Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Bundeswehr befürchtet Peak Oil

Eine interne Studie der Bundeswehr malt ein düsteres Szenario für die Zeit nach dem Ölfördermaximum. Deutschland könne gezwungen sein, verstärkt mit autoritären Regimes zu kooperieren. Die Ölknappheit werde in einigen Weltregionen zur Destabilisierung führen und könne rechte und nationalistische Parteien stärken.

Von Hanno Böck

Die Bundeswehr bereitet sich auf das Ende des Öls vor. Eine Studie des Dezernats Zukunftsanalyse im Zentrum für Transformation der Bundeswehr in Straußberg belegt, dass man sich innerhalb der deutschen Streitkräfte sehr ernsthaft mit der Möglichkeit einer baldigen Ölknappheit auseinandersetzt und dabei politisch brisante Schlussfolgerungen zieht.

soldat-brennende-oelquelle_usnavy
Krieg um Öl: Hier US-Soldaten im letzten Irak-Krieg. (Foto: US Navy)

Als besonders wichtig erachtet die Studie zur Zeit Russland als wichtigsten Ölimporteur Deutschlands. Danach folgen in einigem Abstand Norwegen und Großbritannien. Alle drei Länder haben selbst jedoch das Ölfördermaximum bereits überschritten, somit könne es in Zukunft darauf ankommen, Importe aus dem Nahen Osten zu stärken. Dort sitzen vor allem Saudi-Arabien, der Iran und der Irak auf reichhaltigen Ölvorkommen.

"Eine durch das Ziel der Versorgungssicherheit motivierte Neujustierung deutscher Nahostpolitik zugunsten intensiverer Beziehungen mit Förderländern wie Iran und Saudi-Arabien mit den größten konventionellen Erdölreserven der Region, dürfte die deutsch-israelischen Beziehungen je nach Intensität des Politikwechsels entsprechend belasten," schreiben die Studienautoren. "Eine besondere Herausforderung stellt in diesem Zusammenhang das konkurrierende Engagement von Ländern wie China dar, die ihre Beziehungen zu den Staaten der Region eher frei von Werteorientierung und politischer Konditionalität gestalten und daher als Partner präferiert werden."

bundeswehrstudie-peakoilLangfristig sieht die Bundeswehr große Probleme auf die Weltwirtschaft zukommen: "Der Peak Oil kann dramatische Konsequenzen für die Weltwirtschaft haben. Das Ausmaß dieser Konsequenzen wird sich – nicht nur, aber eben auch – durch einen Rückgang des Wachstums der Weltwirtschaft messen lassen."

Eine Fokussierung auf das Wirtschaftswachstum hält man allerdings für alternativlos: "In diesem Fall wäre eine Kettenreaktion die Folge, die das Wirtschaftssystem destabilisiert und damit allen weiteren sicherheitspolitischen Ableitungen den analytischen Rahmen entzieht." Zu Rechnen sei mit Staatsbankrotten, Massenarbeitslosigkeit und dem Zusammenbruch kritischer Infrastruktur.

Bereits 1992 wurde erstmals die "Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt" in den verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundeswehr festgeschrieben – damals ein entscheidender Schritt weg von einer reinen Verteidigungsarmee. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler trat Anfang des Jahres zurück, nachdem er sich in einem Interview  ähnlich geäußert hatte. Wörtlich hatte Köhler im Deutschlandfunk gesagt: "Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Weg sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unserer Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen."  

Beobachter aus der Friedensbewegung gehen davon aus, dass der Bundeswehreinsatz 2006 im Kongo wesentlich deswegen geführt wurde, um die dortigen Ölressourcen zu sichern.

In der deutschen Politik ist das Stichwort "Peak Oil" bislang ein Tabu. Viele Wissenschaftler, die sich etwa in der ASPO (Association for the Study of Peak Oil and Gas) zusammengeschlossen haben, warnen seit langem davor, dass die globalen Ölvorräte zur Neige gehen und die Ölförderung bald ihren Höhepunkt erreichen könnte. Einige gehen auch davon aus, dass der "Peak Oil" bereits erreicht ist. An einer Konferenz der ASPO im Mai nahmen auch einige der Autoren der jetzt aufgetauchten Studie teil.

Lesen Sie auch den Kommentar Kein Krieg für Öl unseres Redakteurs Felix Werdermann.

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Dies könnte Sie auch interessieren:

Mittwoch, 30. Juni 2010, 11:03 Uhr
BP: Öl reicht nur noch bis 2055
oelteppich-gpDie Schäden durch Explosion und Sinken der Ölplattform Deepwater Horizon im April hält der Chefökonom des britischen Ölkonzerns BP für "unbezahlbar". Während Hurrikan "Alex" die Arbeiten am Golf von Mexiko bremst, nimmt die USA Hilfsangebote anderer Länder an. Von Johanna Treblin [mehr...]
Dienstag, 15. Februar 2011, 08:00 Uhr
"Die Shell-Leute erschossen Schwangere"
Nigerianische Umweltorganisationen werfen Erdölkonzernen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung vor. Sie fordern, die schlimmsten Verschmutzer des Landes zu verweisen. Mal wieder.
Aus Dakar und Lagos Ebrima Sillah und Sam Olukoya [mehr...]
Samstag, 11. September 2010, 07:02 Uhr
3,6 Millionen Dollar für BPs Sicht auf Ölkatastrophe
09062010-GoogleSpend-adageEin internes Papier verrät, wieviel Geld BP ausgegeben hat, um mit Google-Werbung die Meinung über die Katastrophe im Golf von Mexiko zu beeinflussen [mehr...]
Dienstag, 09. November 2010, 16:33 Uhr
5,7 Billionen US-Dollar für die Erneuerbaren
"World  Energy Outlook 2010" der Internationalen Energie-Agentur: Der rapide steigende Energiebedarf Brasiliens, Chinas und anderer Schwellenländer wird die Ölpreise in den kommenden 25 Jahren explodieren lassen. Und: Der Anteil regenerativer Erzeugungsarten an der weltweiten Stromproduktion wird laut IEA bis 2035 auf gut ein Drittel wachsen.
Von Nick Reimer [mehr...]
Donnerstag, 02. September 2010, 11:07 Uhr
Arktis-Aktivisten vor Grönland festgenommen
greenpeace-greenland1 Nach 40 Stunden Besetzung der Ölplattform Stena Don vor Grönland zwingen eisige Stürme die vier Kletterer in die Knie. Auf der Brücke wartete bereits die Polizei [mehr...]
Donnerstag, 09. Juli 2009, 21:08 Uhr
Aus für Bundeswehr-Bombodrom
Jubel, Tusch - 17 Jahre Widerstand gegen den Bombenabwurfplatz haben sich gelohnt. Verteidigungsminister Jung verzichtet auf Revision [mehr...]
Dienstag, 27. Juli 2010, 11:07 Uhr
BP verliert Milliarden - und seinen Boss
bp-protest-greenpeace2Die Bekanntgabe der neuen Quartalszahlen des Ölkonzerns BP wurde von Protesten begleitet. Greenpeace-Aktivisten demonstrierten vor der BP-Zentrale in Bochum sowie an rund 50 Tankstellen in London [mehr...]

Meinungen: Etscheits Alltagsstress

Danke, lieber Fritz Vahrenholt!

etscheid Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]

Meinungen: Kommentar

Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]

mehr...

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge

Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13

Werbung

Facebook Empfehlungen

klimaretter.info auf Twitter

klimaretter.info Newsletter

klimaretter.info Newsfeed

Hier gehts zu einer Übersicht unserer Newsfeeds


Werbung


Ressorts

Politik


Kanzlerin auf Rohstoffsuche

Angela Merkel (CDU) trifft sich heute mit dem Präsidenten von Kasachstan, um über die Lieferung von seltenen Erden zu verhandeln [mehr...]
Protest


Facebook: Sonne gegen Rösler

Wegen Solarkürzungen: Facebook-Nutzer wetten gegen Wirtschaftsminister [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen


Heizkosten kosten nach Verbrauch

Urteil des Bundesgerichtshof: Eine pauschale Abrechnung ist "ungerecht" - und deshalb verboten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Wie die FDP Ihr Geld klaut

Der Wirtschaftsminister will 250 Großkunden die EEG-Umlage von deren Strompreis abziehen. Das kostet Sie vielmehr Geld als der Ausbau der erneuerbaren Energien! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]