Greenpeace rechnet Ausstieg bis 2015 vor
Energie sparen, erneuerbare Energien ausbauen, Gaskraftwerke als Brücke – Umweltverbände haben am Dienstag aufgezeigt, wie eine Energiewende weg von Atomkraft und hin zu einer Vollversorgung mit regenerativen Energien möglich ist. Ein Ausstieg aus der risikoreichen Atomenergie ist demnach bereits bis 2015 möglich, 100 Prozent Erneuerbare sollen bis 2050 erreicht werden.
Aus Berlin Johanna Treblin
"Wir haben nicht nur ein Atom- sondern auch ein Klimaproblem", sagt Stefan Krug, Greenpeace-Atom-Experte am heutigen Dienstag in Berlin. Deshalb müsse Deutschland auch Kohlekraft hinter sich lassen. Die Umweltorganisation zeigt in einem konkreten Plan, wie in den kommenden vier Jahren alle 17 deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet werden können – ohne dabei auf neue Kohlekraftwerke zu setzen.

Auch das Bundesumweltministerium hat mal mit dem Atomausstieg geworben - im Jahr 2004. (Foto: Wikipedia / Denis Apel)
Konkret sieht der Plan der Umweltorganisation Greenpeace so aus: Die sieben ältesten Atomkraftwerke bleiben abgeschaltet – das sind die Anlagen, die wegen des sogenannten Moratoriums vom Netz genommenen wurden. Auch die AKW Krümmel und Neckarwestheim 2 sollen im Greenpeace-Szenario keinen Strom mehr liefern. Dafür sollen 750 neue Windräder an Land gebaut werden und 170 Windräder auf See. 170.000 neue Solar-Dachanlagen sollen installiert und ein großes Gaskraftwerk angeschaltet werden. Der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung wird beschleunigt. 2012 bis 2015 gehen jeweils zwei weitere Atomkraftwerke vom Netz und der Ausbau von Wind, Sonne und Gas wird in etwa gleichem Maß vorangetrieben.
Kohleausstieg bis 2040
Schrittweise sollen auch alle Kohlekraftwerke vom Netz: Bis 2030 können Greenpeace-Analysen zufolge alle großen Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, bis 2040 werde dann der komplette Ausstieg aus der Kohle erfolgen. Die Erneuerbaren könnten auch das auffangen: Bis 2030 werde im Vergleich zu 2008 durch Effizienzmaßnahmen 16 Prozent weniger Strom benötigt, der Wärmebedarf von Haushalt, Gewerbe und Industrie sinke um ein Drittel. Darüber hinaus setzt das Greenpeace-Szenario auf einen Ausbau der erneuerbaren Energien. Vor allem Windkraft müsse sowohl auf dem Meer als auch auf dem Land weiter ausgebaut werden. "Dafür brauchen wir lediglich ein Prozent der Fläche Deutschlands", sagte Energie-Experte Andree Böhling.
Der letzte Punkt: Gaskraftwerke, die sowohl Strom als auch Wärme produzieren. Im Jahr 2050 könne schließlich auch auf die "Erdgas-Brücke" wieder verzichtet und komplett auf erneuerbare Energien umgesattelt werden. Mit diesem Strommix sei "auch im November bei Nacht, wenn die Sonne nicht scheint und kein Wind weht" die Stromversorgung gesichert. Das nutzt auch dem Klima: Zusammengerechnet könne man bis 2050 damit 90 Prozent der Treibhausgase einsparen.
Langfristig wird Geld gespart
Und die Kosten? "Nach Berechnungen des Umweltbundesamts werden jährlich 50 Millionen Euro an umweltschädlichen Subventionen gezahlt", sagt Greenpeace-Mann Krug. Damit müsse Schluss sein, das Geld in die Energiewende gesteckt werden. Langfristig werde die Stromerzeugung umweltfreundlicher Energien auch ohne das Erneuerbare-Energien-Gesetz günstiger sein als konventionelle Energien, meinte auch Michael Sterner vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES bei der Vorstellung des Greenpeace-Szenarios: Rechne man ohne die Photovoltaik, sei die erneuerbare Stromerzeugung bereits im Jahr 2020 günstiger als die konventionelle. Mit Solarenergie sei es 2050 so weit.

Deutschland erneuerbar. (Graphik: Greenpeace)
Sterner: "Natürlich müssen die Netze weiter ausgebaut werden." Der Ausbau der Erneuerbaren alleine brauche allerdings weniger Netzkilometer als die von der Deutschen Energieagentur (dena) veranschlagten 3.600 Kilometer, die seit Monaten in der Öffentlichkeit kursieren. "Wenn wir nur für die Erneuerbaren die Netze ausbauen, dann brauchen wir nicht mehr als 1.700 Kilometer Leitungen." Sterner weiß, wovon er redet: An der Erstellung der dena-Netzstudie war das IWES als Gutachter-Organisation beteiligt.
BUND stellt Maßnahmenkatalog vor
In eine ähnliche Richtung wie das Greenpeace-Konzept zielt ein Maßnahmenkatalog, den der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ebenfalls am Dienstag der Öffentlichkeit präsentierte. BUND-Energieexperte Thorben Becker forderte, den konkreten Ausbau-Bedarf für die Stromnetze zu ermitteln. Das helfe auch, die Bevölkerung von den Ausbauplänen zu überzeugen. "Mehr Transparenz führt auch zu mehr Akzeptanz."
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