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Tunesien: Solarstrom für Südeuropa

Das kleine Malta steht in Sachen Energiewende schlecht da in Europa: Es ist das Schlusslicht. Nahezu komplett deckt der Inselstaat im Mittelmeer seinen Energiebedarf mit Öl – der Anteil der erneuerbaren Energien liegt unter fünf Prozent. Allerdings könnte sich diese Negativbilanz bald in Luft auflösen. Denn Hilfe deutet sich an – und zwar aus dem nahen Tunesien. Dort hat das neu gegründete Unternehmen Tu Nur, eine Tochter des europäischen Solarentwicklers Nur Energie und zweier Investorengruppen, diese Woche die Genehmigung für sein gigantisches Sahara-Projekt beim Energieministerium beantragt.

BildIn Spanien und den USA laufen sie schon länger: Solarturm-Kraftwerke sollen Strom aus der tunesischen Wüste nach Europa liefern. (Foto: BrightSource Energy)

In der Nähe von Rjim Maatoug südwestlich des Salzsees Chott el Djerid will das Unternehmen Solarturm-Kraftwerke mit einer Anschlussleistung von insgesamt 4.500 Megawatt errichten – und den Strom nach Europa verkaufen. Dort gebe es schließlich einen "wachsenden Markt für CO2-freien Strom". Fünf Millionen europäische Haushalte sollen sich mit dem Strom versorgen lassen – oder sieben Millionen Elektroautos.

Länder, die Tu Nur im Blick hat und die durch Unterseekabel mit Tunesien verbunden werden sollen, sind Malta, Italien und Frankreich. Schon 2020 könnte ein erstes 250-Megawatt-Turmkraftwerk ans Netz gehen und Strom nach Malta liefern. 1,6 Milliarden Euro sollen dafür investiert werden. In der zweiten Ausbaustufe soll dann ein achtmal größeres Solarturm-Kraftwerk mit Flüssigsalzspeicher hinzukommen, um Strom nach Mittelitalien zu liefern. Die dritte Stufe könnte ein ebensolches Solarkraftwerk für den Export nach Frankreich sein.

Am Ende soll der Kraftwerkskomplex 100 Quadratkilometer einnehmen – oder sogar 250 Quadratkilometer, das wäre die Größe der maltesischen Hauptinsel. Stromlieferungen innerhalb Tunesiens sind offenbar nicht geplant, das Unternehmen verspricht aber 22.000 neue Arbeitsplätze für sechs Jahre.

Tu Nur wirbt mit den guten Bedingungen für die Solarstromerzeugung in Tunesien: Die Sonne liefere dort bis zu einem Fünftel mehr Energie als in den sonnenreichsten Regionen Europas. Hochfliegende Pläne, Nordafrika im Zuge des Desertec-Projekts zum Stromlieferanten Europas zu machen, scheiterten allerdings vor einigen Jahren an der Uneinigkeit in dem Konsortium, an Kostenfragen und der politischen Instabilität der Region. Tu Nur greift die Pläne nun wieder auf – eine Nummer kleiner. Davon profitieren könnte Malta. Der 400.000-Einwohner-Staat hält Anteile an Tu Nur.

klimaretter.info/bra

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