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USA: Mehr Methan als gedacht

Die Auswertung von mehr als 200 Studien US-amerikanischer Wissenschaftler hat ergeben, dass der Methanausstoß in den USA weitaus höher ist als angenommen. Die Umweltbehörde EPA habe jahrelang zu geringe Methanemissionen berechnet, schreibt das Magazin Science diese Woche. Dabei geht es vor allem um das Entweichen von Erdgas bei dessen Förderung, Transport und Verarbeitung. Erdgas besteht zu großen Teilen aus Methan – das Gas hat eine 21-mal klimaschädlichere Wirkung als CO2.

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Methan ist hochentzündlich und wird vor allem bei der Erdgasgewinnung und bei der Tierzucht emittiert. (Foto: Patrick Kelle/Wikimedia Commons)

Die Non-Profit-Organisation Novim, die an die University of California angebunden ist, hatte verschiedene Wissenschaftler engagiert, die die Methankonzentration in der Atmosphäre ermittelten. Die Forscher fanden durch Messungen in Luft und Atmosphäre heraus, dass es weit mehr Lecks geben müsse als von den Behörden angenommen, berichtet Science. Die EPA hingegen berechnete den Methanausstoß bisher über die Summierung der regionalen Lecks, vor allem an Produktionsstätten. Dies steht nun in einem erheblichen Widerspruch zu den Messergebnissen der Wissenschaftler, die den Ausstoß 25 bis 75 Prozent höher schätzen als offiziell angegeben. 

Schon im November hatten auch Wissenschaftler der Harvard University und des kalifornischen Treibhausgas-Messprojekts CALGEM am Berkeley Lab begonnen, nach der Top-down-Me­tho­de durch Messungen in der Atmosphäre die Angaben der EPA zu prüfen. Neben den Lecks beim Erdgas ist danach auch der Methanausstoß in der Landwirtschaft weitaus höher als bisher vermutet.

Quellen anthropogener Methan-Emissionen sind vor allem die Förderung von Erdgas sowie die Landwirtschaft – besonders die intensive Rinderhaltung und der Reisanbau. Organisationen wie Novim wollen herausfinden, ob die Energiegewinnung aus Erdgas dem Klima mehr schadet als angenommen. Dabei geht es auch um den Vergleich mit der Kohle: Zwar ist die CO2-Bilanz der Energiegewinnung aus Kohle weitaus schlechter als bei Erdgas, jedoch könnte durch die korrigierten Methanwerte der Klimaschutzvorsprung von Erdgas sinken. Derzeit sind sich die Wissenschaftler jedoch einig, dass trotz der höheren Methanemissionen die Energiegewinnung durch Erdgas weitaus klimafreundlicher ist als durch Kohle.

klimaretter.info/sg

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