Auch RWE auf dem Holzweg
RWE will mehr Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz - für das Verfeuern von Holz. Und sorgt damit für Uneinigkeit bei den Befürwortern der Erneuerbaren: Grüne bei Einhalten von Nachhaltigkeitsstandards dafür, Bundesverband Erneuerbare Energie dagegen.
Von Martin Reeh
RWE ist, ebenso wie die drei anderen großen Stromkonzerne, auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell nach dem beschlossenen Ende der Atomkraft. Der Aktienkurs hat sich in den letzten zwölf Monaten fast halbiert,die Dividenausschüttung um ein Drittel verringert. Im September hat nun der Finanzchef der RWE-Ökoenergiesparte Innogy, Hans Bünting, einen Vorstoß für neue Gewinnfelder unternommen: "Wir empfehlen die Abschaffung der Förderbegrenzung auf Biomasseanlagen mit einer Kapazität von maximal 20 Megawatt."

Kraftwerk Tilbury: Biomasse statt Kohle. (Foto: Robin Lucas/wikipedia)
Verfeuert werden sollen Holzpellets, für die RWE im US-amerikanischen Bundesstaat Georgia gerade das weltgrößte Pelletwerk errichtet hat. 120 Millionen Euro hat der Essener Konzern dort investiert. Pro Jahr werden 1,5 Millionen Tonnen Holz zu 750.000 Pellets verarbeitet. Verbrannt werden sollen sie vor allem im britischen Tilbury sowie im niederländischen RWE-Kohlekraftwerk Amer. In Tilbury an der Themse baut RWE ein Kohlekraftwerk in das mit 750 Megawatt Leistung größte Biomassekraftwerk der Welt um. Das alte Kohlekraftwerk hätte spätestens 2015 ohnehin geschlossen werden müssen, Biomasse wird durch die Regierung dagegen gefördert. In Amer werden schon bisher 30 Prozent der Steinkohle durch Holzpellets ersetzt, mit dem Holz aus Georgia soll der Anteil auf 50 Prozent steigen.
Das sogenannte Co-firing praktiziert in Deutschland bereits Vattenfall, dass das Verfahren 2011 im Berliner Heizkraftwerk Reuter West erprobte. Hintergrund ist der europäische Zertifikatehandel: Ab 2013 müssen die Stromkonzerne Zertifikate für ihren Kohlendioxid-Ausstoß kaufen. Alleine für RWE rechnen Analysten mit Kosten von 2,2 bis 2,3 Milliarden Euro, die zusätzlich vom Gewinn abgehen. Dies hat nun zu einem Run auf Holz gefeuert: Der europäische Markt gibt die benötigten Holzmengen nicht her. Vattenfall etwa ist deshalb nicht nur einen umstrittenen Vertrag mit einem Holzlieferanten aus Liberia eingegangen, sondern sucht systematisch nach weiteren Handelspartnern, auch in Afrika.
RWE steht mit seinen Lieferungen aus Nordamerika zwar besser da. Allerdings räumt auch Firmensprecherin Barbara Woydtke ein, dass die Mengen aus Georgia für zusätzliche deutsche Biomasse-Kraftwerke nicht mehr ausreichen dürften. Woher die Lieferungen kommen sollen, ist noch unklar.

Saw, Baby, saw: Holzanlieferung im RWE-Pelletwerk in Georgia. (Foto: RWE Innogy)
Die RWE-Forderung nach einer Aufhebung aller Förderbeschränkungen für Biomasse im EEG ist daher unter den Befürwortern der Erneuerbaren umstritten - ebenso wie die Holzstrategie der großen Konzerne überhaupt. Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion und einer der Väter des EEG, kann sich unter bestimmten Umständen deren Unterstützung vorstellen: Voraussetzung dafür sei, "dass das Holz nachhaltig gewonnen wird, die Stromerzeugung in Kraftwärmekopplung stattfindet und das Ausschließlichkeitsprinzip gilt. Ausschließlichkeitsprinzip bedeutet, dass es reine Biomasseanlagen sind und nicht lediglich eine Beimischung von Biomasse in Kohlekraftwerken stattfindet", so Fell.
Grundsätzliche Einwände hat ausgerechnet der Deutsche Energieholz- und Pelletverband. Dessen Vorsitzender, Martin Bentele, sagte gegenüber klimaretter.info: "Was RWE praktiziert, ist aus meiner Sicht eine Verschwendung unseres hochwertigen Energieträgers Holz, und das darf der Staat nicht durch marktverzerrende Regelungen unterstützen." Bentele begründet dies vor allem mit dem geringeren Wirkungsgrad der Holzverfeuerung in Großanlagen. Während "im kleinen und mittleren Bereich der Wärmegewinnung" die Effizienz noch bei 90 Prozent und darüber läge, sei diese schon im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung geringer.

Holz fürs Heizen: Vor dem Pelletwerk in Georgia/USA. (Foto: RWE Innogy)
Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) ist skeptisch: "Ich habe das Gefühl, das hier finanzielle Möglichkeiten gesucht werden, um in den alten Strukturen weiterzumachen und nur den Brennstoff auszutauschen", sagte der BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann kürzlich. In der Erneuerbaren-Branche ist man skeptisch, ob sich RWE mit seinem Vorschlag durchsetzt: In Großbritannien habe sich der Staat, anders als in Deutschland, für möglichst zentrale erneuerbare Energien eingesetzt - wie sich nicht nur im großflächigen Ausbau der Offshore-Windenergie zeige, sondern jetzt eben auch in riesigen Biomasse-Projekten wie in Tilbury.
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