Schleswig steigt aus Steinkohleprojekt aus

Ein weiteres Stadtwerk begründet die Absage an das Südweststrom-Kohlekraftwerk Brunsbüttel mit fehlender Wirtschaftlichkeit. Auch die GDF Suez nehmen von ihrer Kraftwerksplanung Abstand

Aus Berlin Nick Reimer

Die Stadtwerke Schleswig sind aus dem Kohlekraftwerks-Projekt Brunsbüttel ausgestiegen. "Die Wirtschaftlichkeit des Projekts ist in Frage gestellt", begründete Geschäftsführer Wolfgang Schoofs gegenüber der Schleswig-Holsteiner Zeitung. Das vom Südweststrom-Konsortium geplante Brunsbüttel-Projekt war bereits im Dezember mit Verweis auf das Energiekonzepts der Bundesregierung" vorerst auf Eis gelegt worden. Man wolle erst einmal abwarten, wie sich dieses Konzept im Markt entwickelt, so die Begründung.

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Hübsches Projekt für fossile Enthusiasten: Der Plan des 1.800 Megawatt-Kraftwerkes in Brunsbüttel.

Ursprünglich sollte das Kohlekraftwerk bereits 2012 in Betrieb gehen. Die Investitionskosten des 1.800 Megawatt Leistung umfassenden Kraftwerkes waren anfangs auf zwei Milliarden, später auf drei Milliarden Euro kalkuliert worden. Konzipiert waren die Pläne zu einer Zeit, als weder der Ausstieg aus dem Atomkonsens noch die 100-prozentige Einbeziehung der Kohleverstromung in den europäischen Emissionshandel wahrscheinlich schienen.

Die Stadtwerke Schleswig zeichnen zwar nur einen kleinen Teil an den Investitionskosten - mit zwei bis drei Millionen Euro gedachte sich das Stadtwerk Strombezugs-Rechte sichern zu wollen. Wie die übrigen 70 lokalen Stadtwerke im Verbund Südweststrom wollten die Schleswiger so unabhängig von Lieferungen der großen Stromkonzerne werden. Doch die haben ja nun einen Wettbewerbsvorteil durch die Entscheidung der Bundesregierung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. "Strom aus Atomkraft kann man wesentlich günstiger erzeugen als aus Kohle", sagte Schoofs.

Stadtwerke springen reihenweise ab

Neben den Schleswiger Stadtwerken sind auch weitere Unternehmen der Energiebranche ausgestiegen. Nach Angaben der Klima-Allianz hatten im September bereits die norddeutschen Stadtwerke Quickborn, Wedel, Rotenburg, Winsen und Buchholz ihre Beteiligung gestoppt. Weitere sieben Stadtwerke haben nach der Veröffentlichung des Energiekonzepts der Bundesregierung angekündigt, ihre Investitionsentscheidung zu überdenken, unter anderem die Stadtwerke Sigmaringen, Bietigheim-Bissingen oder Pfullendorf.


Der Protest scheint sich gelohnt zu haben. (Fotos: BI Gesundheit und Klimaschutz)

150.000 Euro haben die Stadtwerke bisher in das Projekt investiert, heißt es in dem Zeitungsbericht. Die Hälfte des Geldes sei für Planungskosten verbraucht worden. Schoofs: "Wir kämpfen jetzt dafür, dass wir die andere Hälfte zurückbekommen." Das Geld soll unter anderem in einen Offshore-Windpark vor Borkum fließen.

Auch die GFD Suez macht in Brunsbüttel einen Rückzieher

Auch ein anderes Kohle-Projekt scheint in Brunsbüttel vom Tisch zu sein: Der französische Energiekonzern GDF Suez hatte bereits zum Jahreswechsel bekanntgegeben, die Pläne für ein 800 Megawatt Kohlekraftwerk in Brunsbüttel nicht weiterverfolgen zu wollen. Als Grund wurden Verzögerungen im Genehmigungsverfahren und fehlende Kooperationspartner genannt. Auch hier dürfte jedoch das Energiekonzept der Bundesregierung eine Rolle gespielt haben.

Die Realisierung der Kohlekraftwerke gilt zum jetzigen Zeitpunkt als unwahrscheinlich. Damit scheint sich zumindest dieser Klimaschutz-Effekt des Energiepaketes der Bundesregierung einzustellen: Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke verdrängen Kohlekraftwerksprojekte. Auch in Lubmin und Mainz/Wiesbaden hatten sich Investoren bereits von Kohleprojekten verabschiedet - und setzen stattdessen auf Gaskraftwerke.


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