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Run auf Schiefergas an Rhein und Ruhr

Unter NRW soll das zweitgrößte Gasvorkommen Europas schlummern. Neun Unternehmen haben sich bereits Gebiete für Probebohrungen für unkonventionelles Gas gesichert, Exxon will Millionen investieren. Bei der Förderung wird die Umwelt verunreinigt.

Von Johanna Treblin

ExxonMobil will mit unkonventionellem Gas in Nordrhein-Westfalen Milliarden verdienen. In den kommenden Jahren will der US-Ölkonzern einen dreistelligen Millionenbetrag in die Exploration stecken, sagte Gernot Kalkoffen, Chef von Exxon Europa, im Interview mit dem Handelsblatt. Das Unternehmen schätzt die Vorkommen im nordrhein-westfälischen Gestein auf rund 2.100 Milliarden Kubikmeter Gas. Das wäre das zweitgrößte Erdgasvorkommen Europas.


Kohleflöze zwischen Ruhrsandsteinschichten in einem Steinbruch. Mit der Förderung des unkonventionellen Gases erhofft sich Exxon Milliardengewinne. (Foto: Arnoldius / Wikipedia)

Nicht nur ExxonMobil will im größten deutschen Bundesland unkonventionlles Gas fördern. Neun weitere Unternehmen, darunter Wintershall, haben sich bereits Optionen auf verschiedene Gebiete gesichert, um Gas in Schiefergestein oder Kohleflöz zu erschließen. Das Problem: Im Gegensatz zu konventionellen Gasvorräten können in Schieferstein gebundene Vorkommen nicht einfach angebohrt und gefördert werden - die Gesteinsformationen müssen durch sogenanntes "Fracking" zerstört werden, um ein Herausströmen des Gases zu ermöglichen. Dabei werden Chemikalien in den Boden gepumpt und anschließend Sprengungen durchgeführt.

Kalkoffen zufolge hat Exxon in Nordrhein-Westfalen bereits zwei Kohleflözbohrungen vorgenommen und vier Bohrungen in Schiefergas. Künftig wolle sich Exxon hauptsächlich auf Gas aus Kohleflöz stützen. "Erdgas kann nach unserer Überzeugung einen sinnvollen Beitrag zur Energieerzeugung leisten", sagte Kalkoffen.

Zum Fracking erklärte er im Handelsblatt: Bei den Bohrungen werde Wasser und Sand eingesetzt, die Chemikalien dienen als "eine Art Schmiermittel", damit der Sand an den richtigen Stellen lande. "Zum anderen dürfen keine Organismen in den Boden gelangen. Daher desinfizieren wir das Wasser. Die Gasvorkommen können Kalkoffen zufolge den Selbstversorgungsgrad Deutschlands von derzeit 20 Prozent geringfügig steigern: "Das Steigerungspotential hängt davon ab, wie groß das Potenzial wirklich ist. 25 oder 30 Prozent könnten es aber schon werden."


Schiefergas-Bohrungen verschmutzen die Umwelt. (Foto: Energy Watch Group EWG)

Gegen die Bohrungen regt sich in der Bevölkerung Widerstand, vor allem im Münsterland gibt es massive Proteste. Die Bürger befürchten Umwelt- und Gesundheitsschäden. Das für das Münsterland zuständige Bergamt Arnsberg hat ausgeschlossen, innerhalb des nächsten halben Jahres Genehmigungen für Probebohrungen zu erteilen. Der Arnsberger Regierungspräsident und zugleich Chef der Bergbaubehörde Gerd Bollermann (SPD) forderte vergangene Woche, das Bundesberggesetz von 1982 zu überarbeiten. Er wolle eine entsprechende Arbeitsgruppe einsetzen.

Bisher wird Schiefergas vor allem in den USA gefördert – und die Berichte von dort sorgen für Unruhe. Trinkwasserverseuchungen sind an der Tagesordnung. Bei den Bohrungen entweichendes Methan führt auch zu einer schlechten Klimabilanz für das unkonventionelle Gas. Während konventionelles Erdgas als einer der am wenigsten schädlichen fossilen Energieträger gilt, geht der Wissenschaftler Robert Howarth von der Conell University davon aus, dass die Klimabilanz von Schiefergas noch schlechter als die von Kohle ist.

 

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