Frauen starten Anti-Atom-Appell
Vor einer Woche haben 40 Wirtschaftsmanager per Zeitungsanzeige einen "energiepolitischen Appell" pro Atomkraft an die Bundesregierung gerichtet. Es waren ausschließlich Männer. Nun melden sich Politikerinnen zu Wort – gegen Atomkraft.Eines war auffällig, als sich einige Bosse der deutschen Wirtschaft am vergangenen Wochenende per Zeitungsannonce an die Bundesregierung wandten: Den Pro-Atomkraft-Appell hatten Ausschließlich Männer unterzeichnet. Nun hat das Institut Solidarische Moderne den Spieß umgedreht und einen Aufruf initiiert, der sich gegen längere Laufzeiten für die Reaktoren richtet – zu den Erstunterzeichnerinnen gehören nur Frauen.

In dem Aufruf mit dem Titel "Demokratischer Rechtsstaat oder Atomstaat" heißt es, bei der "Attacke der Managereliten" gehe es "um nicht weniger als das politische Gestaltungsmandat der Verfassungsorgane und damit um den Bestand des demokratischen Rechtsstaates selbst." Der sei bereits "mit dem unverhüllten Erpressungsversuch der vier großen Energiekonzerne in Frage gestellt" worden. Die Stromunternehmen hatten gedroht, einige Reaktoren abzuschalten, sollte es beim rot-grünen Atomkonsens bleiben.
Zu den 63 Erstunterzeichnerinnen gehören vor allem Politikerinnen von SPD, Grünen und Linkspartei. Mit dabei sind unter anderem SPD-Frau Andrea Ypsilanti, die Fraktionsvorsitzende der europäischen Grünen, Rebecca Harms, sowie die prominenten Linkspolitikerinnen Katja Kipping, Gesine Lötzsch und Petra Pau. Inzwischen haben über 3.000 Menschen den Aufruf online unterzeichnet.
Atomkraft - "Energie ohne Zukunft"
Ein anderer Gegen-Aufruf kann bereits über 6.000 Unterstützer vorweisen: Niklas Sum und Philipp Schächtele haben den Appell unter energie-ohne-zukunft.de bereits vor einer Woche gestartet. Darin heißt es: "Es ist offensichtlich, nur Industrie-Bosse wünschen sich Kern- und Kohle-Energie. Die deutschen Bürger sind für den Ausstieg." Die jungen Macher, die in der IT-Branche tätig sind, erklären auf der Website, dass sie weder mit einer Partei noch mit einer anderen Organisation verbunden sind.
Der groß beworbene "energiepolitische Appell" der Atomkonzerne hat aber noch immer die Nase vorn: Auf der Internetseite werden bereits über 11.000 Unterstützer angegeben. Neben den Vorständen der vier großen Atomkonzerne sind auch Vertreter großer Energieverbraucher dabei, darunter die Chefs von Bayer, ThyssenKrupp und der Deutschen Bahn. Auch der Fußballer Oliver Bierhoff hat unterzeichnet.
Die größte Unterschriftensammlung spricht sich allerdings gegen den Weiterbetrieb der Reaktoren aus: Für den Appell "Atomkraft abschalten" wird bereits seit einem Jahr gesammelt, 160.000 Menschen haben schon teilgenommen. Als die Unterschriften am Donnerstag an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben werden sollten, weigerte sie sich jedoch, diese anzunehmen.
klimaretter.info/fw
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