Gas-Lecks trüben Klimabilanz

Gas wird von vielen Staaten als klimaschonende Alternative zu Öl und Kohle gehandelt. Allerdings wurde bisher viel zu wenig berücksichtigt, dass bei der Förderung erhebliche Mengen an klimaschädlichen Treibhausgasen entweichen. Laut einer neuen Studie der US-Umweltstiftung Environmental Defense Fund (EDF) gelangten im Jahr 2013 in den USA rund 1,8 Milliarden Kubikmeter Gas bei der Förderung in die Atmosphäre.

Bild
Wie viel bei der Gasförderung und dem Transport wirklich entweicht, kann nur geschätzt werden. Fakt ist jedoch, dass das entweichende Methan die Klimabilanz von Gas erheblich schmälert. (Foto:
Tod Baker/Flickr)

"Das entwichene Gas besteht zu großen Teilen aus dem besonders klimawirksamen Methan, das ist eine unverantwortliche Verschwendung und schadet dem Klima", sagte der EDF-Gasexperte Mark Brownstein. Insgesamt sei 2013 durch die Gas- und Ölproduktion eine Million Tonnen Methan ausgetreten – zwölf Prozent des Methanausstoßes der USA. Das entspreche einer Klima-Belastung von über fünf Millionen Pkw. Nach den Erkenntnissen der Klimaforschung hat eine Tonne Methan innerhalb von 100 Jahren in der Atmosphäre dieselbe Wirkung wie 34 Tonnen Kohlendioxid.

Die EDF-Experten schätzen, dass die Gas- und Ölunternehmen mit einer entsprechenden Technologie bis zu 40 Prozent der Emissionen beim Förderprozess vermeiden könnten. Wie viel klimaschädliche Emissionen wirklich bei der Gasförderung sowie beim Transport durch die Pipelines frei werden, ist bisher ungeklärt. Zwar liefern große Förderunternehmen jedes Jahr entsprechende Daten, doch gelten die offiziellen Angaben als viel zu niedrig. Wissenschaftler gehen von einer Emissions-"Blackbox" aus. Laut ihren Berechnungen ist Gas ebenso klimaschädlich wie andere fossile Energieträger, wenn mehr als drei Prozent der gesamten Fördermenge in die Atmosphäre entweichen.

Ein großer Unsicherheitsfaktor ist dabei auch die Gasförderung im Meer. Noch vergleichsweise gut dokumentiert sind Gaslecks in der Nordsee. So strömten von März bis Mai 2012 aus einem Leck an der Total-Bohrinsel Elgin unkontrolliert große Mengen Gas aus. Ein regelrechter Skandal ist das Leck, das die britische Tochter von Mobil Oil 1990 verursachte und für das sich bis heute niemand verantwortlich fühlt. Seit 25 Jahren treten dort 140 Kilometer vor der schottischen Küste enorme Mengen Methan aus einem Bohrloch aus. Die Emissionen tauchen in keiner Statistik auf.

klimaretter.info/sg

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen