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Studie: Erneuerbare sind keine Kostentreiber

Die Entscheidung der großen Koalition, den Ausbau der erneuerbaren Energien wegen zu hoher Kosten zu drosseln, ist unbegründet und kontraproduktiv. Dies ist das Ergebnis einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie der Kieler Energieberatung Enklip, die heute veröffentlicht wurde. Autor ist der Energieexperte Uwe Nestle. Der Kostenberg, den die Bundesregierung mit dem neuen EEG überwinden wollte, ist laut der Studie schon 2013 überwunden worden; ein stärkerer Ausbau von Photovoltaik und Windenergie bringe für Unternehmen und Verbraucher keine oder kaum Mehrkosten. Und: Der beschlossene Ausbaudeckel sei "klimapolitisch riskant", da er das deutsche Klimaziel gefährde.

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Vor der Verabschiedung der EEG-Novelle 2014 erlebte die Windkraft einen Aufschwung – die beschlossene Drosselung ist sinnlos, sagt nun eine Studie. (Foto: Dieter Böhme/BMU)

Laut Studie ist das Argument der "Kostendeckelung", mit dem die Bundesregierung die Begrenzung des Ausbaus im Sommer letzten Jahres begründet hatte, überholt, da die Kosten im Erneuerbare-Energien-Sektor seit dem Erreichen eines Höhepunktes im Jahr 2010 stetig sinken. Besonders die Photovoltaik, der frühere Kostentreiber, sei in den vergangenen Jahren sehr viel günstiger geworden.

Mit einem zusätzlichen Ausbau von jeweils 1.500 Megawatt Wind- und Solarenergie könnte das Ziel der Bundesregierung, die Jahresvergütungen für Neuanlagen unter zwölf Cent pro Kilowattstunde zu drücken, gemäß einer Modellrechnung der Studie schon in diesem Jahr erreicht werden. Die EEG-Umlage würde durch den stärken Ausbau gerade einmal um 0,1 Cent pro Kilowattstunde gegenüber den derzeit gebremsten Ausbauplänen steigen und 2016 schließlich unter das Niveau von 2014 sinken. Ein Ausbau der Stromerzeugung aus Gaskraftwerken anstelle der Erneuerbaren kommt laut Enklip dabei kostenmäßig nicht günstiger. Schon in diesem Jahr wäre der Strom aus Windenergie billiger zu produzieren als der Strom aus Gaskraftwerken. Die Photovoltaik werde ab 2018, so die Prognose, ebenfalls Gaskraftwerke kostenmäßig unterbieten können.

Überdies, so ergänzt die Studie, entspräche der so zusätzlich erzeugte Strom aus den Erneuerbaren einer Einsparung von 32 Millionen Tonnen CO2 – ausreichend, um das deutsche Klimaziel für 2020 zu erfüllen. Entsprechend kritisiert Greenpeace-Energieexperte Niklas Schinerl die Energiepolitik der Bundesregierung: "Ausgerechnet jetzt, wo Strom aus Photovoltaikanlagen so günstig ist wie Strom aus neuen Erdgaskraftwerken, begrenzt Gabriel den Zubau. Volkswirtschaftlich ist das schädlich, klimapolitisch sogar fatal."

Das kürzlich beschlossene "Aktionsprogramm Klimaschutz 2020" werde nicht ausreichen, so Schinerl, um Deutschlands Klimaziel zu erreichen, wenn die Ausbaubremse nicht gelockert werde. In fünf Jahren sollen die CO2-Emissionen der Bundesrepublik um 40 Prozent unter denen des Jahres 1990 liegen. Ohne einen größeren Beitrag der Erneuerbaren sei das schwerlich zu schaffen, ergibt die Studie. Schinerl: "Mit der Ausbaubremse steht sich die Bundesregierung beim Klimaschutz selbst im Weg."

klimaretter.info/mst

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