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IEA: Emissions-Peak 2020 möglich

Die Grundvoraussetzung für das Zwei-Grad-Ziel, das globale Maximum beim CO2-Ausstoß im Jahr 2020, könnte doch noch erreicht werden. Experten der Internationalen Energieagentur IEA sehen diese Chance allerdings nur, wenn die Weltgemeinschaft fünf Punkte erfüllt, wie der in London präsentierte IEA-Sonderbericht ausführt: mehr Energieeffizienz in der Industrie, mehr Investitionen in die Erneuerbaren, die Streichung der Subventionen für die fossile Energiegewinnung, reduzierte Methanemissionen in der Öl- und Gasproduktion sowie das Abschalten alter Kohlekraftwerke.

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Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in der Lausitz: Hier müssen die Öfen bald ausgehen, sagt jetzt auch die Internationale Energieagentur. (Foto: Nick Reimer)

Die IEA nennt vier "Pfeiler", die der im Dezember zu beschließende Weltklimavertrag – das Nachfolge-Abkommen zum Kyoto-Protokoll – beinhalten müsse. Erstens den erwähnten Höhepunkt der Emissionen spätestens im Jahr 2020, zu dem die Klimadiplomaten einen Fahrplan für die kommenden fünf Jahre finden sollen. Zweiter Pfeiler ist ein langfristiges Ziel als Richtwert für die Zeit nach 2030. Als dritten Pfeiler nennt die Agentur fünfjährliche Überprüfungen und gegebenenfalls Anpassungen der nationalen Klimaziele, um im Zwei-Grad-Bereich zu bleiben. Der vierte Pfeiler müsse im Paris-Vertrag ein definierter Prozess sein, wie die Transformation des Energiesektors funktionieren und überprüft werden soll. Die Klimawissenschaft geht davon aus, das eine um durchschnittlich zwei Grad angestiegene Globaltemperatur mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit von der Menschheit gerade noch beherrschbar sein wird.

Wenn das "Paris-Protokoll" nicht endlich ein starkes Signal sende, werde die Industrie noch lange nicht "auf den richtigen Kurs wechseln", sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol. "Wir haben wiederholt gezeigt, dass die Kosten für den Klimaschutz von Jahr zu Jahr höher werden, wenn er weiter hinausgezögert wird", sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven. "Schnell zu handeln ist jetzt entscheidend."

Der Bericht erhöhe den Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sagte Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid. "Wenn selbst die konservative IEA prognostiziert, dass der Ausstoß von Treibausgasen ab 2020 sinken kann, dann darf Deutschland sich mit dem Kohleausstieg nicht bis Mitte des Jahrhunderts Zeit lassen", sagte Smid. Deshalb müsse sich Merkel jetzt hinter die Klimaabgabe stellen, die Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für besonders alte Kohlekraftwerke geplant hatte. Die Abgabe wurde Medienberichten zufolge kürzlich durch den Druck der Kohle-Lobby auf Eis gelegt. Stattdessen sollen nun freiwillige Maßnahmen sowie die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung für die nötige CO2-Reduktion sorgen.

klimaretter.info/scz

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