"Vattenfall plant eine Mogelpackung"
Am Standort Jänschwalde in Brandenburg will der schwedische Konzern Vattenfall die CCS-Technik im Demonstrationskraftwerk erproben - und anders als ursprünglich angekündigt einen neuen Kraftwerks-Block bauen.
Von Johanna Treblin
Vattenfall will im brandenburgischen Jänschwalde ab 2015 mit der großtechnischen Abscheidung und Verpressung von Kohlendioxid beginnen. Für die Demonstrationanlage lässt die Europäische Union 180 Millionen Euro Fördergelder springen. Umweltschützer haben sich die aktuellen Unterlagen zur Genehmigung des Kraftwerks genauer angeschaut und kommen zu dem Ergebnis: "Vattenfalls CCS-Konzept ist eine Mogelpackung".
Hinter den Plänen zur Abspaltung und Verpressung von Kohlendioxid des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall steckt das Versprechen von weniger klimaschädlichen Emissionen, die in die Atmosphäre ausgestoßen werden. Eigentlich. Der Umweltverband Grüne Liga, die Bürgerinitative CO2-Endlager stoppen und die Lausitzer Bürgerinitiative "Klinger Runde" kritisieren, dass statt der ursprünglich vorgesehenen Umrüstung eines vorhandenen Kraftwerksblocks auf CCS nun ein zusätzlicher Block geplant ist.

Vattenfalls Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in der Lausitz.
Insgesamt würden damit die Emissionen des Kraftwerks Jänschwalde durch CCS nicht reduziert, sondern durch den Zubau von Kapazität noch erhöht. Mike Kess von der Bürgerinitiative CO2-Endlager stoppen fordert von der Landesregierung, den neuen Plänen von Vattenfall nicht zuzustimmen. "Die Landesregierung begeht Betrug am Bürger, wenn sie dieses Konzept zulässt." Die "ohnehin wenig ambitionierten" Ziele zur Reduzierung der Kohlendioxidemissionen des Landes Brandenburg bis 2020 könne man so nicht erfüllen.
Ab 2015 sollten nach bisherigen Plänen in Jänschwalde Teile eines bestehenden Kohlekraftwerks CCS-fähig gemacht werden. Vattenfall setzt für sein Demonstrationskraftwerk auf das so genannte Oxyfuel-Verfahrens, bei dem Kohle nicht in Luft, sondern in reinem Sauerstoff verbrannt wird, weshalb deutlich weniger Abgas aus Kohlendioxid und Wasser entsteht. Der Wasserdampf wird auskondensiert, übrig bleibt ein bis zu 90 bis 95 Prozent konzentriertes Kohlendioxid-Gas, das unter Druck verflüssigt wird.
Kohlendioxid soll in den Regionen Beeskow und Neutrebbin unterirdisch verpresst werden. Gegen die unterirdische Einlagerung von Kohlendioxid hat sich massiver Widerstand in der Region gebildet. Kritiker befürchten, dass diese langfristig nicht sicher ist und daher eine "tickende CO2-Bombe" darstellt.
Vattenfall hatte bereits Anfang Juni Änderungen am technischen Konzept bekanntgegeben, die Details wurden nach Angaben der Umweltschützer erst Ende September bekannt. Am 26. Oktober findet in Cottbus ein Scopingtermin zur Vorbereitung des Genehmigungsverfahrens nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetzes für das CCS-Demonstrationsprojekt statt.
Kein Umbau sondern Neubau für CCS. (Fotos: Reimer)
Vattenfall-Sprecher Ralf Krüger bestätigte gegenüber Klimaretter.info, dass Vattenfall einen neuen Kraftwerksblock in Jänschwalde bauen wolle. "Durch den Zubau wird der Wirkungsgrad des Kraftwerks insgesamt erhöht".
Der Umweltverband Grüne Liga geht dagegen davon aus, dass für die CCS-Technologie so viel Energie eingesetzt werden muss, dass schließlich ein Drittel mehr Kohle benötigt wird, um die gleiche Menge Strom zu erzielen. Darüber hinaus verbrauche CCS eine erhebliche Menge an Wasser: Pro abgeschiedene Tonne Kohlendioxid sei ein zusätzlicher Kubikmeter Wasser notwendig.
Mehr zur geplanten CCS-Demonstrationsanlage im Hintergrundpapier der Grünen Liga
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