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Kanada: Verheerender Gas-Export

Vor völlig überzogenen Erwartungen an den Export von Flüssig-Erdgas aus der kanadischen Provinz British Columbia vor allem in den asiatischen Raum warnt der renommierte Schiefergasexperte David Hughes. Hughes hat für einen jetzt veröffentlichen Report die Folgen von sieben vom National Energy Board erteilten Exportlizenzen für Flüssigerdgas untersucht. Diese Lizenzen bauten auf eine gigantische Gasförderung von 14,6 Milliarden Kubikmeter pro Tag, so Hughes. Das liege über der maximal möglichen Gasförderung Kanadas von derzeit 12,7 Milliarden Kubikmetern täglich und sei die optimistischste Annahme über die künftige Förderung.

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Geht so viel Flüssiggas überhaupt durch das kanadische Trassennetz? Experte Hughes hat Zweifel. (Foto: Nick Reimer)

Der Geologe warnt zugleich vor den verheerenden ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Flüssiggas-Booms aus Fracking-Quellen. Um die Exporterwartungen der Provinzregierung zu erfüllen, müssten zum Beispiel in den nächsten 27 Jahren weitere 50.000 Bohrungen in den Untergrund eingebracht werden – doppelt so viele, wie in British Columbia seit den 1950er Jahren insgesamt gebohrt worden sind. Hughes kritisiert in diesem Zusammenhang scharf die liberale Regierung der Westküsten-Provinz, die vor allem durch den Export von Schiefergas einen Geldregen von 100 Milliarden Dollar, vor allem von asistischen Abnehmern, für die Region erwarte.

2011 stammten 84 Prozent des kanadischen Erdgases aus konventionellen Lagerstätten, 2020 soll aber schon die Hälfte aus sogenannten unkonventionellen Quellen kommen – mithilfe der umstrittenen Fracking-Technologie. Knapp die Hälfte der Gasförderung wurde 2011 exportiert – vor allem in die USA. Da der südliche Nachbar in den kommenden Jahren seine eigene Schiefergasförderung ausbauen will, muss Kanada neue Absatzmärkte für sein Gas erschließen.

Vor nicht gerechtfertigten Hoffnungen in die Schiefergas-Förderung warnte am Montag auch die FAZ. Es mehrten sich die Anzeichen, dass der Fracking-Boom hemmungslos überschätzt und künstlich hochgerechnet wurde und wird, heißt es in einem Beitrag. Die Zeitung bezieht sich unter anderem ebenfalls auf Hughes, der 2013 alle öffentlich verfügbaren Daten zu den Fracks in den USA analysiert habe. Ergebnis: Die Fördermengen werden deutlich schneller abnehmen als bisher gedacht. Auch die Internationale Energieagentur kommt laut FAZ zu einem ähnlichen Ergebnis.

klimaretter/jst

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