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Geothermiekraftwerk Landau vor dem Aus

Dem Geothermiekraftwerk im pfälzischen Landau droht das Betriebsende. Seit durch das Kraftwerk Erdbeben ausgelöst wurden, kämpfen die Betreiber mit Schwierigkeiten. Nun droht eine der Firmen - EnergieSüdwest - mit dem Ausstieg.

Aus Freiburg Bernward Janzing

Ein neuer Tiefschlag für die Geothermie: Dem Kraftwerk im pfälzischen Landau droht das Ende. Denn eine der beiden Mutterfirmen, die EnergieSüdwest, ist nicht mehr gewillt, dem defizitären Projekt weiterhin Geld zuzuschießen. Nun prüft das Unternehmen den Ausstieg: "Im März wird vermutlich die Entscheidung fallen", sagt Vorstand Thomas Waßmuth.


Bohrungen für das Geothermiekraftwerk in Landau - sie führten zu Problemen. (Foto: geox)

Die Betreiberfirma des Kraftwerks, die Geox GmbH, gehört jeweils zur Hälfte den beiden Regionalversorgern EnergieSüdwest und Pfalzwerke. Die Pfalzwerke wollen noch abwarten, wie ihr Partner sich im Frühjahr entscheidet, und sich erst dann zum weiteren Vorgehen positionieren. Im Kreis der Gesellschafter ist von einem Millionenverlust durch das Erdwärmekraftwerk die Rede, Medienberichten zufolge soll die Anlage im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Euro verbrannt haben. Und auch schon das Jahr zuvor war laut Geschäftsbericht der EnergieSüdwest "ein sehr schwieriges Jahr", das dem Projekt ein negatives Jahresergebnis bescherte.

Es ist der Niedergang eines einst gefeierten Projektes: Die Geothermiebranche war bei Inbetriebnahme im Jahr 2007 geradezu euphorisch gewesen, denn Landau schien der Startschuss zu sein für einen intensiven Ausbau der Erdwärmenutzung im Oberrheingraben. Doch dann rief das Kraftwerk Erdbeben bis Stärke 2,7 hervor und die Landesregierung von Rheinland-Pfalz knüpfte den Weiterbetrieb an neue Auflagen. So musste die Betreiberfirma zum Beispiel auch eine Bergschadenversicherung abschließen und die Anlage durfte fortan nur noch mit geringerem Druck arbeiten, was zu Mindererträgen führte.

Darüber hinaus geriet das Kraftwerk auch hinsichtlich seiner Effizienz immer mehr in die Kritik. Denn ein beachtlicher Teil der erzeugten Strommenge geht für den Betrieb des Kraftwerks drauf, nämlich um das heiße Wasser aus der Erde zu pumpen und um das abgekühlte Wasser wieder zu verpressen. Nachdem in der Branche lange schon Eigenverbräuche zwischen 25 und 30 Prozent kursierten, haben die beiden Gesellschafterfirmen diese Werte inzwischen bestätigt. Längst nagt das Geothermieprojekt daher auch am Renommee des Landauer Regionalversorgers EnergieSüdwest, der sich seit den Erdbeben auch mit einer örtlichen Bürgerinitiative konfrontiert sieht.


Das einst gefeierte Modellprojekt steckt in der Krise. (Foto: geox)

Bundesweit gerät die Geothermie außerdem zunehmend wegen ihrer Kosten ins Gerede. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz wird deren Strom aktuell mit 25 Cent pro Kilowattstunde vergütet - womit die Erdwärme inzwischen die teuerste unter den erneuerbaren Energieformen ist. Die oft ihrer Kosten wegen geschmähte Photovoltaik ist längst billiger: Betreiber einer neuen Solarstromanlage erhalten für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde nur noch zwischen 17,94 und 24,43 Cent, je nach Standort und Größe der Anlage.

Besonders bitter für die Erdwärmebranche: Die Probleme in Landau fallen in eine Zeit, in der die Geothermie zwar viel von sich Reden macht, aber für die Stromerzeugung noch immer keine nennenswerte Rolle spielt. Ende 2011 lag die Gesamtleistung der deutschen Geothermiekraftwerke nach Angaben der Branche gerade bei 7,3 Megawatt, darunter sind Landau und Unterhaching mit jeweils etwa 3 Megawatt die bislang größten Projekte. Gerade 16 Millionen Kilowattstunden Strom haben die fünf deutschen Kraftwerke zusammen im ganzen letzten Jahr erzeugt - das ist etwa so viel wie heute eine einzige große Windkraftanlage schafft. Vor allem der Trend ist deutlich: Gegenüber dem Vorjahr sank die Stromerzeugung aus Geothermie in Deutschland um satte 42 Prozent.

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