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7.000 bis 8.000 Megawatt in einem Jahr

2010 ist der Photovoltaik-Zubau in Deutschland buchstäblich "explodiert": Die Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte hängt maßgeblich an der weiteren Kürzung der EEG-Umlage - manch einer sieht dabei das gesamte Erneuerbare-Energien-Gesetz auf dem Spiel.

Von Sarah Messina und Nick Reimer

Was für ein Jahr für die deutsche Solarwirtschaft: 2010 gingen hierzulande mehr als 230.000 Solarstromanlagen ans Netz. Nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) nahm die installierte Leistung damit um 7.000 bis 8.000 Megawatt zu. Mittlerweile sind demnach 150.000 Menschen in der Branche beschäftigt.


Anders als Freiflächen werden Ackerflächen künftig nicht mehr gefördert. (Foto: BSW-Solar/First Solar) 

7.000 bis 8.000 Megawattt - das ist ein neuer Rekord: 2008 lag der Zubau noch bei knapp 2.000 Megawatt. Im folgenden Jahr, dem Jahr der Bundestagswahl, zeichneten sich erstmals mögliche Einschnitte bei den Solarstrom-Tarifen ab. Entsprechend intensiv wurde in Dachstromanlagen investiert: 2009 war Deutschland nach Erhebung der Bundesnetzagentur mit einem Zubau von gut 3.800 Megawatt der weltgrößte Absatzmarkt für Photovoltaik-Anlagen.

Dann kam die schwarz-gelbe Regierung und die Kappung der EEG-Umlage: Die Kürzung der Einspeisevergütung für Photovoltaik löste bei Investoren regelrechte Torschluss-Panik aus: Zusätzlich zur ohnehin gesetzlich bestimmten Degression um neun Prozent zum Jahresbeginn 2010 wurde die EEG-Umlage im Juli und Oktober noch einmal um 13 Prozent bei Dachanlagen und um zwölf Prozent auf Freiflächen gekappt. Die Förderung von Solaranlagen auf Ackerflächen wurde sogar ganz gestrichen.

Durch die stark gefallenen Modulpreise der chinesischen Konkurrenz gab es einen regelrechten Run auf die Dachstromkraftwerke. Das Installationsvolumen des Vorjahres hatte sich wohl auch vor den angekündigten weiteren Kürzungen nahezu verdoppelt: Ende 2010 dürften 18.000 Megawatt Solarstrom-Kraftwerkskapazität in Deutschland am Netz sein.

Photovoltaik ist längst Konkurrent im Stromnetz

Zum Vergleich: 2009 gingen in Deutschland Windräder mit einer Leistung von 1.917 Megawatt ans Netz - nicht einmal zwei Drittel soviel wie zur Sonnenstromernte. Und wegen Finanzierungsschwierigkeiten im Sog der Finanzkrise bremsten die Windmüller Erwartungen an das Jahr 2010. Möglich, dass dieses Mal dreimal mehr Sonnenstromkapazität als Windkraft installiert wurde.


Dallas-Mann Larry Hagman wirbt derzeit für die Solarworld. (Foto: Fred Joe/Solarworld) 

Hinter diesen Zahlen steckt auch ein Problem des Systems an sich: Während Windstrom 2009 einen Anteil von 6,4 Prozent am deutschen Stromverbrauch deckte, trug Sonnenstrom nur zu einem Prozent bei. Anders als bei Windkraftwerken kann die installierte Leistung eines Sonnenkraftwerks nur in den Mittagsstunden voll abgerufen werden - während an windreichen Tagen ein Windrad auch mal 24 Stunden Strom produzieren kann. Zudem ist der Anteil des Sonnenstroms in den Wintermonaten naturgemäß gering, während der jahreszeitlich bedingte Einfluss auf die Windernte weniger erheblich ist.

Ein Erfolg der Energiewende: Deutschlands Solarkraftwerke sind mittlerweile an sonnenreichen und verbrauchsarmen Tagen in der Lage, die komplette Stromversorgung Deutschlands zu übernehmen. Weil Sonnenstrom dank Erneuerbaren-Energien-Gesetz einen garantierten Einspeisevorrang besitzt, müssten dann andere Kraftwerke vom Netz - für die zwei, drei Mittagsstunden, in denen die installierte Sonnenstromleistung voll ausgenutzt werden kann.

Gleichzeitig illustriert das ein technologisches Problem der Energiewende: Praktisch funktioniert dieses Abschalten schon allein deshalb nicht, weil etwa Atomkraftwerke so schnell nicht regelbar, nicht an- und abfahrbar sind. Und natürlich gilt auch für Biomassekraftwerke oder Windräder der Einspeisevorrang.

Bei der "Rettung des EEG" könnte die Photovoltaik den Schwarzen Peter ziehen

Führende deutsche Energiewissenschaftler - etwa aus dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie - fordern deshalb zur "Rettung des EEG" genauso einen Stopp des solaren Ausbaus, wie auch einige Politiker, etwa der energiepolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Thomas Bareiß. "Ein sehr schneller Ausbau der Photovoltaik birgt die Gefahr, dass die EEG-Umlage deutlich zu schnell steigt", argumentieren die Wissenschaftler, zu denen etwa Claudia 
Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Jürgen 
Schmid vom 
Fraunhofer Institut 
IWES in 
Kassel oder Felix Matthes vom 
Öko‐Institut gehören. Würde der Ausbau nicht gestoppt, so ihr Appell, sei als Folge das EEG und die erneuerbaren Energien insgesamt zur Disposition gestellt werden.

Bareiß forderte dagegen die Einführung eines Deckels von 3.000 Megawatt jährlich, um den "kaum gebremsten" Ausbau der Photovoltaik nicht "aus dem Ruder" laufen zu lassen. Nachdem zuvor schon die Erhöhung der Strompreise durch die großen Stromanbieter wenig differenziert mit dem Verweis auf eine steigende EEG-Umlage erfolgte und eine zweite Kürzungsrunde absehbar wurde, signalisierte die Branche bereits entgegenkommende Defensive: Der Bundesverband Solarwirtschaft schlug etwa vor, die für 2012 geplanten regulären Kürzungen im EEG schon auf Mitte 2011 vorzuziehen.

Wie die Branche der Solarhersteller durch den Kürzungsmarathon kommt, hängt vor allem vom Tempo der weiteren Absenkungen der EEG-Umlage ab. Solarworld-Chef Frank Asbeck prophezeite angesichts der Konkurrenz aus China bereits ein Massensterben deutscher Solarhersteller. Der weitere Zubau der Photovoltaik in Deutschland hängt dagegen eher davon ab, ob eine Deckelung umschifft werden kann.

2011 werden die Weichen für den weiteren Ausbau gestellt

Experten rechnen allerdings trotz des rasanten Zubaus 2010 nicht mit einem sehr starken Anstieg der Solarstromernte: Das vergangene Jahr war ungewöhnlich sonnenarm. Auch wenn die letzten Daten noch nicht vorliegen dürften die Solarstromer lediglich 80 Prozent der sonst einfallenden Energie zur Verfügung gehabt haben. Das könnte in diesem Jahr aber bereits ganz anders werden.

Die Dynamik in der Photovoltaik illustriert auch das schon 
im 
August 
2009 erschienene 
Leitszenario 
Erneuerbare 
Energien der 
Bundesregierung. 
Die ging damals noch von
 einem
 jährlichen Zubau 
der 
Photovoltaik
 von
 1.900 
Megawatt, später 1.300 Megawatt 
aus. Auf diesem Pfad sollte im Jahr 2020 knapp 
18.000 
Megawatt installierter Sonnenstromleistung erreicht werden. Stimmen die Zahlen des Bundesverbandes Solarwirtschaft, ist dieser Wert bereits 2010 erreicht.

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