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5,7 Billionen US-Dollar für die Erneuerbaren

World Energy Outlook 2010 der Internationalen Energie-Agentur: Der rapide steigende Energiebedarf Brasiliens, Chinas und anderer Schwellenländer wird die Ölpreise in den kommenden 25 Jahren explodieren lassen. Und: Der Anteil regenerativer Erzeugungsarten an der weltweiten Stromproduktion wird laut IEA bis 2035 auf gut ein Drittel wachsen.

Von Nick Reimer

Die Internationale Energieagentur IEA - in Reaktion auf die weltweite Ölkrise 1974 gegründet - ist so etwas wie der Lobbyverband von 28 Industrieländern für deren Energieversorgung. Am heutigen Dienstag haben IEA-Chef Nobuo Tanaka und der Chefökonom Fatih Birol in London den sogenannten "World Energy Outlook 2010" vorgestellt - und dieser Bericht gilt als Richtschnur für die handelnde Politik der 28 weltgrößten Volkswirtschaften.

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Die IEA-Führungsspitze: Chefökonom Fatih Birol (links) und IEA-Chef Nabuo Tanaka - hier auf der Klimakonferenz in Bangkok (Foto: Reimer)

Um es gleich vorweg zu nehmen: Obwohl die IEA alles andere als ein Motor der Energie- und Klimawende ist, wurde sie schließlich zur Sicherung der fossilen Energiebasis gegründet, enthält ihre "Richtschnur 2010" eine ganze Reihe von sehr bemerkenswerten Aussagen. Es muss also dramatischer um unsere Energiesicherheit stehen, als etwa der nationale "Bruderverband" - der Bundesverband der Elektrizitäts- und Wasserwirtschaft glauben machen will. Erster Satz in der Zusammenfassung des "World Energy Outlook 2010": "Die Energiewelt steht vor beispiellosen Ungewissheiten".

"Das Ergebnis der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen war ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber bei weitem nicht aus, um die Nachhaltigkeit des künftigen Energiesystems zu gewährleisten", schreibt die IEA. Explizit erinnern die Autoren die Industriestaaten an deren Verpflichtung, den Entwicklungsländern bis 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar zu Anpassungsmaßnahmen an den bereits erfolgten Klimawandel aufzubringen.

Weiter heißt es wenige Wochen vor der nächsten Weltklimakonferenz in Cancún: Die von den einzelnen Ländern "angekündigten Reduktionsziele reichen selbst bei vollständiger Umsetzung nicht aus, um das anvisierte Zwei-Grad-Ziel zu erreichen". Dies bedeute nicht, dass das Ziel unerreichbar sei. "Jedoch müssen auf Grundlage der heutigen Ziele nach 2020 sehr aufwendige und teure Maßnahmen ergriffen werden". Würde es heute nicht gelingen, die Transformation des Energiesektors hin zu 100 Prozent Erneuerbaren zu schaffen, sei ein praktisches Verfehlen des Zwei-Grad-Ziels wahrscheinlich.

Schon ökonomische Gründe führen die Experten für diese Transformation an. Demnach werde der Energiebedarf Brasiliens, Chinas und anderer Schwellenländer rapide steigen, weshalb der Ölpreis in den kommenden 25 Jahren explodieren werde. Allein den chinesischen Energiebedarf bezifferten die Experten im Jahr 2035 um 75 Prozent höher als im Jahr 2008.

Hinter China würden die USA in 15 Jahren immer noch zweitgrößter Energieverbraucher sein - absolut gesehen -, Indien dann aber schon auf Platz drei (derzeit Platz fünf vor Deutschland auf Platz sechs). Die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass ein Fass Rohöl (159 Liter) 2035 durchschnittlich 113 US-Dollar kosten werde, die globale Erdölförderung ihren Produktionshöhepunkt aber erst nach 2035 erreichen wird. 2035 - so glauben die Experten - wird die Welt 99 Millionen Barrel Öl verbrennen. Das sind Tag für Tag 15 Millionen Barrel mehr als heute.

Trotzdem empfehlen die Fans der fossilen Energieträger ihren Mitgliedstaaten, bereits heute umzusteuern und zwei Drittel aller künftigen Subventionen auf dem Energiemarkt in die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und ein Drittel in Biokraftstoffe fließen zu lassen. "Ein tiefgreifender Wandel der Stromerzeugung steht bevor", schreiben die Experten - weltweit werde der Anteil von Strom aus Kohle von heute 41 Prozent auf dann 32 Prozent am Gesamtenergiemix zurück gehen müssen.

Die Stromerzeugung mit Photovoltaik-Kraftwerken werde rasch ansteigen - 2035 dennoch erst zwei Prozent am Welt-Energiemix ausmachen. Insgesamt aber werde der Anteil regenerativer Erzeugungsarten an der weltweiten Stromproduktion bis 2035 auf gut ein Drittel wachsen.


Solarstrom wird 2035 den IEA-Prognosen zufolge erst zu 2 Prozent den Strombedarf weltweit decken. (Foto: BMU/Müller)

Notwendig dafür seien aber Subventionssteigerung der National-Regierungen: Lag die staatliche Förderung 2009 weltweit bei rund 57 Milliarden US-Dollar, so solle dieser Betrag bis 2015 auf mehr als 100 Milliarden US-Dollar jährlich anwachsen. Die Gesamtsumme der Investitionen in erneuerbare Energien von 2010 bis 2035 müsse sich weltweit auf 5,7 Billionen US-Dollar belaufen. Ausgeschrieben sieht diese Zahl so aus: 570 000 000 000 Dollar.

Insgesamt wird das aber die Erneuerbaren verbilligen, schätzt die Internationale Energie-Agentur: Wären heute durchschnittlich 55 US-Dollar notwendig, um eine Megawattstunde Strom aus regenerativen Quellen zu erzeugen, sind es 2035 mit 23 US-Dollar nicht einmal mehr halb so viel.

Lesen Sie Hier eine deutschsprachige Zusammenfassung des "World Energy Outlook 2010".

Lesen Sie Hier den Hintergrund über den "World Energy Outlook 2009".

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