Mibrag will die Braunkohle

Die Mitteldeutsche Braunkohle AG (Mibrag) ist nach Angaben der Bundesregierung an einer Übernahme der Braunkohlesparte von Vattenfall interessiert. Wie die Regierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag mitteilt, könnte die Mibrag nach einer Übernahme des Lausitzer Reviers "ihre jährliche Fördermenge erheblich steigern". Bislang betreibt der kleinste deutsche Braunkohlekonzern den Tagebau Schöningen im kleinsten deutschen Braunkohlerevier sowie die Tagebaue Profen in Sachsen-Anhalt und Schleenhain in Sachsen. Über die Energetický a Průmyslový Holding (EPH) ist die Mibrag mittlerweile tschechisch.

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Bald in tschechischem Besitz? Die Mibrag, Tochter des Prager Energiekonzerns EPH, möchte diesen Abraumbagger kaufen, der jetzt noch für Vattenfall arbeitet. (Foto: Reimer)

Tschechien betreibt faktisch den Ausstieg aus der Braunkohle: Der Parlamentsbeschluss 444 aus dem Jahr 1991 legt fest, dass der Abbau im Hauptfördergebiet Nordböhmen nur innerhalb der bestehenden Tagebaugrenzen erfolgen darf und damit auf das Jahr 2022 begrenzt ist. Weil den tschechischen Kraftwerken schon jetzt die Braunkohle ausgeht, liefert die deutsche Tochter Mibrag nach Tschechien. "Im Jahr 2013 wurden 179.000 Tonnen Rohbraunkohle aus Deutschland exportiert", schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort.

Tschechien betreibt Braunkohlekraftwerke an den Standorten Prunéřov, Počerady, Ledvice, Trmice, Tušimice, Tisová, Chvaletice, Dětmarovice, Mělník, Hodonin, Poříčí, Opatovice, Most-Komořany und Vřesová. In Tschechien trägt die Kohle mehr als die Hälfte der Bruttostromerzeugung, Erneuerbare spielen kaum eine Rolle. Der schwedische Staatskonzern Vattenfall hatte im Dezember seine Verkaufsabsichten vorangetrieben, noch in diesem Jahr soll das Lausitzer Braunkohle-Geschäft abgestoßen werden, dessen Wert auf zwei bis drei Milliarden Euro taxiert wird – ohne Berücksichtigung der Klimafolgen. Nach Recherchen von Reuters sollen auch Finanzinvestoren wie KKR, Blackstone und CVC interessiert sein.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Irrsinn in Bahnwaggons

klimaretter.info/reni

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