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Mit Windgas gegen die "Dunkelflaute"

Wie lassen sich bei einer hundertprozentig erneuerbaren Stromversorgung ab 2040 die Zeiten von bis zu zwei Wochen, in denen nur wenig Wind- oder Solarstrom erzeugt werden kann, sicher überbrücken? Dazu bieten sich vor allem Kraftwerke an, die durch Power-to-Gas gewonnenes Methan oder Wasserstoff verstromen, ergab eine jetzt vorgestellte Studie der Berliner Beratungsfirma Energy Brainpool im Auftrag des Ökostromunternehmens Greenpeace Energy. Die Energie dafür soll vor allem aus Überschuss-Strom von Windkraftanlagen kommen, mit dessen Hilfe zuvor die Gasspeicher befüllt wurden. Für eine komplett "grüne" Stromversorgung mit diesem "Windgas", die gegen jegliche Wettereinflüsse abgesichert ist, wären 67.000 Megawatt der neuen Gaskraftwerke sowie rund 43.000 Megawatt Elektrolyseure nötig.

BildVor allem Windstrom, der in "grünes Gas" umgewandelt wird, könnte sogenannte Dunkelflauten überbrücken helfen. (Foto: Steppinstars/​Pixabay)

Laut der Studie gibt es in Deutschland etwa alle zwei Jahre eine Phase, in der über zwei Wochen außerordentlich wenig Wind- und Solarstrom auf eine kältebedingt hohe Energienachfrage trifft – das Phänomen der sogenannten "kalten Dunkelflaute". Um die für so einen Zeitraum nötigen Mengen "grüner" Gase zu speichern, bietet sich dabei aus Sicht der Studienautoren das vorhandene Erdgasnetz an.

Die Autoren von Energy Brainpool räumten bei der Präsentation am Dienstagabend in Berlin ein, dass es neben Power-to-Gas eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten gibt, um Zeiten mit einem geringen Angebot von Ökostrom zu überbrücken, darunter Batterien (auch die in Elektroautos), Pumpspeicherwerke oder Maßnahmen des Demand-Side-Managements, also der Anpassung des Verbrauchs ans Stromangebot.

Stromimporte, auf die zum Beispiel die Bundesregierung bei ihrer Projektion "Strom 2030" setze, kommen allerdings laut Studie nicht infrage, weil sich zum einen die ungünstigen Wetterverhältnisse oft auch in den Nachbarländern wiederfänden und weil zum anderen die Gefahr bestehe, dass dann fossiler oder atomarer Strom eingeführt wird, was dem Ziel eines erneuerbaren Stromsystems in Deutschland zuwiderliefe.

Für längere Zeiträume wie die einer "Dunkelflaute" bevorzugt die Studie deswegen Windgas als Lösung. Ohnehin müssten Power-to-Gas-Technologien entwickelt und ausgebaut werden, um den Verkehrssektor klimaneutral zu gestalten.

Unter der Annahme, dass die Kosten für Wind- und Solarstrom weiter deutlich fallen, rechnet Energy Brainpool damit, dass die Erzeugung einer Kilowattstunde "Windgas-Strom" 5,7 Cent und bei sehr konservativer Schätzung etwa neun Cent kosten würde. Nach den Angaben liegen die Kosten des heutigen Stromsystems bei sieben Cent pro Kilowattstunde. Würden auch die bislang nicht eingepreisten Umweltschäden berücksichtigt, seien es 14,5 Cent.

klimaretter.info/jst

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