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Lieberose: Mit Sonnenenergie Altlasten sanieren

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VON SARAH MESSINA

Zum letzten Mal geknallt hat es hier vor 17 Jahren: Seitdem war es vergleichsweise still auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose. Inmitten einer brandenburgischen Wald- und Wüstenlandschaft entsteht hier seit Anfang des Jahres die nach Betreiberangaben zweitgrößte Photovoltaik-Anlage der Welt mit einer Leistung von 53 Megawatt. Am morgigen Donnerstag wird der Solarpark Lieberose eröffnet.

Nördlich von Cottbus bauen der Projektentwickler für regenerative Kraftwerke Juwi und Solarmodulhersteller First Solar das Photovoltaik-Vorzeigeprojekt auf einer Fläche, die der Ausdehnung von mehr als 210 Fußballfeldern entspricht. Etwa 700.000 Dünnschicht-Solarmodule werden für den Solarpark installiert, die jährlich 53 Millionen Kilowattstunden sauberen Stroms erzeugen können: Genug, um Bedarf von rund 15.000 Haushalten zu decken.

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Großprojekte wie diese sind für den Ausbau der Erneuerbaren Energien von großer Bedeutung, sagt Juwi Solar Geschäftsführer Lars Falck: „Durch die Größe und die Massenproduktion effizienter Solarmodule wirken sie wie Preisbrecher". Das trage entscheidend dazu bei, dass Strom aus Solaranlagen konkurrenzfähig wird.

Für das Land Brandenburg bietet der Solarpark Lieberose jedoch auch einen anderen Anreiz: "Der Solarpark ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit einer energiewirtschaftlichen Ansiedlung eine zivile Nachnutzung ehemaliger Militärflächen ohne zusätzliche finanzielle Belastung des Landes als Eigentümer der Flächen gelingen kann", so Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Dietmar Woidke.

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Bis 1992 wurden in dem Gebiet Übungen mit scharfer Munition gemacht: Die Spuren von Panzerbeschuss, Granaten und andere militärischen „Altlasten" sind heute nicht mehr überall sichtbar, aber dennoch unter der Erde vorhanden. Mit dem Solarpark Lieberose verwirklichen das Land Brandenburg und die Photovoltaik-Experten von Juwi und First Solar ein Projekt, das Schule machen soll bei der Dekontamination belasteter militärischer Anlagen.

Das Land Brandenburg verpachtet das Gelände an den Anlagenbetreiber, der den Solarpark wiederum für mindestens 20 Jahre zur Erzeugung sauberen Solarstroms nutzen kann. Die Kampfmittelräumung wird durch eine Einmalzahlung und die Pacht finanziert. Nach Ablauf der solaren Nutzung soll die Photovoltaik-Anlage wieder abgebaut und recycelt werden. Danach stehe die Heidefläche - frei von Kampfmitteln - für die Naturschutz-Ziele des Gebiets zur Verfügung, heißt es in der Projektbeschreibung. 

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Die Politik schmückt sich gerne mit einem solchen Vorzeigeprojekt. Das vor allem Braunkohle starke Brandenburg sieht darin eine Möglichkeit "ehrgeizige Ziele im Bereich Erneuerbarer Energien zu erreichen", sagt etwa Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Auch Kollege und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD) lässt es sich nicht nehmen, bei der feierlichen Eröffnung des Solarparks am Donnerstag dabei zu sein. wir-klimaretter.de wird den SPD-Spitzenmann dabei begleiten. Den Bericht können Sie ab Nachmittag auf unseren Wahl-Sonderseiten lesen.

Unumstritten ist das schmückende Leuchtturmprojekt allerdings nicht. Und zwar teils genau deswegen. "Erneuerbare Energien müssen Stück für Stück Atom- und Kohlestrom ersetzen", sagt etwa Tom Kirschey vom Landesverband Brandenburg des Naturschutzbund Deutschland (NABU). Gerade in Brandenburg halte man jedoch noch immer an der Braunkohleverstromung fest und treibe den Ausbau der Erneuerbaren in der Breite nicht genug voran". Die "Naturschutz-Ziele" des Gebiets nach Ablauf der Solarnutzung seien zudem noch völlig ungeklärt. Durch die Abwälzung der Dekontaminationslast der Flächen auf Dritte entzögen sich außerdem sowohl Land als auch Bund ihrer eigenen Verantwortung. 

Auch die Auswirkung einer Photovoltaik-Anlage dieser Größenordnung in Sachen Naturschutz und Artenvielfalt sind noch nicht untersucht, sagt Kirschey. Vögel könnten etwa die Spiegelflächen der Solarmodule für eine Wasseroberfläche halten. Der Naturschutzbund würde Photovoltaik-Module deshalb lieber dezentral und verbrauchernah auf Dächern sehen als in zentralisiert auf Freiflächen wie inmitten der Lieberoser Heide.

(Fotos: Juwi)

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