An der Börse: Atomausstieg – na und?
Die Abschaltung zahlreicher AKWs hat an der Strombörse kaum zu Preissteigerungen geführt. Auch die Preiserwartungen der Stromhändler bleiben moderat.
Aus Freiburg Bernward Janzing
Macht der Atomausstieg den Strom knapp und damit teuer? Die Händler an der Strombörse glauben offenbar nicht daran, denn dort haben sich die Preise seit Fukushima nur wenig verändert. Und das, obwohl seit März zumeist 8 Atomkraftwerke still standen, zuletzt sogar auch noch das AKW Brokdorf.

Weihnachten in der Schaltzentrale des AKW Gundremmingen. Acht andere Schaltzentralen deutscher AKWs werden in diesem Jahr wohl auf den Baumschmuck verzichten müssen. (Foto: Kernkraftwerk Gundremmingen)
An der Leipziger Strombörse EEX gibt es jedenfalls keine Anzeichen für eine Knappheit. Der sogenannte mittlere Baseloadpreis, der die Angebots- und Nachfragesituation des Folgetages abbildet, lag im zweiten Quartal 2011 bei moderaten 53,61 Euro je Megawattstunde - nach 51,85 im Quartal davor. Die Kilowattstunde wurde also um nicht einmal 0,2 Cent teurer gehandelt als in den vorangegangenen drei Monaten.
An der EEX werden auch Lieferkontrakte für künftige Jahre gehandelt. An diesen lässt sich die langfristige Preiserwartung ablesen. Der Futurekontrakt für 2012 etwa zeigt, ob die Händler 2012 mit einer Verknappung des Strom-Angebots rechnen. Am letzten Handelstag vor dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan wurde eine Megawattstunde, die im Jahr 2012 geliefert wird, für 53,20 Euro gehandelt. In der Woche darauf, als sich der Schwenk in der deutschen Atompolitik schon andeutete, stieg der Preis auf 58,15 Euro und erreichte am 4. April, gut drei Wochen nach dem Beben, gar den Wert von 60,60 Euro.
Nicht mehr als Peanuts
Im Vergleich zur Zeit vor dem Atomunfall war der Strompreis somit um gut 0,7 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Doch selbst dieser mäßige Preisanstieg hat sich am Strommarkt nicht lange gehalten. Nach Verabschiedung des Ausstiegsgesetzes hat sich die Preiserwartung der Händler schon wieder relativiert: Der Terminmarkt beendete die Woche nach dem Ausstiegsbeschluss mit einem Wert von 56,90 Euro pro Megawattstunde für das Jahr 2012 – nur 3,70 Euro mehr als vor Fukushima. Pro Kilowattstunde macht das gerade 0,37 Cent aus.

Eine Börse, an der trotz Atomausstieg keine Panik ausbrach: Die Leipziger Strombörse EEX. (Foto: EEX/Christian Busse)
Am Ende sind das nicht mehr als die berühmten Peanuts. Denn wenn man berücksichtigt, dass der Strompreis für Lieferungen im Jahr 2012 in den letzten Jahren auch ohne Fukushima und energiepolitische Kehrtwenden zwischen 50 und 90 Euro je Megawattstunde schwankte, dann liegen die Preiserwartungen der Stromwirtschaft derzeit sogar eher im unteren Bereich.
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