FÖS: Ein EEG für den Gebäudesektor

Zur Überwindung der Finanzierungsklemme bei der energetischen Gebäudesanierung hat das Forum Ökologische Marktwirtschaft (FÖS)  im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung verschiedene politische Instrumente untersucht. Ergebnis: Am wirkungsvollsten sei eine haushaltsunabhängige Lösung über ein Prämienmodell. "Das Prämienmodell ist ein mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergleichbares Umlagesystem, das einen dynamischen Geldfluss sowohl in eine bessere Dämmung von Gebäuden als auch in die erneuerbare Wärmeversorgung lenkt", erläutert Uwe Nestle, FÖS-Vorstand und Co-Autor der Studie. Derart könnten die notwendige Mittelausstattung und die beste Planungssicherheit für Investoren geschaffen werden. Diese hohe Planungssicherheit sei notwendig, um mehr Investitionen anzustoßen und eine spürbare Steigerung der Sanierungsquote zu erreichen.


Wärmebilder zeigen die Schwachstellen: Je röter, desto mehr Wärmeverlust. (Foto: Geom. Claudio Longagnani, Wikimedia Commons)

Die 19 Millionen Gebäude in Deutschland sind für 40 Prozent des Endenergieverbrauchs und 20 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Hier schlummert das größte Potential für mehr Energieeffizienz: Gegenwärtig ist die Sanierungsrate aber auf unter 1 Prozent jährlich gefallen. Um das Ziel eines annähernd klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050 zu erreichen, müsste die jährliche Sanierungsrate auf mindestens 2 Prozent steigen. In den kommenden Jahren sind Investitionen von jährlich rund fünf Milliarden Euro notwendig, später sogar mehr.

Dazu hatte die Bundesregierung ein Gesetz zur energetischen Gebäudesanierung auf den Weg gebracht. Das Gesetz zur steuerlichen Absetzbarkeit von Sanierungsmaßnahmen liegt allerdings noch immer beim Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat und ist damit das Energiewende-Gesetz, das bisher am längsten blockiert wurden. Dem Bund zufolge sollen Hauseigentümer die Kosten für die Verbesserung der Energiebilanz der Gebäude von der Steuer absetzen. Die Länder halten dagegen, weil sie Einnahmeausfälle in Millionenhöhe befürchten. Der Ausgang des Streits ist noch offen.

Das Forum Ökologische Marktwirtschaft glaubt, dass sein Prämienmodell als die energetische Modernisierung künftig selbst finanziert. Dazu werden die Importeure und Großhändler von Heizenergie - Erdgas und Heizöl  - mit einer Umlage belegt, die sie an ihre Kunden weitergeben können, adäquat zur EEG-Umlage. Das so eingespielte Geld soll Förderprogramme und Zuschüsse für die energetische Sanierung finanzieren. Im Ergebnis werde ein wesentlicher Beitrag zur Unabhängigkeit von immer klimaschädlichen Energieträgern geleistet, für grünes Wachstum und Beschäftigung. Die Studienautoren wollen für sozial schwache Haushalte ein sozialer Ausgleich einbauen, damit sie von der durch das Modell erzeugten leichten Erhöhung der Heizstoffkosten nicht überfordert werden. Dieser könne finanziert werden, da durch die Einführung des Prämienmodells Haushaltsmittel frei werden.

Das Modell wird heute auf einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung vorgestellt.

klimaretter.info/reni

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