2010: Sieben Atomkraftwerke zu viel am Netz
Gebetsmühlenartig warnen Atomkonzerne und konservative Politiker davor, dass in Deutschland die Lichter ausgingen, wenn auf Atomkraft verzichtet wird. Doch genaue Energiebilanzen zeigen fürs erste Halbjahr 2010 wieder einmal, dass riesige Mengen Strom exportiert werden: Sieben Atomkraftwerke könnten sofort abgeschaltet werden.
Aus Freiburg Bernward Janzing
Sieben Atomkraftwerke könnten hierzulande sofort abgeschaltet werden - ohne dass Deutschland damit zum Stromimportland würde. Das geht aus neuesten Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Demnach verzeichnete Deutschland im ersten Halbjahr 2010 einen Stromexport-Überschuss von rund elf Milliarden Kilowattstunden (kWh) - was ziemlich genau der Elektrizitätsmenge entspricht, die in jenen sechs Monaten von den Meilern Krümmel, Brunsbüttel, Neckarwestheim 1, Biblis A, Grafenrheinfeld, Isar 1 und Philippsburg 1 zusammen erzeugt wurde.

Besonders stark schnitt Solarstrom ab: Er legte im ersten Halbjahr 2010 um 64,4 Prozent zu Foto: q.cells
Die Zahlen sind ein weiterer Beleg dafür, wie schnell der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangeht. Alle Ökoenergien kombiniert speisten von Januar bis Juni 49,4 Milliarden kWh ins deutsche Netz (zum Vergleich: sämtliche Akw kamen im gleichen Zeitraum auf 65,2 Milliarden kWh). Bei anhaltender Entwicklung werden alternative Quellen spätestens Mitte des Jahrzehnts die Atomkraft überflügeln.
Besonders stark schnitt im ersten Halbjahr die Photovoltaik ab. Sie erbrachte 5,4 Milliarden kWh, ein Plus von 64,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit deckte Solarstrom bereits 2,1 Prozent des deutschen Elektrizitätsbedarfs. Das dürfte zum einen am zuletzt rasanten Boom privater Solaranlagen liegen, aber auch am sonnigen Sommerwetter. Jedenfalls dürfte die letztjährige Prognose der Stromwirtschaft, die für das gesamte Jahr 2010 8,3 Milliarden kWh Sonnenstrom erwartete, deutlich übertroffen werden.
Zusammengenommen deckten die Erneuerbaren zwischen Januar und Juli 19 Prozent des deutschen Strombedarfs
Insgesamt wurden laut AG Energiebilanzen im ersten Halbjahr 2010 256,5 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht. Das waren, vor allem wegen der wieder anziehenden Wirtschaft, gut vier Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Einem Stromimport von 19,9 Milliarden Kilowattstunden stand in der Zeit von Januar bis Juni ein Stromexport von 30,9 Milliarden Kilowattstunden gegenüber - woraus sich der genannte Exportsaldo von elf Milliarden kWh ergibt. Zusammengenommen deckten die erneuerbaren Energien im genannten Zeitraum rund 19 Prozent des deuschen Strombedarfs. Die Wasserkraft lieferte 9,4 Milliarden kWh (3,7 Prozent des Gesamtverbrauchs), die Windkraft 18,3 Milliarden kWh (7,1 Prozent) und die Biomasse 16,2 Milliarden kWh (6,3 Prozent). Weiterhin marginal blieb die Stromerzeugung aus Erdwärme: Sie kam auf gerade 0,01 Milliarden kWh.
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