BP: Öl reicht nur noch bis 2055
Der Chefökonom des britischen Ölkonzerns BP hat einen Notfallhilfsfonds vorgeschlagen, damit auch kleinere Unternehmen mit künftigen Ölkatastrophen nicht alleine dastehen. Die Schäden durch Explosion und Sinken der Ölplattform Deepwater Horizon im April hält er für unbezahlbar.Während Hurrikan Alex die Arbeiten am Golf von Mexiko bremst, nimmt die USA Hilfsangebote anderer Länder an.
Von Johanna Treblin
Der Chefökonom des britischen Ölkonzerns BP, Christof Rühl, hat die Einrichtung eines Notfallfonds vorgeschlagen, um künftige Ölkatastrophen finanzieren zu können. In den Fonds solle die ganze Industrie einzahlen, sagte Rühl am Mittwoch in der Financial Times Deutschland. Damit solle auch kleineren Firmen geholfen werden, die eine Ölkatastrophe wie die im Golf von Mexiko nicht alleine stemmen könnten, sagte Rühl.

Die Schäden durch die Explosion und das Sinken der "Deepwater Horizon" im April belaufen sich Schätzungen zufolge für den Konzern auf insgesamt 40 Milliarden US-Dollar. BP selbst geht jedoch davon aus, dass die tatsächlichen Schäden vermutlich nicht wieder gutzumachen sind. Die zugesagten 20 Milliarden Dollar an Entschädigungszahlungen für von der Katastrophe Betroffene sind laut Rühl "keine Obergrenze", es werde künftig vermutlich weitere Forderungen geben. Ist BP also selbst pleite?
Zumal das Geschäftsmodell absehbar zu Ende geht: Laut dem neuen „BP Statistical Review of World Energy“ reichten die globalen Reserven nur noch 45,7 Jahre aus, das Nachfrage-Niveau des Jahres 2009 zu Grunde gelegt. Die seit 59 Jahren jährlich erhobene empirischen Datensammlung gilt als die umfassendste aus der Industrie und deshalb als Referenz für die gesamte Branche und die Energiepolitik. Heute seien einschließlich der kanadischen Ölsande noch 1333 Milliarden Barrel (Fass) Öl bekannt, die noch im Boden schlummerten.
Kritiker halten diese Zahlen allerdings für übertrieben. So schätzt etwa der US-Investmentbanker und ehemalige Energieberater der Bush-Regierung, Matthew Simmons, dass der Zenit der Ölförderung - der so genannte Peak Oil, also der Zeitpunkt der maximalen Ölförderung - bereits 2005 erreicht wurde. Auch der einzige Professor für Erdölgeologie in Deutschland, Wolfgang Blendinger, geht davon aus, dass das Ölfördermaximum längst hinter uns liegt.
BP hat nun außerdem noch ein weiteres Problem am Hals: Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge haben BP-Mitarbeiter in den USA gegen den Konzern geklagt. Sie fordern Ersatz für ihre Pensionszahlungen, die sich wie der Börsenwert seit der Explosion der Ölplattform halbiert hat.

Hurrikan Alex wütet in der Nähe des Unglücksorts - Hilfsmaßnahmen werden eingestellt. (Graphik: NOAA)
Fast 40.000 Menschen sind damit beschäftigt, den Flickenteppich im Golf von Mexiko zu beseitigen. Allerdings werden die Arbeiten an der Unglücksstelle zurzeit durch Hurrikan "Alex" erschwert. Er wütet zwar nicht direkt über dem lecken Bohrloch. Wegen rauer See mussten die Schiffe, mit deren Hilfe das austretende Öl abgeschöpft wird, am Dienstag abgezogen werden. Dadurch kann sich das Öl nun ungehindert den Stränden der US-Bundesstaaten Louisiana, Alabama, Mississippi und Florida nähern. Wie lange die Arbeiten unterbrochen werden müssen, ist noch nicht abzusehen.
Unterdessen hat die USA die Unterstützung anderer Länder angenommen. Das Außenministerium erklärte, das Land wolle 22 Hilfsangebote von zwölf Ländern und internationalen Organisationen annehmen, um die Ölkatastrophe in den Griff zu bekommen.
Das nächste Problem steht schon vor der Tür: Das Ölfeld könnte aufbrechen. "Niemand kennt den Zustand des Meeresbodens im Bereich des Bohrlochs über dem Ölfeld", sagte der Chef der US-Küstenwache Thad Allen nach einem Bericht des Tagesspiegels. Experten sprechen dabei von einem zu befürchtenden GAU. In einem solchen Fall würde der gesamte Inhalt des Ölreservoirs austreten. Dann gäbe es keine Chance mehr, das Öl zu stoppen.
Auch in Ägypten gab es eine Ölkatastrophe. Am 16. Juni war vor der Küste Urgadas eine unbekannte Menge Öl ausgetreten, vermutlich aus einem Tanker. Genaueres ist noch nicht bekannt, da die an der Ölförderung beteiligte ägyptische Regierung offenbar hartnäckig eine "strenge Informationspolitik" betreibt. Die Organisation Hurghada Environmental Protection and Conservation Association zufolge sind die Strände allerdings wieder zu 90 Prozent sauber.
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