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Weniger Stromsperren

Die Zahl der Stromsperren in Deutschland ist nach mehreren Jahren des Anstiegs wieder leicht gesunken. Zwischen 2011 und 2014 waren die Stromsperren im Auftrag des Grundversorgers von rund 312.000 auf 352.000 Haushalte angestiegen. Im Jahr 2015 lag die Zahl bei 331.000. Das geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die klimaretter.info vorliegt. Auch die Zahl der Sperrandrohungen sank demnach von fast sieben Millionen auf "nur" noch knapp 6.300.000 im Jahr 2015. Die Gassperren lagen mit knapp 44.000 deutlich darunter. Im Durchschnitt lag die Forderungshöhe bei Androhungen bei 119 Euro bei Strom und 123 Euro bei Gas.

BildGar nicht romantisch: 2015 wurde über 330.000 Haushalten der Strom abgeschaltet, weil nicht gezahlt wurde. (Foto: Ralf Roletschek/​Wikimedia Commons)

Die Bundesregierung sieht indes keinen Handlungsbedarf. Es gebe heute schon einen ausreichenden Gesetzesrahmen, um soziale Härten bei Stromsperren zu vermeiden, heißt es in der Antwort. "Darüber hinaus werden auch bestehende Förderprogramme und Beratungsangebote für Verbraucher (u.a. Beratung zur Energieeinsparung) als sinnvolle Maßnahmen bewertet, um Stromsperren vorzubeugen."

"Energiearmut in Deutschland ist für Millionen von Menschen eine stille Katastrophe, besonders in den kalten und dunklen Wintermonaten", sagte Eva Bulling-Schröter, energie- und klimapolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. "Während Deutschland als EU-Stromexportmeister so viel Energie ins Ausland verkauft wie nie zuvor und sich die Energiekonzerne eine goldene Nase verdienen, ist es auch Europameister bei Energiesperren."

Am heutigen Donnerstag haben der Paritätische Wohlfahrtsverband und andere Organisationen ihren Armutsbericht 2017 vorgestellt. Darin weisen die Verbände auf eine Verschuldungsspirale durch die Hartz-IV-Richtlinien hin, an deren Ende oft der Wohnungsverlust stehe. "Wer erst einmal Miet-, Energie- oder andere Schulden hat, die er nicht bedienen kann, ist nahezu chancenlos auf dem heutigen Wohnungsmarkt." Als wichtigste Auslöser des Wohnungsverlustes werden Miet- und Energieschulden genannt (18 Prozent 2015) – vor Trennung und Scheidung (16 Prozent).

Die Linke fordert ein Verbot von Energiesperren, Sozialtarife für Strom, Gas und Wärme, Energieberatungen für arme Haushalte und eine Kappung der Industrieausnahmen bei der EEG-Umlage. "Ein großer Schritt für mehr Energiegerechtigkeit wäre ein Ende der Industrieprivilegien für einige wenige große Konzerne bei der Ökostrom-Umlage, die auf Kosten der Verbraucher jedes Jahr 7,7 Milliarden Euro geschenkt bekommen", erklärte Bulling-Schröter.

klimaretter.info/bra

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