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Mais-Wüste Deutschland

In nur fünf Jahren hat sich die Anbaufläche für Mais fast verzehnfacht. Ursache sind dem WWF zufolge die "falschen Förderanreize" der EEG-Umlage für Strom aus Biogas. Unsinn, meint der Biogasrat – schuld am Mais-Boom sei die Massentierhaltung.

Von Johanna Treblin

Woher kommt der Mais? Aus Lateinamerika, genauer gesagt aus Mexiko. Christopher Kolumbus brachte die Pflanze nach der "Entdeckung" der neuen Welt mit nach Europa. Rund 5.000 verschiedene Arten gibt es, manche davon mit schwarzen oder violetten Körnern. In Deutschland ist der Mais überwiegend gelb – und breitet sich immer weiter über das Land aus.


Maisernte in Deutschland: Seit 2005 ist der Anbau in die Höhe geschnellt. Die Körner werden überwiegend als Tierfutter genutzt und immer häufiger zur Erzeugung von Biogas eingesetzt. (Fotos: Schulze von Glaßer)

"Deutschland wird immer mehr zur Mais-Wüste", kritisiert die Umweltorganisation WWF. Innerhalb von fünf Jahren hat sich die landwirtschaftliche Fläche, auf der Mais angebaut wird, fast verzehnfacht: Von 2005 bis 2010 stieg die Fläche von 70.000 Hektar auf 600.000 Hektar, so das Ergebnis einer vom WWF herausgegebenen Studie. Grund seien falsche Förderanreize des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Der Staat fördere damit Strom aus Biogas mit rund 3.000 Euro pro Hektar und Jahr - weshalb der Energiemais boome.

"Das Erneuerbare-Energien-Gesetz muss in dieser Hinsicht schnell und umfassend geändert werden", fordert WWF-Agrarexpertin Tanja Dräger de Teran. Es sei "unsinnig", das halbe Land in Maisfelder zu verwandeln. "So, wie er heute angebaut wird, vernichtet Mais die Artenvielfalt, belastet die Gewässer und trägt wertvollen Mutterboden ab." Darüber hinaus gefährde der heutige Maisanbau die nationalen Ziele zum Schutz der Biodiversität. Außerdem seien die Prachtpreise in den vergangenen drei Jahren um das Dreifache in die Höhe geschnellt.

Nachhaltigkeitskriterien für Agrosprit, aber nicht für Biogas

Der WWF kritisiert auch, dass Mais, der für Agrosprit angebaut werde, Nachhaltigkeitskriterien erfüllen muss, Mais für Biogas aber nicht. "Das ist vollkommen unlogisch und muss sich umgehend ändern", sagt Dräger de Teran. Ändern soll sich nach Forderung der Umweltorganisation auch die Vergütungsstruktur des EEG: Expliziter Anbau von Pflanzen für Biogas und Agrosprit solle nicht bezuschusst werden, nur Reststoffe aus der Landwirtschaft sollen die staatliche Förderung erhalten.


Von 2005 bis 2010 stieg die Mais-Fläche von 70.000 Hektar auf 600.000 Hektar. 

Vertreter der Biogasbranche sehen sich nicht in der Verantwortung. Der überwiegende Teil des Maises in Deutschland werde nicht für Biogas, sondern als Futtermittel angebaut. "Massentierhaltung führt zu Flächenbedarf und verschärft den Wettbewerb um die Fläche", sagte Reinhard Schultz, Geschäftsführer des Biogasrats. Biogas erhalte zwar Unterstützung in Form der EEG-Umlage. Die sei aber bei weitem "nicht mit den Zuschüssen zur landwirtschaftlichen Produktion vergleichbar".

Die Formel vom "Wachsen oder Weichen" habe nicht die Biogaswirtschaft erfunden, sondern ein ehemaliger Bauernpräsident. Schulz zufolge stehen in Deutschland genügend Flächen sowohl für die Lebensmittelproduktion als auch für für Biogas zur Verfügung. Wegen ihrer schlechten Klimabilanz würden Ölsaaten für die Produktion von Agrosprit, darunter Raps, mittelfristig ohnehin von den deutschen Ackern verschwinden, meint Schulz. Dadurch stünden wieder neue Flächen frei. Eine größere Rolle bei der Herstellung von Biogas werde künftig auch die Zuckerrübe spielen. Auch andere Energiepflanzen sollen genutzt werden. Schulz meint gar, dass der Anbau von Pflanzen für Biogas auch der Umwelt nutze: "Damit sorgen wir für biologische Vielfalt."

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hatte jedoch bereits angekündigt, die EEG-Förderung für Biogas müsse "angemessen angepasst werden": Die derzeitigen Bedingungen führen "regional zu einem vermehrten Mais-Anbau für die Energie-Erzeugung." Das Futtermittel-Argument zählt demnach nicht: Zunehmend gebe es eine Verschiebung vom Anbau von Futtermais zu Energiemais.

[Erklärung]  
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