"Politische Speerspitze für Erneuerbare"
Eine neue Stiftung will den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen. Sie beruht auf der Kampagne "100% erneuerbar", die die Gründer des Unternehmens juwi im Jahr 2007 starteten. juwi finanziert die Stiftung, bis sie auf eigenen Beinen steht.
Mit Geschäftsführer Michael Lengersdorff, als ehemaliger Sportjournalist Quereinsteiger in dem Bereich, sprach klimaretter.info über den Sinn dieser Stiftung und deren mögliches politisches Gewicht.
klimaretter.info: Herr Lengersdorff, Sie sind Vorsitzender des Vereins 100% erneuerbar. Jetzt haben Sie auch eine gleichnamige Stiftung gegründet. Wozu brauchen wir noch eine Stiftung, gibt es nicht schon genügend?
Michael Lengersdorff: Unser Sitz ist Rheinland-Pfalz. Es gibt hier zwar schon Stiftungen, die sich dem Thema Energie widmen, aber erneuerbare Energien hat bisher keine Stiftung in unserem Bundesland im Fokus. Wir wollen auf jeden Fall auch bundesweit tätig sein – das Thema betrifft nicht nur unsere Region, sondern ganz Deutschland. Genau genommen ist das Thema natürlich von globaler Relevanz, aber wir wollen die Kirche im Dorf lassen und zunächst im Bundesgebiet handeln. Das ist schon eine große Aufgabe, die wir derzeit mit fünf Personen stemmen wollen.
Ihr Ziel haben Sie im Namen der Stiftung formuliert: die Energieversorgung Deutschlands auf 100 Prozent Erneuerbare umzustellen.
Genau. Uns geht es darum, unseren Kindern und den nachfolgenden Generationen eine vernünftige und funktionierende Welt zu übergeben – und dafür müssen wir auf Atom- und Kohlekraft verzichten und einzig auf regenerative Energien setzen. Parallel zur Stiftung gibt es den gleichnamigen Verein, mit dem wir jeden Bürger, jede Bürgerin, ansprechen wollen, die kein großes Budget zur Verfügung haben, aber dennoch etwas für den Klimaschutz tun wollen. Mit der Stiftung werden wir potentere Geldgeber ansprechen. Die Menschen sollen nicht nur reden, sie sollen aktiv handeln: Mit ihrem Beitrag wollen wir alle Menschen darauf einschwören, das Thema erneuerbare Energien nicht nur ideell, sondern auch finanziell zu fördern. Und damit die Energieversorgung für nachfolgende Generationen dauerhaft und umweltfreundlich zu sichern.

Die Berufsschüler haben selbst eine Solaranlage gebaut. Die liefert Strom für die Schule, die übrigen Kapazitäten werden ins örtliche Netz eingespeist. Die Stiftung 100% erneuerbar will einen Blitzschutz finanzieren. (Foto: 100% erneuerbar)
Zum Beispiel wie?
Richtig losgehen soll es erst Anfang 2011, bis dahin arbeiten wir eher im Hintergrund und rufen zu Spenden auf. Ein Projekt läuft aber schon – ein erster Schritt auf die Seite der Welt, wo die Sonne scheint, vielfach jedoch "nur" vom Himmel: Wir fördern eine Berufsschule in Ntamara in Ruanda, dem Partnerland von Rheinland-Pfalz. Dort haben vor fast zwei Jahren die Studenten selbst eine Solaranlage mit einer Leistung von 30 Kilowatt auf dem Dach installiert. Diese Anlage liefert Strom für die gesamte Schule und produziert so viel, dass sie sogar noch Strom ins Netz einspeist. Vom örtlichen Netzbetreiber bekommt die Schule dafür Geld – quasi eine Einspeisevergütung. Mit dem Geld wird ein Techniker finanziert, der die Anlage wartet. Die Stiftung wird 3.000 Euro in die Hand nehmen, um den dringend notwendigen Blitzschutz für die Anlage kaufen und mit dem Partner grünhelme e.V. errichten zu können.
Sie haben außerdem im Internet Unterschriften gegen eine Verlängerung der Atom-Laufzeiten gesammelt. Dabei kamen bei weitem nicht so viele zusammen wie bei anderen Online-Aktionen.
Das stimmt. Deshalb haben wir uns entschieden, unsere eigene Unterschriftensammlung einzustellen und auf unserer Homepage auf andere Sammelaktionen zu verweisen, wie auch auf die epetition im deutschen Bundestag, die noch bis zum 22. Oktober unterzeichnet werden kann. Bisher ist unsere Internetseite wohl noch so bekannt – wir arbeiten am Bekanntheitsgrad und ich bin mir sicher, das sich dies mit Gründung der Stiftung verändern wird.
Und dann lohnen sich Unterschriftenlisten wieder?
Möglicherweise. Unser Ziel ist es auch, aktuelle Entwicklungen in der Politik zu beobachten und uns einzumischen. Dabei gehen Stiftung und Verein Hand in Hand. Wir wollen die politische Speerspitze für den Umbau zu 100 Prozent Erneuerbaren werden. Wir haben das Ziel, dass der Verein mittelfristig auf 5.000 bis 10.000 Mitglieder anwächst. Mit einem solchen personellen Gewicht wollen wir auch in Berlin wahrgenommen werden.
Interview: Johanna Treblin
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