Klimasünder Apple
Eine neue Greenpeace-Studie untersucht die Herkunft des Stroms von Google, Twitter, Microsoft & Co. Überraschendes Ergebnis: Der Konzern mit dem besten Image ist der größte Klimakiller. Und Google investiert zwar in Ökostrom, das belgische Rechenzentrum hängt aber zu mehr als 50 Prozent am Atomstrom.
Von Martin Reeh
Die einen gelten als suspekte Datenkraken, die anderen als irgendwie andere Konzerne. Aber das Image von Internetfirmen hat nicht viel mit ihrem ökologischen Verhalten zu tun, lautet das Fazit der neuen Studie "How Dirty is Your Data" von Greenpeace International. Darin hat die Umweltorganisation untersucht, woher der Strom der wichtigsten Datenzentren von Google, Yahoo, Apple, Facebook, Twitter, Hewlett Packard, Microsoft, IBM und Amazon stammt.

Applestore in New York: Gläsernes Image, andere Wirklichkeit. (Foto: N-Lange.de/wikipedia)
Das Ergebnis ist nicht allzu schmeichelhaft für die Unternehmen, die sich vor allem auf Strom aus Kohlekraftwerken, teilweise auch auf Atomstrom verlassen. Ausgerechnet Apple, das sich über lange Jahre ein Image als besserer Konzern erarbeitet hat, steht bei Greenpeace am Tabellenende. Das Unternehmen hängt zu 54,5 Prozent an der Kohle. Maßgeblich dafür verantwortlich ist das neue Datenzentrum, das noch im Frühjahr in North Carolina eröffnen wird. Nach Greenpeace-Angaben hat das umgebende Netz nur einen fünfprozentigen Erneuerbaren-Anteil, 95 Prozent kommen aus Kohle- und Atomstrom.
Bei Facebook beträgt der Kohleanteil immerhin noch knapp 53 Prozent, bei Twitter 42,5 Prozent. Nur eines der Rechenzentren hängt zu mehr als 50 Prozent am Atomstrom: das von Google im belgischen St. Ghislain (54 Prozent). Auf einen ähnlich hohen Anteil kommt nur noch das Microsoft-Zentrum in Chicago (47 Prozent).
Zu mehr als der Hälfte von Kohleverstromung sind dagegen gleich 15 Rechenzentren abhängig: davon vier bei Google, vier bei Hewlett Packard, zwei bei Facebook sowie je eines bei Twitter, Yahoo, Microsoft und IBM und eben bei Apple. Am besten schnitt Yahoo mit einem Kohleanteil von 18,3 Prozent und 55 Prozent bei erneuerbarer Energie ab. Fast alle Rechenzentren liegen in den USA, einige wenige in Europa. "Die Technologien des 21. Jahrhunderts werden zu weiten Teilen noch immer von der dreckigen Kohle der Vergangenheit befeuert", schreibt Greenpeace. Die Datenzentren seien vor allem in Gegenden mit Steuernachlässen und billiger Energie angesiedelt. Generell sei bei den Unternehmen eine fehlende Transparenz bezüglich des Treibhausgasausstoßes festzustellen - trotz der wiederholten Verpflichtung des IT-Sektors "zu Offenheit".

Wo Google auf Atomstrom setzt: St. Ghislain in der belgischen Provinz Hennegau. (Foto: Jean-Pol Grandmont/wikipedia)
Greenpeace war deshalb bei der Evaluierung auf Schätzungen angeweisen, die auf dem Kohle- und Atomstromanteil der in der Umgebung beheimateten Stromnetze basieren. Eine Ausnahme bilden teilweise Google und Microsoft, die bei jeweils einem Zentrum Verträge für den Kauf erneuerbarer Energien abgeschlossen haben. Google investiert darüber hinaus in Solar- und Windprojekte.
Der weltweite Datenverkehr trägt maßgeblich zur Steigerung des Stromverbrauchs bei. Alleine die in der Studie erwähnten Datenzentren benötigen heute zwischen 1,5 und zwei Prozent des weltweiten Elektritätsbedarfs, bis einem jährlichen Wachstum von zwölf Prozent. Nach Greenpeace-Angaben verbraucht das Internet insgesamt mehr Strom als Russland und läge dabei, wäre es ein Land, weltweit an fünfter Stelle.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 14 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Überraschung der Woche
Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]
Meinungen: Etscheits Alltagsstress
Ich liebe es! Einmal den Uli Hoeneß machen, auf jedes Umweltgewissen pfeifen und beim Burgerbrater um die Ecke so richtig die Ökosau rauslassen - wäre das nicht irgendwie herrlich? Nun ja ... Lesen Sie selbst!
Von Georg Etscheit [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet
Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Gekaufte Google-Ergebnisse gegen gefakte BP-Logos: Im Netz tobt der Kampf um das Image des drittgrößten Ölkonzerns der Welt. Dabei muss es die PR-Maschinerie von BP mit einer Vielzahl an Internet-Aktivisten aufnehmen, die spritzig und witzig auf die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hinweisen: Spaßige Videos auf Youtube, ironische Kurznachrichten über Twitter, Boykottaufrufe bei Facebook. Aber auch BP nutzt das Web
Zukünftig sollen Rechenzentren vermehrt dort gebaut werden, wo Strom aus Erneuerbaren zur Verfügung steht
Erfolg für Social Media Kampagne gegen Lebensmittelkonzern Nestlé: Lieferanten von Palmöl und Papier aus Regenwaldrodung sollen ausgeschlossen werden
Mit dem Versuch, ein unliebsames Greenpeace-Video aus dem Internet zu verbannen, hat Nestlé erreicht, was es vermeiden wollte: Der Clip verbreitet sich wie ein Lauffeuer und droht für den Konzern zu einem PR Desaster zu werden. Greenpeace prangert darin die Verwendung von Palmöl an, für dessen Produktion illegal Urwald gerodet wurde.
Sofortige Abschaltung von AKW seitens der Stromkonzerne "ist keine Drohung, sondern eine gute Nachricht", meint Greenpeace und beruft sich dabei auf eine Studie, die zeigt, dass sofortiger Atomausstieg machbar ist
Aktivisten benennen das Bundesumweltministerium in das "Atomministerium" um. Der Protest richtete sich gegen die Erkundung des Salzstocks Gorleben als Atommüllendlager
Interview mit einer Greenpeace-Aktivistin, die an der mehrtägigen Besetzung der Baustelle des Braunkohlekraftwerks Boxberg beteiligt war
Die Laufzeitverlängerungen reißen einen alten gesellschaftlichen Konflikt wieder auf, der mit dem Atomkonsens eigentlich befriedet schien. Ausgetragen wird der Konflikt auf dem Rücken der Polizei, sagt Konrad Freiberg, Chef der Gewerkschaft der Polizei im klimaretter-Interview.
Da hängen sie wieder: Greenpeace hatte sich vom Dach der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz abgeseilt, um Druck auf die Verhandler des Petersberger Dialoges zu machen. klimaretter.info sprach mit Greenpeace-Experte Martin Kaiser über die Erfolgsaussichten, Merkels Rede und die Zwei-Tonnen-Regel.
In internen Papieren äußert das Bundesumweltministerium herbe Kritik am Regierungsgutachten zu künftigen Energieszenarien. Auch Greenpeace und Germanwatch rügen irreführende Vorgehensweise.
Greenpeace protestiert gegen Bayerns Waldpolitik
Stopp von Vattenfalls Braunkohletagebau gefordert
Greenpeace startet in Neutrebbin Protest-Tour gegen CCS-Technik und die umstrittene Endlagerung von Kohlendioxid
"Klimaschutz ins Grundgesetz" fordern mehr als 367.000 Bürger und Bürgerinnen mit der Umweltorganisation Greenpeace. Im Petitionsausschuss wurde die Forderung am Montag erstmals diskutiert.
Weltfinanzgipfel in Berlin: Im Kanzleramt beraten die Regierungschefs, draußen fordert Greenpeace mehr Geld für Klimaschutz



