2010: So viel Kohlendioxid wie nie zuvor
Nach der Finanzkrise sind nicht nur Wirtschaft, sondern auch Kohlendioxid-Emissionen weltweit wieder auf Wachstumskurs: Wissenschaftler des Global Carbon Projekts warnen vor Rekordwerten im laufenden Jahr.
Von Sarah Messina
Wissenschaftler aus Großbritannien, Australien und Japan haben in der Fachzeitschrift Nature Geoscience ein "Update" zu CO2-Emissionen der Welt veröffentlicht. Ergebnis: Setzt sich der weltweite Wirtschafts-Aufschwung wie erwartet fort, wird 2010 als neues Rekordjahr beim CO2-Ausstoß in die Menschheitsgeschichte eingehen.

Die Schlote der Industrie qualmen wieder, nachdem mit der Wirtschaftskrise auch der Energieverbrauch zurückgegangen war. (Foto: GCP/Kodda-Shuttersto
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Für die Atmosphäre hatte die Finanz- und Wirtschaftskrise ursprünglich eine deutliche Entlastung gebracht: 2009 wurden weltweit rund 1,3 Prozent weniger Kohlendioxid emittiert als noch 2008. Verglichen mit dem Jahr 2007 hatte sich im ersten Krisenjahr 2008 der Anstieg zumindest abgeschwächt: 2008 übertraf die Kohlendioxid-Produktion um 2 Prozent die des Vorjahres. In den Jahren 2000 bis 2007 lag die jährliche Kohlendioxid-Zuwachsrate dagegen noch bei 3,4 Prozent.
Auch die EU-Kommission hatte im Mai dieses Jahres noch einen drastischen Einbruch der Emissionen im europäischen Emissionshandel festgestellt - minus 11,6 Prozent - und frohlockt, auf dem richtigen Klimaschutzweg zu sein. Global ist der Rückgang durch die Wirtschaftskrise 2009 dennoch wesentlich geringer ausgefallen, als ursprünglich vermutet, sagt Pierre Friedlingsstein von der University of East Anglia.

Vor allem in Schwellenländern steigt die Verbrennung von Kohle. (Foto: GCP/Roberto castillo - Dreamstime.com)
Zwar gingen demnach 2009 in Ländern wie Großbriannien, Frankreich, Japan, Russland, den USA oder Deutschland die Kohlendioxid-Emissionen aus der Verbrennung von Kohle und Öl zurück. Gleichzeitig aber stieg das Emissionswachstum von Schwellenländern wie China oder Indien überproportional an. Chinas CO2-Ausstoß aus der Verbrennung fossile Energieträger stieg 2009 um 8 Prozent, Indiens um 6,2 Prozent.
2010 ist auf dem besten Weg zu Rekordwerten
Setzt sich die Erholung der Weltwirtschaft weiter wie prognostiziert fort, könnten 2010 neue Rekorde gebrochen werden, sagt Studienautor Pep Canandell von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO): "Emissionen könnten um mehr als drei Prozent ansteigen und damit an den bislang höchsten Wachstumsraten von 2000 bis 2008 kratzen".
Die Studie ist Teil des Global Carbon Projekts, einem Zusammenschluss internationaler Wissenschaftler, die jährlich Daten zum Kohlendioxid-Ausstoß aus der Verbrennung fossiler Energieträgern und Entwaldung zusammenträgt. Mehr Informationen zum Kohlenstoff-Budjet 2009 hier.
Nach Angaben der US-Behörde für Ozeanograpie und Atmosphäre NOAA befindet sich übrigens auch die globale Durchschnittstemperatur 2010 bereits auf Rekordkurs. Die Daten, kombiniert aus Land- und Ozeanwerten, ergeben in den ersten zehn Monaten fast 14,73 Grad Celsius - exakt so viel wie im bisherigen Rekordjahr 1998. Der Oktober war demnach mit durchschnittlich 14,54 Grad der achtwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
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