewährleisten. Wie wichtig dabei die konventionellen Kraftwerke seien, habe die Dunkelflaute im Januar gezeigt, als über Tage kaum Wind wehte und auch die Sonne nahezu keinen Beitrag zur Stromversorgung leisten konnte. Konventionelle Kraftwerke seien nicht Gegner, sondern unverzichtbare Partner der Erneuerbaren.

klimaretter.info/jst

Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag wurde um 13 Uhr aktualisiert.

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen