Wellenkraft im Baskenland
Am Golf von Biskaya ist ein Kraftwerk ans Netz gegangen, dass die Energie der Meereswellen für die Stromerzeugung nutzt. Noch ist Wellenstrom teurer als Photovoltaikstrom, aber das Kraftwerk soll in Spanien zum Prüfstein für ähnliche Bauten werden.
Stolz verkündet der spanische Energieversorger Ente Vasco de la Energía (EVE) im Juli in seiner Rubrik "Actualidad": "Das Baskenland hat das erste Wellenkraftwerk Europas". Gemeint ist das erste kommerziell betriebene Wellenkraftwerk. Zu Forschungszwecken gebaute Kraftwerke gibt es schon einige, zum Beispiel die "Napfschnecke" auf der schottischen Insel Islay oder die "Auster" auf den Orkney-Inseln. Das Kraftwerk mit einer Leistung von 300 Kilowatt befindet sich vor der kleinen Stadt Mutriku an der Nordküste Spaniens, gelegen zwischen San Sebastian und Bilbao. Hier schlagen die Wellen aus dem Golf von Biskaya an den Strand.

Die Turbinen sind von außen nicht zu sehen, das Wasser strömt von unten in Hohlräume im Innern des Bauwerks. (Foto: Voith Hydro)
Die 16 mächtigen Turbinen im Innern der Mole stammen aus der Produktion von Voith Hydro, einem 2000 gegründeten Joint Venture von Voith und Siemens, das sich auf Wasserkrafttechnik spezialisiert hat. "Das Projekt Mutriku zeigt", freut sich Roland Münch, Vorsitzender der Geschäftsführung, "unsere Technologie zur Nutzung der Wellenkraft ist kommerziell einsatzfähig und steht bereit für den weiteren Einsatz im globalen Markt." Das weltweite Potenzial der Meeresenergie schätzt das Unternehmen auf 1,8 Terawatt. Zum Einsatz kommt die von Voith Hydro entwickelte OWC-Technologie (Oscillating Water Column), die mit Hilfe schwingender Wassersäulen Strom erzeugt und bereits seit zehn Jahren auf der schottischen Insel Islay erprobt wird.
Bei dieser Technologie treibt das Wasser nicht wie bei den herkömmlichen Wasserkraftwerken direkt die Turbine an. Stattdessen sorgen die Wellen in einem unter der Wasseroberfläche liegenden, zum Meer hin offenen Hohlraum dafür, dass sich der Wasserpegel auf und nieder bewegt. Die Luft, die sich in dem Hohlraum befindet, wird hierdurch abwechselnd durch die Turbine gepresst und wieder zurückgesaugt. Der ständig wechselnde Druckunterschied treibt die Turbinen an. Die Technik basiert auf der sogenannten Wells-Turbine, die trotz Wechsel der Strömungsrichtung immer in dieselbe Richtung routiert. Jede Turbine bringt es auf eine Leistung von 20 bis 200 Kilowatt.

Das Wellenkraftwerk von Mutriku ist in einer verstärkten Mole untergebracht, die den Hafen des Küstenstädtchens schützt. (Foto: Voith Hydro)
Mit 2,3 Millionen Euro schlägt das Kraftwerk zu Buche und macht damit ein Drittel an den Gesamtkosten des Molenneubaus aus. Die Behörden hoffen sehr, dass sich die Investition lohnt. Trotz überschwänglicher Lobeshymnen im Voraus muss das Kraftwerk erst unter Beweis stellen, ob der Bau weiterer Anlagen lohnt. Wie das Onlinemagazin Telepolis berichtet, räumte EVE ein, dass der Strom aus dem Wellenkraftwerk derzeit sogar noch teurer ist als Photovoltaikstrom. Mit Bekanntgabe des erfolgreichen Neubaus fordert Voith-Geschäftsführer Münch deshalb schon einmal: "Um diese Entwicklung auch künftig zu fördern, können angemessene Einspeisevergütungen für Wellenkraft - wie sie bereits in einigen Ländern existieren - nun die richtigen politischen Rahmenbedingungen setzen."
Neben Wellenkraftwerken direkt an der Küste kann Meeresenergie auch mit Hilfe von Wellenkraftwerken auf hoher See, Gezeitenkraftwerken und Osmosekraftwerken gewonnen werden. Mehr dazu hier.
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