Philippinen: Atomkraftwerk wird Touristenziel

Im Erdbebengebiet gebaut - nie ans Netz gegangen: Das einzige AKW der Philippinnen in Bataan soll den Tourismus beflügeln. 

Aus Manila Kara Santos (IPS)

Touristen, die auf den Philippinen unterwegs sind, könnten schon bald eine neue Attraktion ansteuern. Nach dem Gau im japanischen Fukushima soll aus dem einzigen, nie in Betrieb genommenen Atomkraftwerk in Bataan ein Mahnmal für die weltweiten Gefahren der Atomenergie werden. Die Umweltorganisation Greenpeace und andere Nichtregierungsorganisationen unterstützen das Projekt.


AKW Bataan.

Der ehemalige philippinische Diktator Ferdinand Marcos (1965-1985) hatte das nationale Prestigeprojekt für 2,3 Milliarden US-Dollar bauen lassen. Es ging nie ans Netz, denn ein Jahr nach Marcos' Sturz stoppte seine Amtsnachfolgerin Corazon Aquino den fast fertig gestellten Bau wegen seiner durch mögliche Erdbeben und Vulkanausbrüche gefährdeten Lage. Seitdem hat sich in dem AKW auf der Halbinsel Bataan, 100 Kilometer von der Hauptstadt Manila entfernt, nichts getan.

Nach Berechnungen von Greenpeace kostet die Sicherung des Atomreaktors den philippinischen Steuerzahler jährlich fast eine Million Dollar. Umweltaktivisten setzen darauf, dass mit dem AKW als Touristenattraktion künftig ein Teil der Ausgaben wieder einspielen lässt. Ein von Greenpeace mit Unterstützung des staatlichen Energiekonzerns National Power Corporation und der Regierung ausgearbeitetes Pilotprogramm für eine Gruppenführung durch die Betriebsanlagen fand bei den Teilnehmern bereits großen Zuspruch.

Gesteigertes Interesse nach Fukushima

"Gerade nach der Katastrophe von Fukushima könnte das AKW von Bataan zu einer Touristenattraktion für alle Philippiner werden", sagte Ding Fuellos, ein Fachmann für regionale Entwicklung. Das Angebot könnte besonders Oberschüler, angehende Ingenieure, Vertreter lokaler Verwaltungen, Aktivisten und Experten für regionale Strukturentwicklung interessieren.

Wie Francis de la Cruz, Greenpeace-Sprecher in Südostasien, berichtet, sei man inzwischen mit Organisatoren von Ökotouren im Gespräch, um die Führung durch das Atomkraftwerk durch den Besuch anderer regionaler Tourismusziele zu ergänzen. Die Strände von Bataan und seine Ökowanderwege bieten sich dazu ebenso an wie die nahe gelegene Schutzstation für Schildkröten.


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