Fünf Preise und eine schwache Diskussion
Eifrig begleiten die Medien die Irrungen und Wirrungen, Erfolge und Misserfolge der Energiewende. Die Agentur für Erneuerbare Energien, die ihre Aufgabe darin sieht, die Vorteile einer nachhaltigen Energieversorgung zu kommunizieren, verlieh gestern nun schon zum sechsten Mal den Journalistenpreis "deutschland hat unendlich viel energie".
"Wir brauchen eine Kultur der Anerkennung", sagte Staatssekretär Jürgen Becker vom Bundesumweltministerium. Umweltminister Norbert Röttgens oberster Beamter hatte es sich nicht nehmen lassen, eine Rede bei der Preisverleihung des Journalistenpreises "deutschland hat unendlich viel Energie" zu halten. Zentraler Inhalt: die Anerkennung guter journalistischer Arbeit zum Thema.

Die diesjährigen Preisträger: Uwe Meinhold, Christian Rohde, Steffen Judzikowski, Johannes Gernert, Marc Engelhardt, Christine Keck, Werner Kiefer, Frank Dietsche (Foto: Agentur für Erneuerbare Energien)
Natürlich konnte sich auch Becker den Verweis auf die Rolle der Medien als vierte Gewalt im Staate nicht verkneifen. Hier und da untersetzte er die vielverschlissene Floskel aber auch mit Kritik: Es werde viel geschrieben, viel berichtet, aber auch vieles verzerrt dargestellt durch die Medienvertreter.
Die Agentur für Erneuerbare Energien verleiht den Journalistenpreis nun schon zum sechsten Mal für Medienbeiträge, "die in hervorragender Weise die Rolle und Bedeutung der erneuerbaren Energien in Deutschland vermitteln", wie es in dem Preisausschreiben heißt. Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert und wird in den Kategorien Print/Online, Fernsehen, Hörfunk und Fotografie verliehen. Einen Sonderpreis gibt es für herausragende Berichterstattung zu lokalen Themen. Die Agentur wird zum einen vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium finanziert, zum anderen von den Unternehmen und Verbänden der Erneuerbaren-Branche.
Für ihren Beitrag "Die neue Fernwärme aus Liberia" - erschienen in der taz - wurden Marc Engelhardt und Johannes Gernert ausgezeichnet. Der Text berichtet über die Bedingungen auf liberianischen Kautschukplantagen, die als Biomassequelle für die Berliner Energieversorgung dienen. Engelhardt schreibt als Afrika-Korrespondent auch für klimaretter.info.
Der Preis für den besten TV-Beitrag ging an Christian Rhode und Steffen Judzikowski. In "Der große Bluff", laut Jury ein "historisches Dokument eines Kapitels deutscher Energiegeschichte", ließen die beiden Journalisten für das ZDF-Magazin Frontal 21 hinter die Kulissen der Atompolitik der Bundesregierung blicken - noch vor dem alles verändernden Ereignis in Fukushima.
Über "Die Schwarzwälder Stromrebellen", die Gründer der Elektrizitätswerke Schönau, berichteten Werner Kiefer und Frank Dietsche und erhielten für ihr im Deutschlandfunk ausgestrahltes Feature die Auszeichnung in der Kategorie Hörfunk. Der Sonderpreis Lokales ging an die Journalistin Christine Keck von der Stuttgarter Zeitung für ihren Artikel "Die Entdeckung des Windes", in dem sie die Probleme zweier Unternehmer darstellt, in Baden-Württemberg Windkraftanlagen zu installieren. Ein "erfrischend und interessant geschriebener Artikel, der Hoffnungen greifbar macht, die sich an eine Energiewende in Baden-Württemberg knüpfen", so die Jury. Zum besten Foto wurde die Aufnahme "Windenergieanlage vor Sternenhimmel" von Uwe Meinhold gekürt.

Sieht ein bisschen nach Provinz aus - Erzeugeranlagen der Schönau Stromrebellen - der Bericht über sie bekam aber einen Preis. (Foto: EWS)
Auch Vertreter der Politik, die wirtschafts-, beziehungsweise energiepolitischen Sprecher der Parteien, waren geladen, um Energiewende und aktuelle Energiepolitik zu diskutieren. Moderator Volker Wieprecht von radioeins (rbb) gelang es aber nicht, eine spannende Diskussion in Gang zu bringen. Joachim Pfeiffer (CDU), Garrelt Duin (SPD), Klaus Breil (FDP) und Ingrid Nestle (Bündnis 90/Die Grünen) umrissen zu den großen Schlagworten lediglich ihre Positionen: Ob Belastung der energieintensiven Industrie, Stromspeicher, der Ausbau der Netzinfrastruktur oder die Verteilung der Erneuerbaren im Land - die Themen wurden jeweils nur kurz gestreift. Diese Diskussion also - ganz im Gegensatz zu den prämierten Beiträgen - weniger preisverdächtig.
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