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England: RWE fordert Staatshilfe für Akw

Unter den derzeitigen Bedingungen sei der Bau neuer Atomkraftwerke in Großbritannien unrentabel, sagt eine Studie im Auftrag von RWE. Der Essener Energiekonzern fordert daher, dass Atomkraft genauso gefördert wird wie erneuerbare Energie. Umweltschützer sind empört, und der neue britische Energieminister ist auch kein Atomfreund mehr: Man könne die Energieformen nicht miteinander vergleichen

Von Felix Werdermann

Umweltschützer haben schon lange damit argumentiert: Der Bau neuer Atomkraftwerke lohnt sich wirtschaftlich nur, wenn der Staat unter die Arme greift. Bestätigt wird dies nun auch durch eine Studie der Wirtschaftsberatungsfirma KPMG im Auftrag des Energiekonzerns RWE.

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Bereits gebaute Atomkraftwerke (hier: AKW Grohnde) werfen Millionengewinne ab, neu zu bauende Anlagen kosten aber enorme Summen. (Foto: Lücking/Wikipedia)

In Großbritannien möchte der Essener Energieriese einen neuen Reaktor bauen – zusammen mit Eon. Noch sind die Pläne in weiter Ferne, doch RWE wollte nun anscheinend schon mal wissen, wie es um die Wirtschaftlichkeit bestellt ist. Daher hat das Unternehmen eine Studie in Auftrag gegeben, bei der mehrere Stromkonzerne, Rating-Agenturen und Politiker befragt wurden.

Studie: AKW-Investitionen bleiben aus

Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass der Bau neuer Atomkraftwerke momentan unrentabel sei. "Positive Investitions-Entscheidungen im Maße der benötigten neuen Atomkraftwerks-Generation [...] werden unter den derzeitigen Rahmenbedingungen wahrscheinlich nicht erreicht", schreiben die Autoren. Dabei profitierten mögliche Investoren sogar noch von dem Preis für CO2-Zertifikate, den ein Betreiber fossiler Kraftwerke, also die Konkurrenz, zahlen muss. Die britische Regierung plant hier einen Minimalpreis festzusetzen, der greift, sobald die Verschmutzungsrechte auf dem europäischen Emissionshandelsmarkt zu billig werden.

Atomkraftwerke würden davon genauso profitieren wie Wind- oder Solaranlagen. Allerdings würde dieser Wettbewerbsvorteil gegenüber Kohle- und Gaskraftwerken nicht ausreichen für Milliardnen-Investitionen in neue Reaktoren, heißt es in der Studie. Gleichzeitig sei Atomenergie aber die günstigste Art, Kohlendioxid-Emissionen einzusparen – Offshore-Windräder seien mehr als doppelt so teuer.

Das hätten die Konzerne gern: Einspeisevergütung für Atomstrom

kmpg-studieDeshalb, so argumentieren die Autoren, müsse ein "einheitlicher Markt" geschaffen werden für sämtliche Energieformen mit geringem Treibhausgas-Ausstoß. Konkret heißt das: Atomkraft soll vom Staat genauso gefördert werden wie erneuerbare Energien. Die Studie empfiehlt eine Einspeisevergütung für Niedrig-CO2-Strom. Ähnlich wie beim deutschen Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) (das Eon und RWE stets heftig bekämpft haben) soll es einen festen Grundbetrag geben - allerdings soll sich ein zusätzlicher Aufschlag daran bemessen, wie viele Investitionen nötig sind, um die Klimaziele zu erreichen. Somit würde die Einspeisevergütung von Jahr zu Jahr schwanken. Dies könne laut Studie dazu führen, dass "das gewünschte Level an Investitionen in Erneuerbare nicht erreicht wird".

Im letzten Jahr hatten bereits Äußerungen der Energiekonzerne Eon und EDF für Aufsehen gesorgt: Sie hatten von der britischen Regierung niedrigere Ausbauziele für Windräder gefordert, weil sie befürchteten, dass sich Investitionen in neue Atommeiler sonst nicht mehr lohnten. Inzwischen ist man vorsichtiger geworden. Bei RWE betont man, dass neue Regelungen nicht "zu Lasten der Windenergie" gehen sollten. Allerdings sei der Konzern ebenfalls der Auffassung, dass "die Energieträger gleichbehandelt werden" sollten, sagt ein Sprecher. Volker Beckers, Unternehmenschef der britischen RWE-Tochter Npower, hatte bereits letzte Woche in britischen Medien gefordert, Atomkraft genauso stark zu fördern wie Erneuerbare. "Ich möchte sicherstellen, dass Atom-Investitionen stattfinden, aber in der aktuellen Situation gegen die Investitionen ausschließlich Gaskraftwerke und in den erneuerbaren Sektor", sagte er dem Sunday Telegraph.

Eigentlich soll es keine Subventionen geben

In der RWE-Zentrale hält man trotz Studie an den Plänen für ein neues Atomkraftwerk fest. "Seit längerem sind wir im Gespräch mit der Regierung. Wir bauen da auf eine konstruktive Lösung." Die neue Regierung ist in der Atomfrage zerstritten: Während die konservativen Tories auf die Risikotechnik setzen, wollen die Liberalen neue Reaktoren verhindern. Im Koalitionsvertrag hat man sich darauf geeinigt, für den Bau neuer Atomkraftwerke auf Subventionen zu verzichten. Fraglich bleibt, welche Förderungen und Vergünstigungen als Subventionen gezählt werden.

Chris Huhne bereitet den Energiekonzernen, die in neue Meiler investieren wollen, besondere Bauchschmerzen. Der liberale Atomkraftgegner ist jetzt Energieminister und könnte die Neubauten zumindest hinauszögern. Die Atomindustrie versucht deshalb, auf die Tube zu drücken. Es gebe nur ein "sehr begrenztes Zeitfenster", warnt der Verband der herstellenden Industrie EEF. Schließlich müssten in den nächsten Jahren viele alte Kraftwerke ersetzt werden.

Umweltschützer: Atomkraft und Erneuerbare "nicht vergleichbar"

Rechtfertigt das, Atomkraft gleichermaßen zu fördern wie erneuerbare Energien? Bei Umweltschützern stößt der RWE-Vorschlag auf scharfe Kritik. Man könne die Technologien "in den Umweltauswirkungen nicht miteinander vergleichen", sagt Heinz Smital von Greenpeace. Ein Windrad beispielsweise könne man problemlos wieder abbauen, Reaktoren hinterließen Müll für Millionen von Jahren. Daher verdienten Atomkraftwerke keine Förderung. Außerdem seien neue Reaktoren niemals rentabel, wenn die Investoren die Risiken tragen müssten. "Erst wenn keine volle Haftpflichtversicherung für Schäden gezahlt werden muss, erst wenn jemand anders den Atommüll nimmt - erst dann kann Atomkraft sich rechnen."

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