Vattenfalls Braunkohlesparte überbewertet

Der von Vattenfall angestrebe Verkaufspreis für die Lausitzer Braunkohlesparte ist deutlich zu hoch. Zwei bis vier Milliarden Euro will der Energiekonzern dafür haben. Doch zwei führende Analysten aus Tschechien, einer davon Petr Bártek von der tschechischen Sparkasse, gehen nach einem Bericht der schwedischen Zeitung Svenska Dagbladet davon aus, dass der tatsächliche Wert weit unter den Zahlen liegt, die bisher in den Medien kursierten. Für 2014 bezifferte Vattenfall seinen Umsatz mit der Lausitzer Braunkohle auf über zwei Milliarden Euro. Weil Deutschland aber seine Braunkohlekraftwerke schrittweise abschalten will, könnten diese Werte künftig nicht mehr erreicht werden, so der zweite Analyst, der nicht namentlich genannt werden will. Höchstens 200 bis 300 Millionen Euro sind die vier Tagebaue und drei Kohlekraftwerke demnach noch wert.

BildDie Kosten für die Bergbaufolgen liegen deutlich über dem Wert der Lausitzer Tagebaue und Kraftwerke. (Foto: Benjamin von Brackel)

Für den energiepolitischen Sprecher der sächsischen Grünen-Fraktion Gerd Lippold ist die Einschätzung keine Überraschung. "Bei den zwei bis drei Milliarden handelt es sich um eine Kaufpreiserwartung, die Vattenfall Ende 2014 ausgegeben hatte", sagte Lippold gegenüber klimaretter.info. Potenzielle Käufer wollen dem schwedischen Staatskonzern deutlich weniger zahlen. Der westdeutsche Stadtwerkeverbund Steag habe nur ein Angebot in Höhe eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrags abgegeben, so Lippold. "Wenn man noch Bergbaufolgekosten in Höhe von zwei bis drei Milliarden berücksichtigt, dann kommt man zu einem negativen Kaufpreis."

Die Interessenten haben Lippold zufolge noch keine detailierten Zahlen gesehen. Im Februar will Vattenfall zwei Wochen lang seine Bücher für die potenziellen Käufer öffnen. Neben der Steag haben noch mehrere tschechische Energiekonzerne ein Angebot für die Lausitzer Braunkohle abgegeben: der teilstaatliche Konzern ČEZ sowie die private Energetický a Průmyslový Holding (EPH), die schon die Mibrag in Sachsen-Anhalt besitzt. Auch Czech Coal ist mit im Rennen. Die Einschätzung der Analysten dürfte den Bietern durchaus recht sein.

klimaretter.info/kir

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