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Norwegens Exporte sprengen 2-Grad-Limit

Die norwegischen Pläne zur Ausbeutung von Öl und Gas in der Arktis bedrohen die Ziele des Pariser Klimaabkommens. In den kommenden 50 Jahren könnten durch die Erschließung der Vorkommen zusätzlich bis zu zwölf Gigatonnen Kohlendioxid in die Erdatmosphäre gelangen. Das geht aus einem Bericht der in Washington ansässigen Umweltorganisation Oil Change International hervor.

BildDer direkte Vergleich: Links die CO2-Emissionen Norwegens, die im eigenen Land anfallen. Rechts die Emissionen, die Norwegen indirekt durch den Export von Öl und Gas in andere Staaten verursacht. (Grafik: Oil Change International)

Die Emissionen der norwegischen Öl- und Gasexporte liegen zehnmal so hoch wie der Ausstoß im eigenen Land. Insgesamt ist Norwegen weltweit der siebtgrößte "Exporteur" von Treibhausgasemissionen und der größte Exporteur Europas. Die Autoren des Berichts kritisieren die "kognitive Dissonanz" zwischen den Bekenntnissen Norwegens zum Klimaschutz und den Erschließungsplänen neuer fossiler Abkommen für die kommenden Jahrzehnte.

"Norwegen stellt sich als Führungsnation im Klimaschutz dar", sagte Silje Ask Lundberg vom größten norwegischen Umweltverband Naturvernforbund, der den Bericht mitveröffentlicht hat. "Doch jede verkaufte Lizenz, jedes neue Stück fossile Infrastruktur und jedes weitere Vorrücken in die fossilen Brennstoffreserven zeugen vom Gegenteil." Wirkliche Führungsnationen im Klimaschutz müssten für eine post-fossile Zukunft planen, so Lundberg. Das bedeute, den Ausstieg aus der fossilen Rohstoffförderung zu managen.

Die norwegische Regierung verwahrte sich gegenüber dem britischen Guardian gegen die Kritik: Es sei internationaler Standard, die Emissionen dem Land zuzurechnen, wo sie – zum Beispiel durch die Verbrennung von Öl und Gas – entstünden, so das Argument. Zudem würden die Rohstoffe in Norwegen effizienter als sonst auf der Welt abgebaut, deshalb sei es besser, sie kämen aus Norwegen als von woanders. Vor allem Gas werde zudem für den Übergang in das postfossile Zeitalter noch eine Weile gebraucht.

Oil Change International rief dagegen die norwegische Regierung auf, keine weiteren Genehmigungen für die Erschließung von Öl- und Gasfeldern sowie den Bau weiterer fossiler Infrastruktur zu erteilen. Zudem solle sich das Land öffentlich dazu bekennen, den Rückbau der fossilen Industrie im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens zu gestalten.

Die Norwegen-Studie ist die erste in einer Reihe von mehreren Länderstudien, die Oil Change International plant. Die Studien sollen die Widersprüche zwischen den offiziellen Zusagen und Versprechungen der Staaten und ihrem tatsächlichem Handeln aufdecken.

BildWerden alle bekannten fossilen Ressourcen der Erde abgebaut (gelbe Linie), kommt die Welt weit vom Zwei-Grad-Pfad (blau) und noch weiter vom 1,5-Grad-Pfad (rot) ab. (Grafik: Oil Change International)

klimaretter.info/em

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