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Regierung: Mieter-Ökostrom hat Potenzial

Bisher gibt es Solaranlagen hauptsächlich auf Eigenheimen, Freiflächen oder vielleicht Schulen und ein paar Supermärkten. Auf Mietshäusern könnten sie die Energiewende aber noch ein ganzes Stück weiterbringen. Das ist das Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Studie des Meinungsforschungsinstituts Prognos und der Kanzlei Boos, Hummel & Wegerich im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. 3,8 Millionen Mietwohnungen könnten demnach vom eigenen Dach mit Solarstrom versorgt werden.

BildMieterstadt Berlin: Auf Mietshäusern könnte die Energiewende einen neuen Schub bekommen. (Foto: Sascha Kohlmann/Flickr)

"Mit dem EEG 2017 haben wir uns vorgenommen, künftig auch Mieter stärker bei der Umsetzung der Energiewende einzubeziehen", sagte Wirtschafts-Staatssekretär Rainer Baake.

Rechtlich haben Mieter bei der Energiewende schlechtere Karten als Eigenheimbesitzer. Zwar haben sich auch für letztere mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von 2014 die Bedingungen für die Eigenversorgung verschlechtert, doch zahlen sie für den Strom vom eigenen Dach in der Regel nur eine verminderte EEG-Umlage. Wenn man nun aber kein eigenes Dach hat, kann man sich zwar zum Beispiel mit anderen Mietern in Absprache mit dem Vermieter zu einer Genossenschaft zusammenschließen und dann gemeinsam eine Solaranlage auf das Mietshaus setzen – muss aber für den dann selbst verbrauchten Strom die volle EEG-Umlage zahlen.

Der Grund: Genossenschaft und Mieter sind rechtlich gesehen nicht dasselbe, selbst wenn es sich um dieselben Personen handelt. Der Anlagenbetreiber ist also ein anderer als der Verbraucher. Auch wenn technisch genau dasselbe wie bei der Eigenversorgung vom privaten Dach passiert, fällt Mieterstrom nicht darunter. Gleiches gilt auch, wenn ein Unternehmen die Solaranlage aufs Dach baut und den Strom unmittelbar an die Mieter des Hauses verkauft. Das führt dazu, dass Mieterstrom-Projekte viel zu kompliziert und aufwendig sind. Die Studie des Wirtschaftsministeriums kommt nun zu demselben Schluss wie seit Jahren viele Mieterstrom-Aktivisten. In vielen Fällen lohne es sich für Gebäudeeigentümer, Vermieter und weitere Gruppen nicht, das Potenzial zu erschließen, schreibt das Ministerium.

"Das Potenzial für Mieterstrom ist enorm. Nur wird es kaum gehoben, da Mieterstrom gegenüber dem solaren Eigenverbrauch immer noch benachteiligt ist", bestätigte Tim Meyer, der beim Ökostrom-Unternehmen Naturstrom für dezentrale Energieversorgung zuständig ist, gegenüber klimaretter.info. Meyer forderte, die Ergebnisse der Studie auch in Politik zu übersetzen. "Das Ministerium ist nun gefordert, seine zögerliche Haltung aufzugeben und einen Zahn zuzulegen", sagte er. "Die Branche scharrt schon lange mit den Hufen, um endlich Mieterstrom in die Fläche zu bringen."

klimaretter.info/scz

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