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Pipeline für Klimakiller-Öl

Trotz aller Umwelt- und Klimaschäden weitet Kanada die Produktion von Öl aus Teersanden ungebremst aus. Um zukünftig noch mehr Öl in die USA zu exportieren, planen die beiden Staaten die Erweiterung ihres Pipeline-Netzes. Keystone XL soll vom kanadischen Saskatchewan bis in den Süden der USA nach Houston, Texas, reichen.

Von Hanno Böck

Teersande, auch Ölsande genannt, gehören zum sogenannten unkonventionellen Öl. Es handelt sich dabei um besonders schweres Öl, sogenanntes Bitumen, welches sich beim Abbau in festem Zustand befindet. Der Abbau von Teersand gilt als extrem umwelt- und klimaschädlich. Studien gehen davon aus, dass Öl aus Teersanden fünfmal so viele Treibhausgase verursacht wie konventionelles Öl. Die Förderung erfolgt in Tagebauen und erzeugt große Mengen giftiges Abwasser – die Abwasserseen in Kanada gehören zu den größten künstlichen Gewässern der Welt. Die größten Teersand-Vorkommen befinden sich in Kanada, weitere große Vorkommen gibt es in Venezuela.


Teersand-Tagebau nahe Fort McMurray. (Foto: Greenpeace)

Dank der hohen Ölpreise boomt die Teersand-Förderung. Vor allem die USA sind händeringend auf der Suche nach Möglichkeiten, Öl zu importieren. Die Abhängigkeit von Öl aus Diktaturen wie Saudi Arabien wird zunehmend kritisch gesehen – im Vergleich dazu erscheint vielen Öl aus Kanada als die bessere Option. Die fatalen Auswirkungen auf den Klimawandel werden gerne ignoriert.

Die Keystone XL-Pipeline ist Teil dieser Expansionspläne und soll die bestehende Keystone I-Pipeline erweitern. Die Gewinnung von Öl aus Teersanden erfordert einen sehr aufwendigen Aufbereitungsprozess, der bislang direkt in Kanada stattfindet. Doch inzwischen setzt die Industrie auf eine andere Möglichkeit – Teersand wird mit Flüssiggas verdünnt und erst nach dem Transport in Raffinerien aufbereitet. Dieses verdünnte Bitumen (Dilluted Bitumen oder DilBit) birgt jedoch höhere Sicherheitsrisiken beim Transport. Die Keystone I-Pipeline, die seit 2010 in Betrieb ist, hatte im ersten Betriebsjahr bereits zwölf große Lecks – zuletzt in North Dakota, wo etwa 80.000 Liter Rohöl austraten. Die Betreiberfirma TransCanada ging während der Genehmigung der Pipeline davon aus, dass derartige Lecks nur etwa alle sieben Jahre auftreten würden.


Die bereits bestehende Keystone I-Pipeline. (Foto: TransCanada)

In einer Studie warnt die US-Organisation Natural Ressources Defense Council (NRDC) vor den Gefahren durch verdünntes Bitumen. Die höhere Säure- und Schwefelkonzentration sowie die Zähflüssigkeit des Materials machen Unfälle wie den in North Dakota deutlich warscheinlicher als dies bei einer konventionellen Ölpipeline der Fall wäre.

Der demokratische Kongressabgeordnete Henry Waxman, Autor des gescheiterten Entwurfes für ein US-Klimagesetz, hatte sich in der Vergangenheit mehrfach gegen das Projekt ausgesbrochen. In einem offenen Brief wandten sich kürzlich zwölf prominente Umweltschützer, darunter der Klimaforscher James Hansen, an Präsident Barack Obama und forderten ihn auf, der Pipeline-Erweiterung die Genehmigung zu verweigern. Während dem Präsidenten bei vielen Klimaschutzvorhaben dank der Republikaner-Mehrheit im Kongress die Hände gebunden seien, hat der er bei der Genehmigung der Keystone XL-Pipeline das letzte Wort – und könnte den Bau somit verhindern.


Der geplante Verlauf der Keystone XL-Pipeline. (Foto: NRDC)

"Bei dieser Angelegenheit hat der Päsident die volle Kontrolle – er kann die Genehmigungen erteilen oder verweigern", sagte Bill McKibben, Gründer der Organisation 350.org. "Im Wahlkampf hat der Präsident seine Anhänger aufgefordert, Druck auf ihn für eine bessere Klimapolitik auszuüben, sobald er im Präsidentenbüro sitzt – wir werden das versuchen und ihm klarmachen, dass es Unterstützung für wirksame Klimaschutzmaßnahmen gibt", so McKibben. Der bekannte Klimaforscher James Hansen betont, dass der Abbau der Teersande alleine die Kohlendioxid-Konzentration in der Erdatmosphäre um 50 Prozent erhöhen würde. "Wenn die Entwicklung der Teersande weitergeht, heißt es für das Klima 'Game Over'", so Hansen.

Vom 20. August bis zum 3. September diesen Jahres planen Umweltaktivisten, sich vor dem Weißen Haus in Washington zu versammeln und mit Aktionen zivilen Ungehorsams gegen die Keystone XL-Pipeline zu protestieren.

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