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Erdgas als Brückentechnologie

Erdgas kann eine Brücke ins erneuerbare Zeitalter sein, sagen Greenpeace und Wuppertal Institut in einer am Mittwoch vorgestellten Studie. In den kommenden zehn Jahren müssten dafür zehn bis 20 neue Anlagen von je 400 bis 600 Megawatt gebaut werden. Insgesamt soll der Erdgasbedarf aber erheblich sinken. Das Problem, wenn im Stromsektor verstärkt auf Gas gesetzt werden soll: Gas wird immer teurer.

Aus Berlin Johanna Treblin

Erdgas kann eine Brücke ins erneuerbare Zeitalter sein, sagen Greenpeace und Wuppertal Institut. In den kommenden zehn Jahren müssten dafür 10 bis 20 neue Anlagen mit einer Leistung von je 400 bis 600 Megawatt gebaut werden und dazu noch etliche kleine Anlagen, sagte Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut bei der Vorstellung einer entsprechenden Studie am Dienstag in Berlin

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Die Leitungen könnten bald mehr Strom aus Erdgas transportieren. (Foto: Reimer)

Erdgas als Brückentechnologie für die Energieversorgung – für Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling ist das "die einzige Brücke, die trägt." Böhling und Fischedick haben dazu eine kleine Tabelle angelegt: Erdgaskraftwerde sind sicherer als Atomkraftwerke, Erdgaskraftwerke sind kostengünstiger im Bau und haben geringere Fixkosten als Atom- und Kohlekraftwerke, Erdgaskraftwerke können im Gegensatz zu Atom- und Kohlekraftwerken fluktuierend eingesetzt werden. Das heißt, wenn viel Sonne oder Wind ins Netz gespeist wird, kann der Anteil an Gas ganz einfach runtergefahren werden – und dann ganz schnell wieder hoch, sobald das notwendig ist. "In nur 15 Minuten schaffen es Gaskraftwerke, von Null auf volle Leistung hochzufahren", sagte Fischedick.

Zehn bis zwanzig neue Großanlagen sind für die Greenpeace-Wuppertal-Vision in den kommenden zehn Jahren notwendig. Doch sie sollen nicht zusätzlich zu den bestehenden Gaskraftwerken gebaut werden, sondern diese ersetzen. Und insgesamt soll nicht mehr, sondern eher noch weniger Gas verbraucht werden als bisher.

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Auch die Ostsee-Pipeline von Gazprom könnte künftig für die Energieversorgung wichtiger werden. Dieses Rohr wartet noch auf Anschluss. (Foto: Reimer)

Szenario: Erdgasbedarf sinkt drastisch

"70 Prozent des Erdgases wird heute im Wärmebereich eingesetzt", erklärte Fischedick. Da müsse die Politik Rahmenbedingungen schaffen und die Energieeffizienz von Gebäuden erheblich steigern. "Der Gesamtbedarf an Erdgas nimmt – insbesondere wegen Einsparungen im Wärmebereich – bis 2050 um 90 Prozent ab", zeigte sich Böhling überzeugt. Das gelte selbst bei einem leichten Zuwachs von Erdgas im Stromsektor.

Deshalb machen sich Greenpeace als Auftraggeber der Studie und das Wuppertal Institut, das die Studie geschrieben hat, auch keine Sorgen über die Versorgungssicherheit. "Gas ist zwar nur begrenzt verfügbar, aber in den kommenden Jahren ausreichend vorhanden", sagte Böhling. In die Rechnung wird auch Energie aus Kraft-Wärme-Kopplung und eingerechnet sowie auch Biomasse – wovon allerdings nicht mehr produziert werden soll als heute.

"Allen Fachleuten ist klar, dass Erdgas bis zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien eine immer wichtigere Rolle spielen wird", sagte Oliver Krischer, Energiesprecher der Bundestagsfraktion der Grünen. "In der polarisierenden Atomdebatte wird dies aber meist vergessen." Erdgas stoße pro Kilowattstunde zwei Drittel weniger Kohlendioxid aus als Kohle. "Die Bundesregierung versäumt in ihrem Atomwahn, die Weichen richtig zu stellen, damit Erdgas zur Brückentechnologie werden kann."

Die meisten Gasanbieter haben allerdings kräftige Preisanstiege angekündigt. Und Deutschlands wichtigster Gaslieferant Gazprom prophezeit in der Financial Times Deutschland: "Bis 2012 ist das Niveau der Vorkrisenzeit wieder erreicht." Das würde nahezu eine Verdopplung der gegenwärtigen Großhandelspreise bedeuten. Grund: Während der Wirtschaftskrise ist der Industrieverbrauch gesunken und durch Schiefergasfunde wurde die USA von einem Import- zu einem Exportland. Beides sorgte für ein Überangebot auf dem Weltmarkt. Das hat zu einem Preisverfall geführt, jetzt ziehen die Preise aber wieder an.

Und die Gaslieferverträge? Der grüne Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hatte 2008 erklärt, Gaslieferverträge seien kaum noch zu bekommen. Das nannte er als Grund dafür, dass die Kohle stark in den Vordergrund gerückt sei. Doch diese Krise scheint überwunden. "Wir haben ältere Gaslieferverträge, die noch mehr als zwanzig Jahre laufen", sagte Nicholas Neu, Sprecher von Wingas, Erdgashandelstochter von Wintershall, des größten Erdöl- und Erdölproduzents Deutschlands. Wingas habe gerade wieder neue Verträge abgeschlossen. Probleme sieht Neu keine.


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