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Kraftwerke ignorieren Minuspreise

Selbst bei einem Überangebot von Strom und einem negativen Börsenpreis bleibt ein Großteil der konventionellen Kraftwerke in Deutschland am Netz. Das konstatiert der heute von der Bundesnetzagentur vorgelegte Bericht über die sogenannte Mindesterzeugung.

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Atomkraftwerke wie das in Gundremmingen sind besonders unflexibel und müssen am besten Tag und Nacht durchlaufen. (Foto:
Alois Wüst/​Wikimedia Commons)

In dem Bericht untersucht die Behörde die Zeiten im zweiten Halbjahr 2015, in denen an der Börse negative Strompreise galten. In diesen Stunden haben danach konventionelle Kraftwerke (Atom, Kohle, Gas) weiter 23.000 bis 28.000 Megawatt Leistung ins Netz eingespeist, auch wenn die Betreiber dafür zahlen mussten, dass ihnen der Strom abgenommen wurde.

Nach Auffassung der Bundesnetzagentur ist aber nur ein kleiner Teil dieser Erzeugung – zwischen 3.000 und 4.000 Megawatt – als Mindesterzeugung für einen sicheren Netzbetrieb erforderlich. Den überwiegenden Anteil der konventionellen Stromerzeugung in Zeiten mit Negativpreisen rechnet die Behörde dagegen dem "konventionellen Erzeugungssockel" zu. Dieser betrage etwa 19.000 bis 24.000 Megawatt und stelle 80 Prozent bis 86,5 Prozent der Erzeugung aus konventionellen Anlagen dar.

Gründe für diesen Sockel sind der Bundesnetzagentur zufolge zum einen technische Inflexibilitäten. Die Kraftwerke könnten für die wenigen Stunden mit Negativpreisen nicht schnell genug herunter- und wieder hochgefahren werden. Zum anderen spielten ökonomische Anreize wie Wärmelieferverpflichtungen KWK-geförderter Anlagen, Anreize aus den Regelungen zum Eigenverbrauch sowie Ansprüche auf sogenannte vermiedene Netzentgelte eine Rolle.

Erst kürzlich hatte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen eingeräumt, dass konventionelle Kraftwerke selbst bei Negativpreisen weiter in "erheblichem Ausmaß" Strom liefern. Nach Ansicht der Bundesnetzagentur kommt es künftig darauf an, den konventionellen Erzeugungssockel schrittweise abzuschmelzen und die Mindesterzeugung "zunehmend alternativ" – zum Beispiel durch Erneuerbare – zu erbringen.

klimaretter.info/jst

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