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Energie ist nicht schwarz-weiß

Wenn der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die Energiedebatte "endlich wieder konstruktiv" führen will, darf man durchaus neugierig sein. "Energie ist nicht schwarz-weiß", so das Motto, dass die Berliner Gesprächsrunde am Mittwochabend jedoch selbst widerlegte.

Aus Berlin Sarah Messina

Um sich ein Bild über aktuelle energie- und klimapolitische Entscheidungen zu machen, war der BDEW bislang ein ziemlich verlässlicher Indikator: Wo der Verband der Energie- und Wasserwirtschaft lobt, sind Umweltschützer alarmiert, wo "Ökos" positive Kritik geben, zeigt sich der BDEW skeptisch und besorgt. Klar, das ist zu einfach, geradezu schwarz-weiß, um der Realität tatsächlich zu entsprechen. Das Ausblenden der Grauzonen hatte der BDEW allerdings selbst aufs Programm seiner Energiedebatte gesetzt.


Unter dem Motto "Energie ist nicht schwarz-weiß" sollte am Mittwochabend diskutiert werden.

"Energie ist nicht schwarz-weiß!", so das Motto des Abends, zu dem die Experten Jochen Homann, Staatssekretär im Wirtschafsministerium, Rolf Martin Schmitz von RWE, Rainer Baake von der Deutschen Umwelthilfe und Klimaretter.info-Chefredakteur Nick Reimer aufs Podium des Berliner Ewerks geladen waren. Man wolle "einen offenen, konstruktiven Dialog über unsere Energiezukunft führen", kündigte BDEW-Spitze Hildegard Müller an. Das Spannungsfeld illustrierten dekorative im Raum verteilte Postkarten mit Texten wie "Die Kraft des Windes begeistert alle – Der Anblick von Windkraftanlagen leider nicht", "Ohne Grünen Strom geht nichts. Ein Mast im Vorgarten geht gar nicht!" oder auch "Mit Kapitalisten kann man nicht diskutieren! Mit Ökos kann man nicht diskutieren!"


Die Expertenrunde: Nick Reimer, Rainer Baake, Rolf Martin Schmitz und Jochen Homann.

In logischer Schlussfolgerung hatte man also sowohl "die einen" als auch "die anderen" zum mit- und aneinander vorbei Reden eingeladen. Vor allem für Letzteres dürfte sich der Journalist, Buchautor und Moderator des Abends Hajo Schumacher verantwortlich gefühlt haben. Komplizierte Materie wird durch Boulevard bekömmlicher, so wohl die Idee der Diskussion nach Art einer Late Night Show. Was durchaus amüsierlich, zeitweise auch aufschlussreich war. Leider ließ das Spiel mit den Klischees für die angekündigte "neue Diskussionskultur" jedoch eher wenig Raum für Nuancen und Zwischentöne.

Stattdessen trafen sich auf dem Podium altbekannte Positionen: Einig war man sich noch darüber, dass Netze eine der wichtigsten Zukunftsfragen sind. Das jedoch kann sogar nach Ansicht von Homann als Konsens "abgehakt" werden. Dann lobte der Staatssekretär das Energiekonzept doch wieder als "Revolution" und schwenkt über zu den hohen Kosten für die Förderung der Photovoltaik. Der RWE-Mann Schmitz sagte: "Deutschland ist keine Insel" und forderte im nächsten Atemzug, den Ausbau "ineffizienter" erneuerbarer Energieformen zu "stoppen", solange die Netze nicht ausgebaut sind, um sowohl Atom- und Kohlekraftwerke als auch Wind, Sonne und Biomasse bewältigen zu können.


Moderator Hajo Schumacher und sein Publikum: Rote Karten wurden nicht gezückt

Baake wies darauf hin, dass der Netzausbau gerade von den großen Energiekonzernen lange versäumt wurde und der Widerwille fast verständlich sei, schließlich müsse jetzt "für die Konkurrenten" aus der Erneuerbaren-Energien-Branche ausgebaut werden. Was ähnlich wie der Hinweis des Klimajournalisten Reimer, dass im ersten Halbjahr 2010 eine Strommenge exportiert wurde, die sieben Atomkraftwerke eigentlich überflüssig mache, als "Kurzsschluss" abgeschmettert wurde, während der Moderator von "Muttis" referierte, die "grün geil finden", aber ihre Kinder im Cayenne in den Kindergarten fahren bevor es ins Nagelstudio geht.

Wenig Neues also vom BDEW. Auch die "Roten Karten", die ans Publikum verteilt worden waren, kamen erst gar nicht zum Einsatz. Die Diskussion außerhalb des Podiums blieb schlichtweg aus. Interveniert wurde nur einmal und da gleich von Hildgard Müller selbst. Die Energiewende werde zunehmend auch "eine Frage des Sozialen": "Umsteuern muss bezahlbar werden".


Kamen sich nicht unbedingt näher: Ex-Staatsminister im Umweltministerium Rainer Baake und der ehemalige ehrenamtliche Präsident des BDEW Rolf Martin Schmitz

Auch im eingeschobenen Filmbeitrag, der laut Anmoderation "die Bürger" zu Wort kommen lassen sollte, wurden zwar sorgsam ausgeglichene Eingaben pro und contra Atom, Erneuerbare und Energiekonzept vorgetragen, aber auch immer wieder Bundeskanzlerin Angela Merkel und "Energieexperten" wie die umstrittene umweltpolitische Sprecherin der Unions-Fraktion Marie-Luise Dött zu Wort. Am Ende des Films durfte immerhin eine "Quoten-Bürgerin" mit putziger Stimme noch vermuten, dass es doch "nur ums Geld und gar nicht ums Klima geht, in der ganzen Diskussion".

"Energie" scheint so irgendwie doch "schwarz-weiß". Aber eine Diskussionsreihe mehr, mit der der BDEW schließlich der Regierung selbst bei der angekündigten "Transparenz-Initiative" unter die Arme greifen will, schadet andererseits auch nicht. Zumindest, wenn man es mit Staatssekretär Jochen Homann hält, der selbst im Hinblick auf Energien und ihre Träger großzügig findet: "Man muss viele Blumen blühen lassen".

 

Die Veranstaltung gibt es als Film HIER:

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