Eon-Chef will mehr Klimaschutz
Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen hat von der Bundesregierung mehr Tempo bei der Energiewende gefordert. "Aus meiner Sicht brauchen wir klare Ziele, bevor wir uns über die verschiedenen Wege dorthin streiten", sagte Teyssen am Sonntag im Interview mit der Deutschen Presseagentur. "Dazu gehören auch ehrgeizige Klimaschutzziele – und zwar ehrgeizigere als bislang." Er sehe wegen der zunehmenden Kohleverstromung "eine wenig klimafreundliche Energiewende in Deutschland", warnte der Eon-Chef. Wegen der zunehmenden Verdrängung klimafreundlicherer Gaskraftwerke drohe die Stromversorgung trotz mehr Ökostrom insgesamt schmutziger zu werden.

Gibt jetzt den Klimaschützer: Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns Eon. (Foto: Christian Schlüter/Eon)
Tatsache ist, dass die Emissionen in Deutschland trotz eines weiterhin rasanten Zubaus von regenerativer Kraftwerkskapazität 2012 wieder um 1,6 Prozent angestiegen waren. Teyssen warnt aber auch aus Eigeninteresse: "Die meisten deutschen Gaskraftwerke, die nicht auch Wärme produzieren, sind von der Schließung bedroht." Weil Gaskraftwerke je Kilowattstunde produzierten Stromes nur halb so viel Kohlendioxid ausstoßen wie beispielsweise Braunkohlekraftwerke, machen hohe Zertifikatspreise im Emissionshandel solche Kraftwerke wettbewerbsfähig. Derzeit sind die Zertifikate aber im Keller.
"Unsere Kraftwerke in Irsching bei Ingolstadt laufen statt früher 4.000 bis 5.000 Stunden aktuell zwischen 1.000 und 2.000 Stunden pro Jahr", so der Eon-Chef. "Und dabei sprechen wir über die modernste und effizienteste Anlage in Deutschland mit einem Wirkungsgrad von mehr als 60 Prozent." Für sein Unternehmen sei klar: "Wenn die Wirtschaftlichkeit der Kraftwerke nicht wiederhergestellt wird, müssen wir sie außer Betrieb nehmen. Deshalb ist jetzt die Politik dringend gefordert." Teyssen verlangt, dass der Zertifikatehandel der EU "repariert" wird.
Insgesamt wurde im vergangenen Jahr deutlich mehr Kohle verbrannt als zuvor. Ein Grund für die Zunahme war der europäische Emissionshandel. Wegen der stark gesunkenen Preise für Kohlendioxid-Zertifikate hatte die Kohle 2012 die klimafreundlicheren Gaskraftwerke verdrängt. Der Anteil der Kohle am deutschen Strommix legte von 43 Prozent im Jahr 2011 auf nunmehr fast 45 Prozent zu. Davon entfielen 19 Prozentpunkte auf Steinkohlekraftwerke und stolze 26 Prozentpunkte auf die extrem klimaschädlichen Braunkohlekraftwerke. Eon investiert selbst in Kohle-Projekte, etwa in Datteln, am Staudinger nahe Hanau und in Stade an der Unterelbe.
klimaretter.info/reni
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