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Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft: Sonnenkraft überholt erstmals Wasserkraft. Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen: Gesamt-Energieverbrauch verringerte sich im ersten Halbjahr 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 3 Prozent.

Von Charlotte Schumann

Die Erneuerbaren Energien haben in den ersten sechs Monaten 2011 erstmals die 20-Prozent-Marke übersprungen. Nach Erhebungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) deckten die Erneuerbaren Energien im ersten Halbjahr mit 57,3 Milliarden Kilowattstunden 20,8 Prozent des deutschen Strombedarfs. Zum Vergleich: im ersten Halbjahr 2010 waren es 50,4 Milliarden Kilowattstunden oder 18,3 Prozent.


Die Windenergie bleibt mit einem Anteil von 7,5 (2010: 6,6) Prozent die wichtigste Erneuerbare Energie. Es folgt Biomasse mit 5,6 (5,4) Prozent. Die Photovoltaik konnte ihren Beitrag durch einen erneut starken Zubau von Anlagen sowie sonnenreiche Frühjahrsmonate nahezu verdoppeln und damit die Wasserkraft zum ersten Mal vom dritten Platz verdrängen. Insgesamt lieferten die Photovoltaikanlagen 3,5 (2,0) Prozent des Stroms. Der Beitrag der Wasserkraft zur Stromerzeugung lag aufgrund der Witterungsverhältnisse bei 3,3 (3,6) Prozent, teilte der BDEW mit. Der Anteil regenerativen Stroms aus Müllkraftwerken sowie sonstigen Erneuerbaren betrug unverändert 0,8 (0,8) Prozent.

Nach Datenlage der Bundesnetz-Agentur sind im Zeitraum März bis Mai 2011 Sonnenkraftwerke mit einer installierten Leistung von insgesamt etwa 700 Megawatt in Betrieb genommen worden. Hochgerechnet auf zwölf Monate entspricht dies einem jährlichen Zubauwert von etwa 2.800 Megawatt. Diese Hochrechnung sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor, um die Degressionssätze der Vergütung des eingespeisten EEG-Stroms zu bestimmen.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft ist der Branchen- und Lobbyverein der großen Energieversorger. Neben dem Bundesumweltministerium, der Bundesnetzagentur und den Branchenverbänden der Erneuerbaren erhebt die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen die Daten zum Energieverbrauch. 1971 von der deutschen Energiewirtschaft gegründet, gilt die Arbeitsgemeinschaft als präzisester Messer des deutschen Energieverbrauchs.

Gesamtenergieverbrauch in Deutschland lag 3 Prozent unter dem Vorjahreswert

Im vergangenen Jahr wurden nach Datenlage der Arbeitsgemeinschaft in Deutschland 621 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert. Im ersten Halbjahr 2011 verringerte sich der Gesamtverbrauch gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 3 Prozent. Der Beitrag der Atomenergie zur Deckung des Energieverbrauchs sackte unter die Marke von 10 Prozent. "Der Stromaustauschsaldo weist seit Mai einen deutlichen Einfuhrüberschuss aus", schreiben die Bilanziers. Ohne den Witterungseffekt wäre der Energieverbrauch schätzungsweise um ein Prozent gestiegen. Massiv beeinflusst wurde der Energieverbrauch aber durch die im Vergleich zum Vorjahr deutlich höheren Temperaturen.

Nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) erreichte der Verbrauch an Primärenergieträgern bis Ende Juni insgesamt 6.869 Petajoule (PJ) oder 234,4 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten. Der Mineralölverbrauch verminderte sich insgesamt im ersten Halbjahr 2011 um knapp 1 Prozent. Hohe Preise und der milde Witterungsverlauf ließen den Bedarf an leichtem Heizöl um knapp ein Viertel einbrechen. Der Erdgasverbrauch sank im ersten Halbjahr 2011 um über 8 Prozent. Der Einsatz von Erdgas in den Kraftwerken lag unter dem des Vorjahreszeitraumes.

Der Verbrauch von Steinkohle verringerte sich um etwas mehr als ein Prozent. Während der Einsatz in Kraftwerken um gut 3 Prozent abnahm, steigerte die Stahlindustrie ihren Bedarf um rund 2 Prozent. Der Verbrauch an Braunkohle lag um 1,1 Prozent über dem Vorjahrszeitraum. Nach Inkraftsetzung des Atom-Moratoriums Mitte März verringerte sich die Stromerzeugung aus Atomkraftwerken um 36 Prozent. Der Anteil der Atomenergie am Primärenergieverbrauch sank auf 9,3 Prozent und damit erstmals seit 25 Jahren in den einstelligen Bereich.


Sonnenkraftwerke haben im ersten Halbjahr 2011 erstmals mehr Strom in Deutschland produziert als Wasserkraftwerke. (Foto: Paul Langrock)

Die erneuerbaren Energien legten nach Datenlage der AG Energiebilanzen im ersten Halbjahr insgesamt um 1,6 Prozent zu. Während die Windkraft ihren Beitrag bei dieser Erhebung um rund 13 Prozent steigerte, sank der Beitrag des Wassers (ohne Pumpspeicher) um knapp 10 Prozent. Die Fotovoltaik verzeichnete weiterhin kräftige Zuwachsraten im hohen zweistelligen Bereich. Der Anteil aller erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch stieg leicht an und betrug zur Jahresmitte 10,2 Prozent.

 

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