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Japan: AKW droht Kernschmelze

Nach dem Erdbeben in Japan kam es im Atomkraftwerk Fukushima zu einer Kernschmelze. Explosion zerstört Reaktorgebäude, Dach eingestürzt. Behörden befürchten weit über 10.000 Tote.

Von Hanno Böck

Dem verheerenden Erdbeben, die auf der Richterskala die Stärke 9 erreichen, folgte am Morgen in Japan eine bis zu 23 Meter hohe Killerwelle: Die Behörden befürchten weit über 10.000 Tote. In Folge des Erdbebens kam es in mehreren japanischen Atomkraftwerken zu Störfällen. Im Atomkraftwerk Onagawa kam es zu einem Brand im Turbinengebäude. Im Kraftwerk Fukushima I ist die Stromversorgung des Kühlsystems unterbrochen, die Notkühlung läuft auf Batteriebetrieb, Dieselgeneratoren sind ausgefallen.

In der Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho ist ebenfalls das Kühlsystem ausgefallen, hier laufen die Dieselgeneratoren jedoch. "Im allerschlimmsten Fall droht dann eine Kernschmelze", sagte Sven Dokter von der deutschen Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit gegenüber tagesschau.de. Mehrere Tausend Menschen werden zur Zeit aus den betroffenen Gebieten evakuiert.


Atomkraftwerk Onagawa an der japanischen Westküste. (Foto: Nekosuki600/Wikipedia)

Ein Atomkraftwerk muss permanent gekühlt werden, da ansonsten sofort die Hitze der Kernreaktion den Reaktor zerstören würde. Durch das Erdbeben wurde die Stromversorgung in Fukushima unterbrochen. Normalerweise stehen Dieselgeneratoren bereit, die den Kühlkreislauf im Notfall weiterbetreiben - doch diese wurden in Fukushima durch das Erdbeben ebenfalls zerstört, zur Zeit wird die Kühlung von einer Notbatterie betrieben, deren Kapazität jedoch nach einigen Stunden erschöpft ist. Das Kraftwerk wurde zwar abgeschaltet, jedoch besteht weiterhin Gefahr: Auch Stunden nach einer Abschaltung sind die Brennstäbe noch so heiß, dass ein Ausfall des Kühlsystems fatal wäre.

Nach jüngsten Berichten wurde in der Umgebung des Kraftwerks erhöhte Radioaktivität gemessen, im Kontrollraum des Kraftwerks ist die Radioaktivität nach Regierungsangaben um das tausendfache erhöht. "Die tausendfach erhöhte Strahlung deutet auf eine zumindest partielle Kernschmelze hin", erklärt Heinz Smital, Kernphysiker und Greenpeace-Experte. Zur Zeit wird versucht, radioaktiven Dampf, der sich im Reaktordruckbehälte von Fukushima sammelt, kontrolliert entweichen zu lassen. Inzwischen gibt es Berichte, dass auch im zweiten Kraftwerkskomplex Fukushima 2 zu Problemen mit dem Kühlkreislauf gekommen ist.

Etwa ein drittel der Stromversorgung Japans stammt aus Atomkraftwerken - Japan ist mit 53 Kraftwerken weltweit der drittgrößte Produzent von Atomstrom. Der bislang größte Unfall der japanischen Atomindustrie fand 1999 in der Urananreicherungsanlage Tokaimura statt. Damals entging Japan nur knapp einem Super-GAU.

klimaretter.info/hb

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