Neuer Anlauf für die IRENA
Der überraschende Rücktritt von Hélène Pelosse bescheinigte der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien keinen guten Start. Ihr vorläufiger Nachfolger Adnan Zaher Amin sieht mittlerweile "alle wesentlichen Fragen" geklärt.
Im April wird die erste Vollversammlung der IRENA in Abu Dhabi stattfinden, dort wird auch der Generaldirektor für die nächsten vier Jahre bestimmt. Auch Adnan Amin dürfte im Rennen sein: Klimaretter.info hat sich mit dem Interimsdirektor über Probleme der jungen Organsisation und künftige Projekt unterhalten, die aus der Agentur eine Institution machen sollen: Die IRENA soll zur Wissensbasis für "rationale Entscheidungen" werden.
Herr Amin, Sie sind seit November 2010 Interimsdirektor der IRENA: Was ist die größte Herausforderung der Agentur bei der Verbreitung der erneuerbaren Energien?
Adnan Zaher Amin: Das sind sicherlich die Subventionen für fossile Brennstoffe. Die Internationale Energieagentur schätzt die globalen Zuschüsse auf 312 Milliarden Dollar allein im Jahr 2009. Die "Global Subsidies Initiative" meint, dass die Subventionen für die Hersteller weitere 100 Milliarden Dollar umfasst. Die ölreichen Länder halten die Benzinpreise niedrig, damit die Mobilität günstig bleibt. Andere Regierungen unterstützen ihre Gas- und Ölindustrie bei der Erkundung der Erforschung und Ausbeutung der Ressourcen. Sie wollen sichere Arbeitsplätze. Aber mit dieser Art von Subventionen können alternative Energien nicht konkurrieren.
Eines der wesentlichen Defizite ist der Mangel an verlässlichen Informationen für Entscheidungsträger in Bezug auf erneuerbare Energien. Nicht nur in Bezug auf deren Kosten, es geht darum welche politischen Strategien, welche Fördermechanismen und Netzwerke bereits existieren beziehungsweise welche notwendig sind. Dies zu definieren ist wichtig, um zu entscheiden worauf wir uns in Zukunft konzentrieren müssen. Am Anfang unserer Arbeit sollte das Schaffen einer Wissensbasis stehen.
Welche konkreten Projekte plant IRENA?
Einige Beispiele: Wir suchen nach Möglichleiten wie Afrika sich nachhaltig entwickeln kann. Dazu erstellen wir den "Renewable Regency Report". Wir werden in jedem afrikanischen Land prüfen: was gibt es dort für Entwicklungsziele sind, gibt es Zielsetzung zur Nutzung von erneuerbare Energien, Anreize, Fördermaßnahmen oder gesetzliche Rahmenbedingungen, über welche Ressourcen wird verfügt, gibt es ausgebildete Arbeitskräfte beziehungsweise Bildungsträger.
Dadurch erlangen wir einen guten Überblick über die Bedürfnisse: Wie viele Menschen benötigen Zugang zu Energie und welches sind die notwendigen Mechanismen, um die Verbreitung erneuerbare Energien zu erleichtern. Dieses Verfahren kann auch in anderen Entwicklungsländern zum Einsatz kommen. Ähnliches planen wir im Südpazifik. Viele der kleinen Inselstaaten dort sind nicht nur sehr wahrscheinlich die größten Opfer des Klimawandels, sie haben auch kaum Zugang zu Energie-Ressourcen. Erneuerbare Energien bieten für sie ein immenses Potenzial.

Zufällige Namensgebung oder Absicht? Eirena ist in der griechischen Mythologie die Göttin des Friedens.
Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen aus?
Wir planen die Zusammenarbeit mit der World Intellectual Property Organisation (WIPO). Die WIPO speichert alle Patente zur Nutzung erneuerbarer Technologien. Wir diskutieren darüber, wie der Zugang zu diesen Informationen gestaltet werden kann, wie die verfügbaren Technologien beurteilt werden können, wie sie zu den unterschiedlichen Bedingungen in verschiedenen Ländern passen.
Wir wollen eine Erneuerbare-Energie-Datenbank anbieten, die es Regierungen ermöglicht, rationale Entscheidungen aufgrund aktuell verfügbarem Wissen zu treffen. Dieses Projekt ist im Zusammenhang mit einem weiteren Projekt von IRENA gemeinsam mit der World Meteorological Organisation (WMO) zu sehen. Das WMO verfügt über Daten des weltweiten Wettergeschehens.
Diese Projekte werden viel Arbeitskraft und Geld verlangen. Im vergangenen Jahr hatte IRENA wegen ausstehender Mitgliedsbeiträge mit einem Geldmangel zu kämpfen. Wie ist die Situation jetzt?
Um die Wahrheit zu sagen, es war gar nicht so sehr ein Mangel an Geld. 2009 musste IRENA sogar Mittel zurückgeben, da sie nicht verbraucht wurden. Das hatte zur Folge, dass der Organisation im vergangenen Jahr weniger Geld zur Verfügung stand. Das eigentliche Problem ist jedoch die begrenzte Kapazität der IRENA. Es wurde nur sehr wenig neues Personal eingestellt. Viele Regierungen hatten außerdem Fragen dazu, wie das Geld verwaltet wird. Daher denke ich, dass es eher eine Frage des Cash-Flows als ein Geldmangel war.
Ich bin hier nun seit sechs Wochen tätig und habe mich eingehend mit den Managementstrukturen beschäftigt und denke, wir haben es geschafft alle wesentlichen Fragen zu lösen. Das Feedback der Regierungen ist positiv. 2011 haben wir ein Budget von rund 14 Millionen Dollar, plus zusätzliche fünf oder sechs Millionen für weitere Büros. Natürlich ist das nicht viel Geld für eine Organisation die sich in der Anfangsphase befindet, aber ich denke, es sind ausreichende Mittel, um einige gute Projekte zu verwirklichen, und um das zukünftige Budget zu erhöhen. Viele Mitgliedstaaten haben mir ihre Bereitschaft zugesichert, dass sie bereit sind, in die wachsende IRENA zu investieren.
Interview: Daniela Becker
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