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Weltweit erste "Bio-CCS"-Anlage startet

Die weltweit erste kommerzielle Anlage, die den Anbau von Energiepflanzen und die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid kombiniert, ist in der US-Kleinstadt Decatur in Illinois angelaufen. Betreiber ist Archer Daniels Midland (ADM), einer der weltweit größten Verarbeiter von Sojaöl, Palmöl, Fruktosesirup und Ethanol. In der Anlage in Decatur wird vor allem Ethanol aus Mais zur Kraftstoffgewinnung hergestellt.

BildMaisfeld in den USA: Agrarkonzerne sind am Start, wenn es um die Produktion "negativer Emissionen" geht. (Foto: Ben Collins/​Greylight/​Wikimedia Commons)

BECCS – "Bio-energy with carbon capture and storage" – wird von vielen Klimaforschern als Schlüsseltechnologie im Kampf gegen den Klimawandel angesehen. Drei Viertel der Szenarien im aktuellen Weltklimabericht rechnen für die Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels mit dieser Kombination von CCS und dem Anbau von Energiepflanzen: Letztere sollen das Kohlendioxid aus der Luft filtern und dann verbrannt oder vergoren werden, wobei das frei werdende CO2 abgefangen und im Untergrund verpresst wird – so sollen sich Emissionen nachträglich aus der Luft zurückholen lassen. Kritiker verweisen allerdings auf die Landnutzungskonkurrenz und den wachsenden Flächenbedarf einer ansteigenden Weltbevölkerung, die mehr tierische und pflanzliche Nahrungsmittel verzehrt.

In Decatur wird ein Teil des Kohlendioxids aus dem Fermentationsprozess zur Umwandlung von Mais in Ethanol abgeschieden und verflüssigt. Insgesamt 1,1 Millionen Tonnen CO2 sollen dann in die Tiefe gepumpt werden, um dort in Sandsteinreservoirs für Tausende Jahre zu lagern. "Die Technologie, die wir hier in Decatur verwenden, kann ein Modell für die Reduzierung der industriellen CO2-Emissionen überall auf der Welt sein", erklärte Todd Werpy, Technikchef von ADM. "Negative Emissionen" erzeugt die Anlage in Decatur allerdings noch nicht: Das entstandene Ethanol wird in den Fahrzeugen wieder verbrannt und täglich liefern Hunderte von Lkws den Mais an.

Neben BECCS gibt es auch Negativemissions-Techniken, die als weniger riskant gelten: humusfördernde Landbaumethoden, naturnaher Waldumbau, Wiedervernässung von Mooren und generell die Verbesserung der Kohlenstoff-Speicherung von Landschaften. Die flächendeckende Anwendung wird aber als zu teuer angesehen.

klimaretter.info/bra

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