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Schlechtes Zeugnis für Teersande


Eine Studie für die EU-Kommission belegt die besondere Klimaschädlichkeit der Ölgewinnung aus Teersanden. Die EU will jedoch ihre Handelsbeziehungen zu Kanada, dem weltgrößten Exporteur von Teersanden, nicht aufs Spiel setzen.

Von Johanna Treblin

Öl aus Teersanden ist rund 23 Prozent klimaschädlicher als Öl aus konventionellen Quellen. Das ist Ergebnis einer Untersuchung der Stanford University in Kalifornien, mit der der Europäischen Kommission nun eine selbst in Auftrag gegebene Studie zur Treibhauswirkung von Teersanden vorliegt. Die Umweltorganisation Transport and Environment bezweifelt allerdings, dass die Ergebnisse irgendeine Auswirkung haben werden.

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Ölsandabbau im kanadischen Alberta. (Foto: Jiri Rezac/Greenpeace)

Die weltweit größten Ölvorkommen neben den Ölquellen von Saudi Arabien befinden sich in Kanada. Dabei handelt es sich allerdings zum Großteil nicht um flüssiges Öl, sondern um sogenannte Teersande oder Bitumen. Öl lässt sich daraus nur mit immensem Energieaufwand extrahieren. Für jedes Barrel Öl wird zudem die vierfache Menge an Abwasser produziert – die giftigen Abwasserseen bedecken alleine schon eine Fläche von 50 Quadratkilometer. Lange galt die Gewinnung von Öl aus Teersanden durch den großen Aufwand als unrentabel. Angesichts schwindender Ölressourcen in leicht zugängigen Gebieten werden für Ölförderer jedoch auch unkonventionelle Förderquellen immer wichtiger.

Die Europäische Kommission hatte bisher stets einen Mangel wissenschaftlicher Untersuchungen als Grund angegeben, warum sie die hohe Treibhauswirkung der unkonventionellen Vorkommen nicht offiziell anerkenne.Das Ergebnis der Studie im Auftrag der EU zeigt nun: 107,3 Gramm Kohlendioxid kommen pro Megajoule erzeugter Energie auf Öl aus Teersanden, konventionelles Öl pro Megajoule auf "lediglich" 87,1 Gramm Kohlendioxid.


Blick auf die Syncrude-Aurora-Abbau von Teersanden nördlich von Fort McMurray in Kanada. (Foto: Jiri Rezac / Greenpeace)

Umweltschützer befürchten, dass die Kommission den Teersanden dennoch keine Absage erteilen wird: Die Europäische Union steht kurz vor den Abschlussverhandlungen um ein Freihandelsabkommen mit Kanada. Und Kanada ist der weltgrößte Produzent und Exporteur von Teersanden. Die Kommission wolle die Verhandlungen nicht gefährden, heißt es aus Brüssel. Kanada hatte bereits damit gedroht, den Fall vor die Welthandelsorganisation zu bringen, wenn die EU Teersande offiziell mit einem Wert für seine Treibhauswirkung belegt.

Der Druck aus Kanada hatte die EU bereits im vergangenen Jahr dazu veranlasst, einen ökologischen Rückzieher zu machen. Zunächst hatte sie die Klimaschädlichkeit von Öl aus Teersand im Rahmen der Treibstoffqualitätsrichtline als um 20 Prozent höher eingeschätzt als Öl aus konventionellen Quellen. Nachdem der Leiter der Direktion Umwelt der EU-Kommission, Karl Falkenberg, im Januar 2010 einen Brief vom kanadischen Botschafter in Brüssel Ross Hornby erhalten hatte, wurde diese Passage des Entwurs allerdings wieder gestrichen.

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